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Urweider in Klagenfurt geehrt

Raphael Urweider bei der Preisübergabe. www.bachmannpreis.at

Der Grazer Autor Peter Glaser gewann das Wettlesen um den mit 32'000 Franken dotierten Bachmann-Preis. Der Bieler Lyriker Raphael Urweider erhielt den vierten, den 3sat-Preis.

Glasers Siegertext «Geschichte von nichts» erzählt von der Suche nach einer Tante Nelly und deren schliesslichem Tod im Krankenhaus. Glasers Prosa «bereichere die Seele», wurde gelobt.

Das Universum, belehrt die Geschichte beispielsweise, ist wie Liz Taylor: Es ist unergründlich, und es dehnt sich aus. Und das Nichts ist etwas eher Unpraktisches. Man stelle sich nur vor, an einer Stelle wäre das Nichts. Da hätte man ja sofort das Haus voller Philosophen.

Die Kölnerin Anette Pehnt bekam für «Insel 34» den Preis der Jury (rund 15’000 Franken), der Deutsche Mirko Bonné für «Auszeit» den Ernst-Willner-Preis (rund 13’000 Franken).

Raphael Urweider wurde für seine «feingearbeitete Fuge» «Steine» der 3sat-Preis in Höhe von 11’000 Franken zugesprochen.

Urweider auf sprachlich höchstem Niveau

Ausser Markus Ramseier und Roger Monnerat, die beide recht passable Texte vorlegten, rettete vor allem Raphael Urweider die Ehre der Schweizer Literatur im wichtigsten deutschsprachigen Literatur-Wettbewerb.

Urweiders lyrische Prosa sei auf «sprachlich so hohem Niveau wie nur wenige dieses Jahr», lobte Juror Denis Scheck.

Raphael Urweider, 1974 in Bern geboren, studierte Germanistik und Philosophie. Er macht Theatermusik, tritt mit Rap- und HipHop-Projekten in Erscheinung und beteiligt sich gelegentlich an Slam Poetry-Veranstaltungen.

1999 erhielt er unter mehr als 600 Bewerbern den renommierten Leonce-und-Lena-Preis zugesprochen. Sein nachfolgender Lyrikband «Lichter in Menlo Park» erhielt frenetische Kritiken.

Sind Schweizer der deutschen Sprache mächtig?

Am diesjährigen Bachmann-Wettbewerb entstand einmal mehr der Eindruck, Schweizer seien der deutschen Sprache nicht mächtig. Der Thuner Lukas Bärfuss – Inszenator der 1. Augustfeier an der Expo.02 – schwärmte schon im dritten Satz nach Erstklässlerart «Sie war wundervoll». Dergleichen fand sogar der sonst überaus gütige Jurypräsident Robert Schindel «schlampig».

Ein «Mündlich: ungenügend» bekam der Basler Daniel Zahno ins Armutszeugnis gestempelt. Er las seine pathetisch-empfindsame Eifersuchtsgeschichte «Deauville» in immer gleichbleibenden leierndem Jammerton. Ausserdem kopierte er Rilkes Panther so plump, dass Jurorin Konstanze Fliedl schlicht «fassungslos» war.

Die meisten Schweizer Alpenböcke aber schoss der Zürcher Juror Thomas Widmer. Er begann Sätze mit Seltsamkeiten wie «Etwas selbes» und erklärte unter anderem, «warum man grinsen muss beim Lachen».

Ausserdem musste er sich von seinen Jurykollegen wiederholt massregeln lassen, weil er Eigenes in die Texte hineininterpretierte und dieses anschliessend abkanzelte.

swissinfo und Agenturen

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