«Verführung» am Lucerne Festival
Mit einem Konzert des Budapest Festival Orchestras unter Ivan Fischer ist das Lucerne Festival eröffnet worden.
Das Festival steht in diesem Jahr unter dem Leitthema «Verführung» und dauert bis zum 15. September.
Mit Interpretationen von Bartoks «Herzogs Blaubarts Burg» und der Liebeszene aus Wagners «Lohengrin» wurde am Mittwochabend im Eröffnungskonzert der Festvortrag von György Konrad eingerahmt. Der ungarische Philosoph und Schriftsteller sprach zum Thema «Zwang oder Verführung».
Kraft des Betörens
Konrad kreiste das Festival-Thema ein und verwies auf die vielfältigen «Metaphern der Verführung». Im Verführer stecke die Kraft des Betörens. Aber auch verführt zu werden sei ein Fest. «Nicht nur zu herrschen erscheint den Akteuren wünschenswert, sondern auch beherrscht zu werden.»
Schliesslich fand Konrad den Bogen zu den beiden am Eröffnungsabend präsentierten Werke: «Sie geben uns in ihren erhabenen Extremen einen Schlüssel zu den sich im Nebel weit öffnenden Türen der in uns lebenden Romantik in die Hand.»
Sinfonie und Moderne
Das Programm des Lucerne Festivals weist über 80 Veranstaltungen auf. Dazu kommt am 7. September das Fringe Festival – ein Festival im Festival – mit rund 40 Aktionen. Dem Thema «Verführung» ist auch das Symposium (6.-8. September) gewidmet.
Rückgrat des Festivals sind die 16 Sinfonie-Orchester, die insgesamt 32 Konzerte geben. Fünf Orchester kommen als «orchestras-in-residence» nach Luzern: Berliner und Wiener Philharmoniker, Chicago Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic und Concertgebouworkes, Amsterdam.
Stark vertreten ist die Moderne. Insgesamt werden über 100 Werke aus dem 20. und 21. Jahrhundert aufgeführt. Zwölf Uraufführungen sind angesagt, elf von ihnen entstanden im Auftrag des Lucerne Festivals.
Die prominenteste Erstaufführung besorgt am kommenden Samstag das City of Birmingham Symphony Orchestra und Simon Rattle: Die Zehnte Sinfonie von Hans Werner Henze.
Boulez, Neuwirth und Brendel
Als «composer-in-residence» kommen in diesem Jahr der 77-jährige Franzose Pierre Boulez und die 34-jährige Österreicherin Olga Neuwirth nach Luzern. Als «artiste étoile» konnte der 71-jährige Pianist Alfred Brendel gewonnen werden.
Als Novum kündet Festival-Intendant Michael Haefliger zwei Versuche einer Synthese von Klassik, Moderne und Weltmusik an. Es handelt sich um die Orientalische und die Brasilianische Nacht (17. und 24. August).
Für den 7. September ist ein Festival im Festival angesagt. Das Fringe Festival kommt mit über 40 Aktionen: Performances, Konzerte, Tanz, Erzählungen usw. Regie führt der Franzose Serge Aubry. Alle diese Veranstaltungen sind gratis.
swissinfo und Agenturen
Das Lucerne Festival wächst weiter. Bis am 15. September finde über 80 Veranstaltungen statt, darunter allein 32 Sinfoniekonzerte. Im letzten Jahr waren es noch 28 gewesen. Das Festival-Budget beträgt 22 Mio. Franken. Es wird mit bis zu 90’000 Besucherinnen und Besuchern gerechnet.
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