Zwischen Ausdruck und Schönheit
Das Kunstmuseum Bern zeigt 40 Schlüsselwerke des renommierten Deutschen Nachkriegskünstlers Georg Baselitz.
Die Bilder stammen aus der Sammlung des Berner Mäzens Donald M. Hess.
Nach der Gruppenausstellung aus der Hess Collection anfangs 2003 in Biel, konzentriert sich das Kunstmuseum Bern nun auf einen wichtigen Künstler der Sammlung, dessen Werk der international tätige Berner Unternehmer 1976 in der Kunsthalle Bern kennen gelernt hat.
Damals diente Donald M. Hess dem Verein Kunsthalle Bern als Kassier unter der Leitung von Johannes Gachnang. Dieser hatte die expressive Malerei von Georg Baselitz (geboren 1938 als Hans-Georg Kern im sächsischen Deutschbaselitz) in Berlin entdeckt.
Deutsche Vergangenheit
Wie zuvor in Biel, kuratiert der Konservator der Hess Collection, Léonard Cuénoud, die vierzig Schaffensjahre umfassende Überblicks-Ausstellung im Kunstmuseum Bern. Den Sammlungs-Schwerpunkt markieren die seit 1977 entstandenen Linol- und Holzschnitte.
In dunklen, zwei bis drei Quadratmeter grossen Farbflächen sind beispielsweise mit wenigen nervösen Strichen umrissene, auf dem Kopf stehende Adler zu sehen, die unterschiedlich stark an den deutschen Reichsadler erinnern und insofern auch eine politische Aussage beinhalten.
Viel direkter hat sich der junge Baselitz im ältesten Werk der Hess Collection, in der Gouache von 1963 ausgedrückt, wo eine Art nackter Säugling mit verstümmelten Gliedern auf der Erde unter nachtschwarzem Himmel liegt und sowohl Ekel als auch Mitleid erregt.
Bildmotiv auf dem Kopf
Das Ölbild «Ein grosser Hund» von 1968 belegt den Versuch, ein Motiv von mehreren Seiten gleichzeitig darzustellen. Weiter gehend als die Kubisten nach 1900 malt Baselitz über dem Leib je einen unabhängigen, nach rechts und nach links gerichteten Hundekopf.
Erst das Auf-den-Kopf-Stellen des Motivs, etwa der erwähnten Adler, befriedigte den Künstler im Bemühen, einen Gegenstand, eine Figur oder eine Landschaft so darzustellen, dass die Formen und Farbflächen selber stärker in Erscheinung treten können.
Wie die wunderschöne Malerei «Elke 1» von 1975 belegen kann, schafft die Umdrehung des Brustporträts erst die nötige Distanz, um die energisch aufgetragenen, starken Farben innerhalb des helltonigen Grundes wahrzunehmen. Der Names des Hits von Diana Ross «Upside down, boy you turn me on» von 1980 erweist sich da als stimmiger Ausstellungstitel.
swissinfo und Barbara Miesch (sfd)
Georg Baselitz wurde 1938 als Hans-Georg Kern in Deutschbaselitz in Sachsen geboren.
Seine Kindheit und Jugend erlebte er in der ehemaligen DDR, was den künftigen Lebensweg entscheidend prägte.
Bereits zu Beginn seines Kunststudiums in Ostberlin zeigt sich, dass der individuellen Persönlichkeit Baselitz das sozialistische Regime seiner Heimat zutiefst widerstrebt, was 1956 mit einem Verweis von der Hochschule in Ost-Berlin «wegen gesellschaftspolitischer Unreife», einer damaligen Standard-Begründung, endet.
Ab 1957 setzt er sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in West-Berlin bei Professor Hann Trier fort.
Baselitz gilt – wie Gerhard Richter, Sigmar Polke und Anselm Kiefer – als Epochekünstler.
Die Ausstellung in Bern dauert bis am 20. Juni 2004.
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