Geldwäscherei: Schweiz kritisiert, aber nicht am Pranger
Die Schweiz steht erwartungsgemäss nicht auf der «schwarzen Liste» der Internationalen Arbeitsgruppe zur Bekämpfung der Geldwäscherei (FATF), die am Freitag (22.06.) in Paris veröffentlicht worden ist. Die internationale Kritik an der Schweiz verstummt jedoch nicht.
Liechtenstein war im letzten Jahr das einzige westeuropäische Land auf der «schwarzen Liste» der (FATF). Nun ist unser Nachbarland von der Liste der nicht-kooperativen Staaten bei der Bekämpfung der Geldwäscherei gestrichen. Das geht aus dem FATF-Jahresbericht 2001 hervor, der am Freitag in Paris veröffentlicht worden ist.
Erwartungsgemäss gestrichen worden sind auch die Bahamas, die Caiman-Inseln und Panama.
FATF-Präsident José Maria Roldan sagte vor den Medien in Paris, die Arbeitsgruppe sei zufrieden mit den Fortschritten, die diese vier Länder bei der Bekämpfung der Geldwäscherei gemacht hätten.
Die «schwarze Liste»
Die «schwarze Liste» der nicht kooperativen Länder im Kampf gegen die Geldwäscherei umfasst neu folgende 17 Staaten: Ägypten, Birma (Myanmar), Cook-Inseln, Dominikanische Republik, Guatemala Israel, Indonesien, Libanon, Marschall-Inseln, Nauru, Nigeria, Niue, Philippinen, Russland, St. Kitts und Nevis, Ungarn sowie St.Vincent und Grenadinen.
Besonders im Visier der FATF sind Russland, die Philippinen und die Pazifikinsel Nauru, die bereits auf der ersten Liste vor Jahresfrist figurierten und im Urteil der internationalen Arbeitsgruppe seither ungenügende Fortschritte gemacht haben.
Den Mitgliedsstaaten werden Gegenmassnahmen empfohlen, falls diese Länder bis zum kommenden 30. September nicht bedeutende Fortschritte in der Gesetzgebung gegen die Geldwäscherei machen.
Schweiz mit «schwarzen Löchern»
Die Schweiz steht wie erwartet nicht auf der «schwarzen Liste» der FATF. Die Absenz der Schweiz auf der FATF-Liste könne nicht darüber hinweg täuschen, dass es auf dem Schweizer Finanzplatz trotz Geldwäschereigesetz und Konftrollorgangen ebenfalls «schwarze Löcher» gebe, sagt Jean-Pierre Ghelfi, Vizepräsident der Eidg. Bankenkommission (EBK).
Eine Achillesferse stellten dabei beispielsweise die Offshore- Niederlassungen der Banken oder die tausende unabhängiger Vermögensverwalter dar, die nur schwer kontrolliert werden könnten.
Die EBK nimmt die Offshore-Niederlassungen der Schweizer Banken derzeit unter die Lupe. Dutzende unabhängiger Revisoren seien mit Kontrollen in Steuerparadiesen, wie Bahamas, Caiman-Inseln, niederländische Antillen oder Panama beschäftigt, stellt Ghelfi fest.
Grösseres Kopfzerbrechen bereitet dem Vizepräsidenten der EBK die Kontrolle der 5’000 oder 6’000 in der Schweiz tätigen unabhängigen Vermögensverwalter, die aber im Vergleich zu den Banken weit weniger Gelder verwalten.
swissinfo und Agenturen
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