Letzte Inklusinnen schliessen sich in der Stadt St. Gallen ein
Zum letzten Mal werden sich fünf Personen je eine Woche in die Wiborada-Zelle bei der Kirche St. Mangen in St. Gallen einschliessen. Das Projekt erinnert an die lange in Vergessenheit geratene Heilige Wiborada.
(Keystone-SDA) Vier der Inklusinnen und Inklusen kommen aus den Kantonen Thurgau, Appenzell Ausserrhoden, Zürich und Basel. Zudem ist erstmals eine Frau aus Deutschland dabei, die sich einschliessen lassen wird, heisst es in einer Mitteilung des ökumenischen Projektteams vom Dienstag.
Die vier Frauen und der Mann, die vom 1. Mai bis zum 5. Juni dem Leben und Wirken von Wiborada nachspüren, werden auch die letzten Inklusinnen und Inklusen sein. 2026 jährt sich Wiboradas Todestag zum 1100. Mal und die Zelle wird wieder rückgebaut.
Bis Ende Jahr weilen zwar immer mal wieder auch bekannte Persönlichkeiten in der Zelle, darunter die St. Galler Stadtpräsidentin Maria Pappa (SP) oder Susanne Hartmann (Mitte), Regierungsrätin des Kantons St. Gallen. Im Unterschied zu den Inklusinnen und Inklusen sind diese Personen jedoch nicht eingeschlossen.
Vom Papst heilig gesprochen
Seit 2021 liessen sich mehrere Freiwillige in der nachgebauten Zelle einschliessen. Das Projekt wird von zahlreichen Vorträgen, Führungen, Texten und Ausstellungen begleitet und soll die lange in Vergessenheit geratene heilige Wiborada von St. Gallen wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rufen.
Wiborada lebte im 10. Jahrhundert freiwillig eingemauert in ihrer Zelle in der Kirche St. Mangen in St. Gallen. Im Jahr 926 wurde sie während des Überfalls der Ungaren tödlich verletzt. Dank ihrer Voraussicht konnte der St. Galler Klosterschatz, darunter kostbare Manuskripte der Stiftsbibliothek, in Sicherheit gebracht werden.
Wiborada war die erste Frau, die 1047 vom Papst Clemens II. heilig gesprochen wurde. Sie geriet später – neben Gallus und Otmar – als dritte St. Galler Stadtheilige immer mehr in Vergessenheit.