Mehr Grenzgängerinnen aus Frankreich, weniger aus Italien
414'262 Menschen sind im zweiten Quartal 2026 aus dem grenznahen Ausland in die Schweiz zur Arbeit gekommen. Das ist ein leichtes Plus von 0,5 respektive 1,3 Prozent gegenüber dem Vor- und dem entsprechenden Vorjahresquartal. Im Tessin ging die Grenzgängerzahl zurück.
(Keystone-SDA) Ein vertiefter Blick in die am Donnerstag vom Bundesamt für Statistik (BFS) publizierten Daten zeigt: In den vergangenen drei Jahren hat sich nur die Zahl der Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus Frankreich merklich erhöht. Jene aus Italien, Deutschland und Österreich blieb einigermassen stabil. Die Zahl der Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus Italien ging zwischen April und Juni 2026 im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode um 1,1 Prozent zurück.
Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 nahm dementsprechend insbesondere die Zahl an Grenzgängerinnen und Grenzgängern in der Genferseeregion (+2,8 Prozent), im Mittelland (+1,8 Prozent), in der Nordwestschweiz (+1,0 Prozent) sowie – auf deutlich tieferem absolutem Niveau – in der Zentralschweiz (+2,7 Prozent) zu. Im Tessin (-0,6 Prozent), in Zürich (-1,5 Prozent) und in der Ostschweiz (-1,2 Prozent) waren die Zahlen zwischen April und Juni 2026 dagegen rückläufig.
Druck aufs Tessin nimmt ab
Die Statistik deckt sich mit Beobachtungen des Branchenverbands Gastro Ticino von Anfang Jahr. Demnach sind die Bewerbungen aus Norditalien zurückgegangen. Insbesondere gut qualifizierte Arbeitnehmende hätten weniger Interesse an einem Arbeitsplatz im Tessin, hiess es.
Dies dürfte einerseits mit dem seit Juli 2023 geltenden neuen Steuerabkommen mit Italien zu tun haben. Laut Einschätzung von Tessiner Gewerkschaften müssen Grenzgänger aufgrund des neuen Abkommens höhere Steuern entrichten. Andererseits hätten die Gewerkschaften in Italien mit Erfolg für eine bessere Arbeitssituation in der Branche gekämpft.
Kommentatoren von Tessiner Tageszeitungen sprachen damals von einem «historischen Rückgang» von Grenzgängerinnen und Grenzgängern. Gleichzeitig warnten Experten davor, verfrüht von einer Trendumkehr zu sprechen.