Museumsquartier Bern will Ende Jahr Siegerprojekt küren
Die Verantwortlichen des Berner Museumsquartiers haben am Montag Einblick in die Zukunft des Areals gegeben. Ende Jahr wollen sie das Siegerprojekt für die Neugestaltung des Quartiers auswählen.
(Keystone-SDA) 40 Teams aus diversen europäischen Ländern hatten sich für die Teilnahme am städtebaulichen Studienauftrag beworben. Die Jury unter der Leitung des Präsidenten Bernhard Pulver wählte schliesslich fünf Teams aus, darunter ein Nachwuchsteam aus der Schweiz. Die Teams entwickeln nun Vorschläge, wie das künftige Museumsquartier aussehen könnte.
Das Ergebnis soll ein «längerfristiges städtebauliches und räumliches Zielbild» darstellen, eine Art Masterplan ähnlich jenem des Inselareals, wie der Museumsquartier-Vereinspräsident Pulver vor den Medien sagte. «Der Plan soll Verbindlichkeiten schaffen. Weiterentwicklungen sollen künftig auf ihn zurückgreifen.»
Teil des Projekts sind auch vier Vertiefungen. Der Museumsgarten zwischen Historischem Museum und Museum für Kommunikation (MFK) soll künftig als «identitätsstiftender Aussenraum» das Herzstück des Quartiers darstellen. Weiter enthält es Vorschläge für Neubauten und Erweiterungen des Alpinen Museums (Alps), des Naturhistorischen Museums (NMBE) und des MFK.
Das NMBE etwa möchte sich zum künftigen Museumsgarten hin öffnen. Das MFK platzt aus allen Nähten, für das Alps ist ein Neubau angedacht.
Kein neues Depot auf dem Areal
Im Studienauftrag ebenfalls enthalten ist die Gastronomie. Die Institutionen sollen künftig in gewissen Bereichen zusammenarbeiten, das könnte etwa bei Caterings der Fall sein. «Es wird aber weiterhin jedes Haus sein eigenes Angebot beherbergen», sagte Museumsquartier-Geschäftsführerin Kathrin Dellantonio. Die Museumscafés seien identitätsstiftend und ihre Angebote auf das jeweilige Zielpublikum zugeschnitten.
Für die Realisierung hat die Burgergemeinde Bern bereits eine Investition von bis zu 80 Millionen Franken in Aussicht gestellt. Das habe dem Projekt Rückenwind verliehen, sagte Pulver weiter. «Was wir vorhaben, sollte im Rahmen dieser 80 Millionen möglich sein.» Es sei nicht ausgeschlossen, dass sich noch andere Träger beteiligten, aber es sei beispielsweise nicht geplant, beim Kanton oder der Stadt Kredite zu beantragen.
Zum Zeitplan wollten sich die Verantwortlichen nicht auf die Äste hinauslassen. Im Dezember wollen sie das Siegerprojekt auswählen und es Anfang 2027 der Öffentlichkeit präsentieren. Im zweiten Quartal 2027 soll der Masterplan ausgearbeitet werden, im dritten die Planung und Umsetzung starten.
Er spüre von der Burgergemeinde, dass diese vorwärts machen wolle, sagte Pulver. «Es wird sicher schneller gehen, als wenn der Kanton das Projekt umsetzen würde.»
Nicht mehr Teil der Pläne ist ein grosses Museumsdepot. Ein solches wäre schlicht zu teuer. «Im Vordergrund steht momentan die Suche von Lagerräumen andernorts, die die Museen gemeinsam zu einem Depot umnutzen könnten», sagte Pulver.
Vergabe Museums-Awards 2027 in Bern
Im Mai 2027 werden im Museumsquartier die European Museum of the Year Awards (EMYA) vergeben. Diese gelten in der Branche als «die Oscars der europäischen Museen», sagte Beat Hächler, Vorsitzender des Vorstands des Museumsquartiers und Direktor des Alps.
Die EMYA seien an eine Haltung geknüpft, etwa Demokratie, Menschenrechte, Inklusion oder Partizipation. «Auf der ganzen Welt stehen Museen unter grossem politischem Druck», sagte Hächler. Das Museumsquartier wolle die Werte der EMYA am viertägigen Kongress ins Zentrum stellen.