Pakistan attackiert Ziele an afghanischer Grenze
Bei neuen Angriffen der pakistanischen Luftwaffe im Grenzgebiet Afghanistans sind nach afghanischen Angaben 18 Menschen getötet worden. Während afghanische Staatsmedien unter Berufung auf örtliche Behördenvertreter von ausschliesslich zivilen Todesopfern sprachen, ging die Darstellung der Gegenseite in eine andere Richtung: Die Angriffe hätten sieben Terrorlagern und Verstecken der pakistanischen Taliban sowie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gegolten, teilte das pakistanische Informationsministerium mit. Es handle sich um Vergeltung für jüngste Selbstmordanschläge unter anderem nahe der Hauptstadt Islamabad.
(Keystone-SDA) Pakistan habe eindeutige Beweise dafür, dass diese Terrorakte im Auftrag der Anführer beider Terrorgruppen in Afghanistan verübt worden seien, hiess es aus Islamabad. Die Angaben beider Seiten liessen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Während das pakistanische Militär zum Ort der Angriffe schwieg, erklärten afghanische Regierungsvertreter, es seien Wohngebiete in den Provinzen Nangarhar und Paktika getroffen worden. Das von den Taliban geführte Verteidigungsministerium verurteilte die Luftangriffe – und drohte seinerseits mit einer «angemessenen und wohlüberlegten Reaktion».
Friedensgespräche brachten keine nachhaltige Lösung
Angriffe vor allem der pakistanischen Taliban auf pakistanische Sicherheitskräfte und staatliche Einrichtungen führen seit Monaten zu massiven Spannungen zwischen den Nachbarländern. Im Herbst vergangenen Jahres kam es zu kurzzeitigen militärischen Auseinandersetzungen an der Grenze. Pakistans Regierung befahl auch Luftangriffe auf Ziele in Afghanistan. Sie wirft den Taliban in Afghanistan vor, Kämpfern der pakistanischen Taliban Schutz zu gewähren. Die Führung in Kabul bestreitet das.
Friedensverhandlungen unter der Vermittlung des Golfemirats Katar und der Türkei brachten keine nachhaltige Lösung des Konflikts. Neue Spannungen löste dann Anfang Februar ein Anschlag auf ein schiitisches Gemeindehaus nahe Islamabad aus, bei dem 36 Menschen starben. Der IS reklamierte die Tat für sich. Pakistan machte einen Afghanen als Drahtzieher verantwortlich.