Relativ leere Schweizer Stauseen müssen auf nassen Herbst hoffen
Die Schweizer Stauseen sind deutlich weniger gefüllt als sonst zu dieser Jahreszeit üblich. Jetzt kommt es darauf an, wie nass es im Herbst und Winter wird. Sonst fehlt diese Energie im Winter, und es müsste mehr Strom aus dem Ausland importiert werden.
(Keystone-SDA) «Die Füllstände der Stauseen sind in der Schweiz, aber auch im ganzen Alpenraum sowie in den nordischen Ländern auf einem sehr tiefen Niveau», sagt Axpo-Analyst Andy Sommer im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Der weitere Aufbau der Wasserreserven kann heute schwer abgeschätzt werden. Das hänge von der Menge der Niederschläge vor allem im Herbst und Winter ab.
Statistisch sei 2026 ein warmes Jahr, die Schwankungen von Jahr zu Jahr würden sich rund um den Erwärmungstrend infolge des Klimawandels bewegen. Innerhalb des Trends sei dann auch wieder mit kühleren und feuchteren Jahren zu rechnen, sagt Sommer.
Wertvoller Winterstrom
Die Schweizer Stauseen sind gemäss neuesten Zahlen des Bundesamts für Energie derzeit zu 42,7 Prozent gefüllt. Damit liegen die Pegel um 15,1 Prozentpunkte tiefer als durchschnittlich zum selben Zeitpunkt in den vergangenen 20 Jahren.
Je mehr Wasser im Sommer in den Schweizer Stauseen gespeichert wird, desto mehr Strom kann im Winter, wenn mehr Bedarf besteht, produziert werden. Sind alle Speicherseen in der Schweiz restlos gefüllt, kann damit insgesamt rund 8900 Gigawattstunden Strom produziert werden.
In der Schweiz gibt es über 50 Stauwerke. Die Seen im Kanton Wallis tragen 45 Prozent zur gesamten Speicherkapazität bei. Der Anteil der Stauseen in Graubünden beträgt 22 Prozent, jener des Tessins 14 Prozent.
Bessere Lage im Wallis als im Tessin und Graubünden
Alpiq etwa ist an den Stauseen Grande Dixence, Emosson und Gougra im Wallis beteiligt, die alle drei stark von Zuflüssen aus Gletschern abhängig sind. «Im Mai hatten wir bei einigen Stauseen den tiefsten Stand der letzten zehn Jahre erreicht», heisst es auf Anfrage.
Seitdem und vor allem durch die zwischenzeitliche Hitzeperiode hätten sich die Stauseen im Wallis jedoch wieder gut gefüllt. Und obwohl die aktuellen Füllstände weiterhin unter dem Durchschnitt liegen, haben sie kein neues Rekordtief erreicht.
«Wir gehen davon aus, dass die Stauseen bis zum Herbst gut aufgefüllt und für die Winterproduktion bereit sein werden», so Alpiq mit Blick auf die drei Walliser Anlagen. In den Kantonen Tessin und Graubünden sei die Lage indes angespannter. Im vergangenen Winter seien die Niederschlagsmengen gering gewesen, und die Schneereserven hätten in diesen Regionen ein historisches Tief erreicht.