Donnerstag
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Fühlen Sie sich genügend gut vertreten im Schweizer Parlament? Wie alle vier Jahre haben Sie diesen Herbst wieder die Chance, Abgeordnete der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer zu wählen. Doch leider sind deren Chancen nur minim.
Trotzdem ganz herzliche Grüsse aus Bern
Sie machen sich grosse Hoffnungen. Und sie werden vermutlich enttäuscht werden. Auch in diesem Wahljahr wagen sie es wieder: Einige Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer kandidieren für einen Sitz im Nationalrat. Doch wie realistisch sind ihre Chancen?
Nationalrat in Bern sein, aber nicht in der Schweiz leben, sei ein Ding der Unmöglichkeit. Das sagte Tim Guldimann, der erste Auslandschweizer überhaupt, der es in den Nationalrat schaffte, nachdem er nach drei Jahren resigniert hatte. Er lebt in Berlin.
Trotzdem versuchen es auch in diesem Wahljahr wieder im Ausland lebende Schweizerinnen und Schweizer – einige von ihnen leben viel weiter weg als in Berlin. Und dies, obwohl die Wählerinnen und Wähler ihre Gesichter kaum kennen.
Meine Kollegin Anna Miller sprach kürzlich am Auslandschweizer-Kongress in Montreux mit einigen von ihnen. Unter anderem auch mit zwei Männern aus Grossbritannien, die das Land trotz Brexit nicht verlassen wollen, sich aber aus dem Ausland politisch für die Schweiz engagieren möchten.
Anna kommt in ihrem Artikel zum Schluss: Die Chancen auf eine Vertretung der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer im nächsten Parlament sind intakt, aber minim.
- Der Artikel meiner Kollegin Anna, für den sie in Montreux auch Video-Interviews durchführte.
- Mein Kollege Balz Rigendinger untersuchte gemeinsam mit unserer Datenjournalistin Alexandra Kohler kürzlich, welche Parteien sich am meisten für die Interessen der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer eingesetzt haben. Die Analyse sorgte für einigen Wirbel.
- Welche Anforderungen es genau braucht, um zu den Nationalratswahlen antreten zu können, erklärt die Bundesverwaltung auf ihrem Informationsportal ch.chExterner Link.
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Nein, elegant ist er nicht, obwohl sein Name darauf anspielt: der Fadenwurm «C. elegans». Elegant könnte aber seine Wirkung sein, denn die Wissenschaft erhofft sich von ihm einiges. Dank dieses Wurms soll sich der Einsatz von Mäusen und anderen Wirbeltieren bei Tierversuchen massiv reduzieren lassen.
Er ist nur einen Millimeter lang und praktisch durchsichtig. Darf ich vorstellen: «Caenorhabditis elegans», ein Fadenwurm, der in fast allen Böden vorkommt. Doch so unbedeutend dieses Würmchen erscheinen mag – es ist für nicht weniger als drei Nobelpreise verantwortlich. Mein Kollege Armando Mombelli hat sich dieses Tierchens angenommen und mich mit dem Ergebnis beeindruckt.
Es ist der genetische Code des Wurms, der zu 60 bis 70 Prozent mit jenem des Menschen übereinstimmt, was ihn für die Wissenschaft enorm interessant macht. Nun haben zwei junge Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne eine Plattform aufgebaut, die es ermöglicht, umfangreiche Tests mit den winzigen Würmern durchzuführen.
Das Ziel ist, weniger Tierversuche mit Mäusen und anderen Wirbeltieren durchzuführen, die oft mit unsäglichem Leid verbunden sind. Da «C. elegans» als Tier klassifiziert ist, das keine Schmerzen empfindet, könnte ein Grossteil dieser Tests mit dem Einsatz der wirbellosen Fadenwürmer durchgeführt werden.
- Allerdings bleiben auch im Fall der Fadenwürmer ethische Fragen offen, wie Sie im Artikel meines Kollegen Armando lesen können, der die beiden Wissenschaftler getroffen hat.
- Auch das Wissenschaftsmagazin von Radio SRF widmete dem Wurm bereits eine SendungExterner Link.
- Viel mehr Details zu «C. elegans» finden Sie im offenen Online-Lexikon WikipediaExterner Link.
Und wieder ein Rückschlag für die Stadt Moutier und das projurassische Komitee. Nachdem der Kantonswechsel bereits von einer Berner Behörde aufgehoben wurde, doppelt nun das bernische Verwaltungsgericht nach. Nun geht’s voraussichtlich weiter ans Bundesgericht. «Affaire à suivre…»
Das Resultat im Juni 2017 war äusserst knapp: Mit lediglich 137 Stimmen Differenz hatten die Bürgerinnen und Bürger des Bernjurassischen Städtchens Moutier für einen Kantonswechsel zum Kanton Jura votiert.
Im November dann die Ernüchterung: Die Regierungsstatthalterin des Berner Juras hob das Resultat auf. Dagegen reichte das projurassische Lager Beschwerde ein. Nun hat das bernische Verwaltungsgericht die Abstimmung ebenfalls für ungültig erklärt.
Laut dem Gericht hat die Gemeinde Moutier das Recht «auf schwere Weise verletzt», weil sie – etwas verkürzt erklärt – als Organisatorin der Abstimmung nicht hätte Stellung nehmen dürfen.
Die Projurassier sprechen von einem «politischen Entscheid». Sie wollen die Abstimmung nun vors Bundesgericht bringen. Die Würfel im bernisch-jurassischen Konflikt fallen zwar, aber sie fallen sehr langsam…
- SRF News hat die neusten Ereignisse im Konflikt um Moutier zusammengefasstExterner Link und bietet auch eine Einschätzung des Lokalkorrespondenten Rolf Dietrich.
- «Es gibt nichts Schlimmeres, als zwei Lager im Ungewissen zu lassen», sagte der ehemalige Staatsanwalt Dick Marty im vergangenen November gegenüber swissinfo.ch.
- Eine zweite, korrekte Abstimmung wäre die bessere Lösung, schreibt der Kantonsredaktor der Zeitung Berner OberländerExterner Link heute Donnerstag (Paywall).
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Nun noch einmal ins Ausland. Die Brände im Amazonas-Regenwald geben seit Tagen zu reden. Jetzt hat die Schweiz laut dem Blick vier Experten in die Region – konkret: nach Bolivien – geschickt. Das reicht aber nicht allen.
Anders als Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro lässt sich Boliviens Evo Morales helfen. So auch von der Schweiz. Ein regionales Soforthilfe-Team zur Unterstützung der Brandbekämpfung ist bereits im betroffenen Gebiet im Einsatz.
«Unser Team arbeitet bis zu 17 Stunden am Tag und unterstützt die Brandbekämpfung mit unserem Wissen und den Notfallkapazitäten», zitiert der Blick den Schweizer Team-Chef Rodrigo Villavicencio.
Schön und gut, meint Nik Gugger aus Zürich, Nationalrat der Evangelischen Volkspartei (EVP). Doch vier Personen seien schlicht nicht genug. Er fordert vom Bund längerfristige Hilfe für den Amazonas. Dafür wolle er sich in der demnächst beginnenden Herbstsession im Parlament in Bern einsetzen.
- Welche Aufgaben genau die Schweizer in Bolivien übernehmen, wo sie auf Probleme stossen und was Gugger konkret fordert, lesen Sie im BlickExterner Link.
- Diese Woche hat mein Kollege Andrea Tognina in einem Artikel erklärt, wie die Brände im Amazonasgebiet das Handelsabkommen mit dem Mercosur gefährden.
- «Freihandel und Nachhaltigkeit, geht das überhaupt?», fragt die Aargauer Zeitung in ihrem Artikel zum ThemaExterner Link (Paywall).
Die Schweizerinnen und Schweizer im Ausland sind die wichtigsten «Botschafter» der Schweiz in der Welt. Dies sagte Bundesrat Ignazio Cassis am Auslandschweizer-KongressExterner Link. Wie reden jedoch die Menschen in Ihrem Wohnland über die Schweiz?
Manuela Lavanchy stellte neulich im Q&A eine sehr gute Frage: «Was hören Sie in Ihrem Gastland über die Schweiz und die SchweizerInnen sagen?» Wie denken Sie darüber? Antworten Sie ihr hier.
Als Botschafterinnen und Botschafter der Schweiz geht es nicht nur darum, Ihr Heimatland in den unterschiedlichsten Situationen zu «repräsentieren» – zum Beispiel, indem Sie neuen Bekannten erklären, dass die Schweiz weit mehr ist als nur dessen Klischee. In solchen Situationen werden Sie auch mit genaudieser Aussensicht konfrontiert.
Kennt Ihr Umfeld überhaupt die Schweiz? Welche Klischees sind vorherrschend? Erhielten Sie schon überraschende Feedbacks? Wie reagieren die Leute, wenn Sie ihnen die Schweiz aus Ihrer Sicht erklären?
- Teilen Sie ihre Erfahrungen unter der Frage von Manuela Lavanchy.
- Sehen Sie hier unser InterviewExterner Link mit Bundesrat Ignazio Cassis von unserer Chefredaktorin Larissa Bieler.
- Hier noch der Twitter AccountExterner Link von Cassis.
(Sie können uns auch jederzeit im Q&A in der SWI plus App eine Frage stellen)
Und noch zur Erinnerung: Am 20. Oktober wählen die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ihr neues Parlament. Ihre Stimme ist schon hart umkämpft.
Dabei geht es um die 200 Volksvertreterinnen und -vertreter im Nationalrat und die 46 Mitglieder des Ständerats (Genau genommen sind es deren 45: Der Kanton Appenzell Innerrhoden wählte seinen Standesvertreter bereits an der Landsgemeinde vom 28. April 2019).
Favoriten sind die Grünen, die Sozialdemokraten und die Grünliberalen – sie waren die Gewinner der letzten kantonalen Wahlen. Die Schweizerische Volkspartei dagegen, landesweit die stärkste Partei, musste auf Kantonsebene stark Federn lassen.
- Wir erklären in einem kurzen Video wie die Parlamentswahlen ablaufen.
- Hier zeigen wir Ihnen die Wahlergebnisse seit 1971 auf einen Blick.
- Was sind die fünf wichtigsten Probleme der Schweiz? Diese Frage wird jedes Jahr rund tausend Stimmberechtigten gestellt. Hier sind die Ergebnisse.
- Noch mehr unserer vielseitigen Berichterstattung finden Sie hier.
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