Heute in der Schweiz
Liebe Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer
Einer kann vielleicht noch bleiben. Der andere nimmt den Hut, aber erst Ende 2020. Wenn Ihnen die Namen Michael Lauber und Andreas Meyer nichts sagen, dann sicher deren Funktionen: Der Bundesanwalt sieht sich in die Enge gedrängt, während der Chef der Bundesbahnen seinen Rücktritt angekündigt hat.
Herzliche Grüsse aus Bern
Die Medienkonferenz zum Halbjahresergebnis der Bundesbahnen… tönt nicht gerade spannend. Am Mittwoch aber nutzte der SBB-Chef diesen Anlass für einen Paukenschlag: Andreas Meyer kündigte seinen Rücktritt an.
Der Rücktritt auf Ende 2020 habe nichts mit den Ereignissen der letzten Wochen und dem Unfall Anfang August im aargauischen Baden zu tun, sagte der 58-Jährige. Ein Zugbegleiter war damals ums Leben gekommen, weil ihn eine Türe eingeklemmt hatte.
Meyer leitet die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) seit zwölf Jahren. Zuletzt stand die SBB-Führung stark in der Kritik. Die Verkehrskommission des Nationalrats hatte ihr nach einer Anhörung über den tödlichen Unfall diese Woche Versäumnisse vorgeworfen.
Thema war auch immer wieder sein Jahreslohn von mehr als einer Million Franken. Dies sei als Chef eines Bundesbetriebs zu hoch, kritisierten viele. Meyer allerdings hatte sich auf den Standpunkt gestellt, eine Lohnkürzung bei guter Leistung während eines laufenden Vertrags wäre eine Desavouierung. Die Wahl von Meyers Nachfolge ist nun Aufgabe des SBB-Verwaltungsrats.
- SRF News hat die Medienkonferenz per Liveticker quasi im MinutentaktExterner Link abgedeckt.
- Laut der Neuen Zürcher ZeitungExterner Link wusste Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga schon länger von Meyers geplantem Rücktritt, den dieser Neudeutsch unter dem Codenamen «Challenge 2020» laufen liess (Paywall).
- Wie der Tages-Anzeiger berichtetExterner Link, seien die SBB bei der Nachfolgeregelung auch «offen für unkonventionelle Lösungen» (Paywall).
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Es wird eng für ihn. Stolpert er über seine Nähe zur Fifa? Die Gerichtskommission empfiehlt Bundesanwalt Michael Lauber nicht zur Wiederwahl. Das hat sie am Mittwoch nach seinen unklaren Äusserungen zu Treffen mit Fifa-Funktionären beschlossen.
9:6 – nein, das ist nicht das Resultat eines Fussballspiels. Mit diesem Stimmverhältnis hat die Gerichtskommission des Parlaments dem amtierenden Bundesanwalt die Unterstützung verwehrt.
Straucheln könnte Lauber über mehrere Treffen mit dem ebenfalls umstrittenen Fifa-Chef Gianni Infantino. Lauber hatte diese nicht protokolliert und später erklärt, er könne sich nicht mehr an diese Treffen erinnern. Laubers Bundesanwaltschaft untersucht im Fifa-Verfahren mögliche Korruption bei der Vergabe der WM 2006 an Deutschland.
Der Entscheid der Kommission ist nur eine Empfehlung. Über eine weitere Amtszeit befindet schliesslich am 25. September das Parlament. Der Zeitpunkt ist ungünstig: Das Parlament muss entscheiden, bevor die Ergebnisse der Disziplinaruntersuchung gegen Lauber vorliegen.
- Detailliertere Angaben über den «Fall Lauber» finden Sie im Artikel von Bluewin.chExterner Link.
- Was sagen Laubers Kritiker, was seine Verteidiger? Die Neue Zürcher Zeitung rollt in diesem ArtikelExterner Link den ganzen Fall um die Wiederwahl des Bundesanwalts auf (Paywall).
- Für den Blick ist der Entscheid der Gerichtskommission ein «Debakel für Lauber»Externer Link. Zudem können Sie hier ein Video mit der Begründung der Kommission schauen.
Die Digitalisierung macht’s möglich: Dank elektronischer Überwachung können Kurzzeitstrafen heute oft zu Hause abgesessen werden. Überwacht werden solche «Sträflinge» mit einer Fussfessel. Ganz vorne in diesem Geschäft spielt ein Schweizer Unternehmen mit.
Viele Gründe sprechen für eine Fussfessel: Die «Inhaftierung» ist viel preiswerter. Keine negative Beeinflussung durch andere Inhaftierte. Das soziale Netz wird nicht zerrissen. Die Überbelegung von Gefängnissen kann reduziert werden.
In den USA begonnen, wenden unterdessen rund 40 Länder die elektronische Überwachung an. Weltweit tragen derzeit über350’000 Menschen eine Fussfessel – die Hälfte davon in Nordamerika.
Bis vor einiger Zeit waren Fussfesseln aber noch relativ einfach zu manipulieren. Ein Spin-off der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) hat seit 2011 eine sicherere Fussfessel entwickelt – und wurde damit zu einem der weltweit führenden Anbieter. Am Mittwoch wurde die Firma Geosatis in Bern mit dem Prix Montagne 2019Externer Link ausgezeichnet.
- Der Artikel meines Kollegen Armando Mombelli, für den er unter anderem auch Geosatis in Le Noirmont besuchte.
- Eine Fussfessel hätte vermutlich auch den Mordversuch an einer Frau verhindern können, die meine Kollegin Anna Miller kürzlich in einem Video zu Wort kommen liess.
- Hier erklärt das Bundesamt für Justiz wie mit gewissen Änderungen im Zivil- und Strafrecht Rayon- oder Kontaktverbote künftig mit elektronischen Armbändern oder Fussfesseln überwacht werdenExterner Link können.
Können Sie jodeln? Fragt man Sie das auch oft, wenn Sie erzählen, dass Sie ursprünglich aus der Schweiz stammen? Ein neues Buch dokumentiert, wie das Jodeln von den Alpen in die USA kam. Und wie es sich seither immer wieder neu erfand.
Seichte Schunkelmusik, Lederhosen, Musikantenstadl – und Loriots Sketch, in dem Erwachsene jodeln lernen und sich dabei die Zunge verknoten: Jodeln hat einen zwiespältigen Ruf. Doch in letzter Zeit gilt Jodeln wieder als angesagt.
Das Jodeln ist nicht eine typisch schweizerische Ausdrucksform. Überall auf der Welt wird gejodelt – in Kamerun, auf dem Balkan, am Polarkreis, in den USA –, sei es als Kulturgut oder zur Kommunikation.
Ein neues Buch geht nun den Ursprüngen des Jodelns nach und zeigt dessen Erfolgsgeschichte. Dafür grub der Autor – ein Historiker und Musikjournalist – zahlreiche Geschichten aus, die bisweilen auch skurril und tragisch sind. Bis hin zur Popsängerin Gwen Stefani.
- Was vom neuen Buch über das Jodeln zu halten ist, lesen Sie in diesem Artikel.
- Wie lernt man das Jodeln? Meine Kollegin Julie Hunt wollte es wissen und besuchte letzten Dezember einen Jodel-Anfängerkurs im luzernischen Emmenbrücke. Hier ihr kurzes aber hörenswertes Video.
- Und schliesslich ging meine Kollegin Sibilla Bondolfi der Jodeltradition im Kanton Appenzell Innerrhoden nach.
Von den FC Zürich-Frauen zu den South Alabama Jaguars: Leandra-Sherylin Flury möchte in den Vereinigten Staaten den Grundstein für eine Karriere im Profi-Fussball legen.
Mit fünf Jahren kickte sie zum ersten Mal für den FC Niederweningen. Jetzt spielt Leandra Flury in den USA – dank eines Sportstipendiums. Anfang August packte die 20-Jährige ihre Fussballschuhe ein und reiste an die Universität in Mobile, der grössten Hafenstadt des Südstaats Alabama. Die Universität übernimmt vier Jahre lang alle Kosten.
Immer mehr junge Schweizerinnen und Schweizer wagen den Schritt ins Ausland. Wir haben einige von ihnen in der Vergangenheit bereits begleitet: Die Neuenburgerin Coraline Chapatte hat sich der Fitness in der Türkei verschrieben. Die Profi-Mountainbikerin Ariane Lüthi lebt seit 2010 in Südafrika.
- Ein Porträt von Leandra-Sherilyn FluriExterner Link finden Sie im Badener Tagblatt.
- Meine Porträts von Coraline Chapatte und von Ariane Lüthi.
- Sind Sie auch wegen Ihrer sportlichen Karriere ausgewandert? Teilen Sie Ihre Erfahrungen.
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Und noch zur Erinnerung: Am 20. Oktober wählen die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ihr neues Parlament. Ihre Stimme ist schon hart umkämpft.
Dabei geht es um die 200 Volksvertreterinnen und -vertreter im Nationalrat und die 46 Mitglieder des Ständerats (Genau genommen sind es deren 45: Der Kanton Appenzell Innerrhoden wählte seinen Standesvertreter bereits an der Landsgemeinde vom 28. April 2019).
Favoriten sind die Grünen, die Sozialdemokraten und die Grünliberalen – sie waren die Gewinner der letzten kantonalen Wahlen. Die Schweizerische Volkspartei dagegen, landesweit die stärkste Partei, musste auf Kantonsebene stark Federn lassen.
- Wir erklären in einem kurzen Video wie die Parlamentswahlen ablaufen.
- Hier zeigen wir Ihnen die Wahlergebnisse seit 1971 auf einen Blick.
- Was sind die fünf wichtigsten Probleme der Schweiz? Diese Frage wird jedes Jahr rund tausend Stimmberechtigten gestellt. Hier sind die Ergebnisse.
- Noch mehr unserer vielseitigen Berichterstattung finden Sie hier.
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