Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Heute geht es um die grösste unerforschte Gruppe Schweizer Wahlberechtigter – genau, um die Fünfte Schweiz! Ausserdem verraten wir Ihnen ein Schweizer Kriegsgeheimnis und zeigen Ihnen einen kleinen viralen Hit.
Liebe Grüsse aus Bern
Die wahlberechtigten Schweizerinnen und Schweizer im Ausland sind mit den Wählerinnen und Wählern in der Schweiz nicht zu vergleichen. Das zeigt eine neue Studie.
Bis jetzt hat sich die Forschung nur sporadisch mit der Auslandwahl beschäftigt. Die Online-Plattform «DeFacto» nahm sich das zu Herzen und schaute sich eine kürzlich veröffentlichte Studie genauer an. Dabei fand sie Interessantes über die Wahl der Fünften Schweiz heraus.
Demnach sind Wählende häufiger männlich, eher alleinstehend, tendenziell jünger, haben ein höheres Bildungsniveau und verordnen sich auf einer 11-Punkte Links-Rechts-Skala etwas weiter links. Von den Stimmen aus dem Ausland profitieren vor allem die Sozialdemokratische Partei und die Grünen, die anderen Parteien, insbesondere die Schweizerische Volkspartei werden deutlich weniger unterstützt.
Interessant ist auch, dass die unterschiedlichen Wahlmuster zwischen In- und Auslandwählenden offenbar aufgrund von Verhaltensdifferenzen im In- und Ausland bestehen. Parteien könnten diese Unterschiede mittels speziell auf die Fünfte Schweiz ausgerichteten Kampagnen eigentlich nutzen. «Doch wie die Forschung scheinen auch die Parteien bis jetzt nur wenig an den Auslandschweizer*innen interessiert zu sein», schliessen die Autoren.
- Hier geht es zur Plattform DeFactoExterner Link und einer ausführlichen Zusammenfassung der Resultate.
- Und hier finden Sie die ganze StudieExterner Link (in Englisch) «Living abroad, voting as if at home? Electoral motivations of expatriates».
- Unser Dossier über die Fünfte Schweiz.
Das Atomkraftwerk Mühleberg bei Bern schreibt am Freitag ein Stück Schweizer Geschichte: Es ist das erste AKW im Land, das seinen Betrieb für immer einstellt.
Neuland also. Angst vor einem Atomunfall scheint aber niemand zu haben. Zusätzliche Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung wurden keine erlassen.
Der Reaktor wird heruntergefahren wie bei einer jährlichen Revision. Mit der Demontage der Turbinen, Generatoren und Kondensatoren wird sofort begonnen. Der Deckel des Reaktor-Druckbehälters hingegen bleibt noch drei Monate geschlossen.
Bis 2014 werden dann alle Brennelemente ins zentrale Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle in Würenlingen im Kanton Aargau transportiert. Wo ein Endlager gebaut werden soll, steht noch in den Sternen.
- Hier finden Sie den ganzen Artikel meines Kollegen Peter Siegenthaler.
- Die Aargauer Zeitung stellt Ihnen Guido Flury (mit Video) vor: Er arbeitete seit dem ersten Tag für das AKW MühlebergExterner Link (Paywall).
- Was Sie zum Aus für das AKW Mühleberg wissen müssenExterner Link, sagt Ihnen die Berner Zeitung (Paywall).
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Nun zu einem wenig bekannten Kapitel der Schweizer Geschichte: Das Jüdische Museum der Schweiz in Basel zeigt eine Ausstellung mit dem Namen «Pässe, Profiteure, Polizei. Ein Schweizer Kriegsgeheimnis».
Dabei geht es um ein Helfernetzwerk in der Schweiz, das Tausende lateinamerikanische Pässe für von den Nazis verfolgte Juden und Jüdinnen ausstellte. Diese Pässe ermöglichten in einigen Fällen gar eine Auswanderung aus den von Hitler-Deutschland besetzten Gebieten.
Dem Netzwerk gelang es, mehrere Millionen Franken zu sammeln, um die Konsuln zu bezahlen, welche die falschen Pässe ausstellten. Denn letztere wurden, abgesehen von einigen Ausnahmen, nicht kostenlos abgegeben.
Das Helfernetzwerk wurde 1943 von der Polizei aufgedeckt. Die Schweizer Behörden beschlagnahmten Dokumente, Fotos und nahmen die aktivsten Mitglieder des Netzwerks fest.
- SWI swissinfo.ch hat eine Bildergalerie über die Ausstellung erstellt.
- So erzählt die NZZ von diesem kaum bekannten ThemaExterner Link (Paywall).
- Meine Kollegin Sibilla Bondolfi über das jüdische Mädchen Anne Frank – und wie dessen Schicksal auf tragische Weise mit der Schweiz verknüpft ist.
Und hier noch etwas zum Schmunzeln: Der Kantonspolizei Bern ist mit einem lustigen Weihnachtsgruss-Video ein kleiner viraler Hit gelungen. Denn dieses erreicht gerade viel mehr Menschen als erwartet.
Das Video zeigt zwei Polizisten der Kapo Bern, die ein Star-Wars-Raumschiff auf dem Bundesplatz landen sehen. Sie erklären den Stormtroopern in holprigem Englisch, dass es sich hierbei nicht um einen Parkplatz handle und erteilen ihnen eine Busse.
Der Clip wurde laut der Kapo Bern eigentlich für die Mitarbeitenden produziert, kommt aber auch bei der Bevölkerung gut an. Einziger Streitpunkt auf Twitter sind die entstandenen Kosten. Diese beschränken sich aber laut Kapo Bern auf einen vierstelligen Betrag «im tieferen Bereich».
Angesichts dessen könnte man sich vielleicht auch einfach den Wunsch der Kantonspolizei zu Herzen nehmen, der am Ende des Videos angezeigt wird: «Wir wünschen Ihnen frohe Festtage, möge die Macht der Ruhe und Gelassenheit mit Ihnen sein.»
- Das Video ist sogar einigen Medien ennet der GrenzeExterner Link eine kleine Meldung wert, so zum Beispiel den Salzburger Nachrichten.
- Heute ist offizieller Kinostart des neuen «Star Wars»-Films in der Schweiz. Hier geht es zu einem kritischen Artikel der NZZExterner Link über den «Goldesel», der sich zum «Problemkind» gewandelt habe (Paywall).
🎄 ADVENTSKALENDER 🎄
Hier stellen wir Ihnen im Advent jeden Tag eine kulinarische Spezialität aus einem anderen Kanton vor. Ein Stück Heimat – egal, wo Sie gerade sind.
19. Dezember: die Glarner Pastete
Sie ist nicht nur die berühmteste Glarnerin, sondern auch die Königin der Glarner Spezialitäten: die Glarner Pastete.
Ein luftiges Gebäck aus Blätterteig, das je zur Hälfte eine Mandel- und Zwetschgenfüllung enthält.
Zur Herkunft der PasteteExterner Link gibt es laut dem Kulinarischen Erbe der Schweiz verschiedene Theorien: Die Franzosen gälten als Erfinder der Pasteten. «Dort kommen sie meist mit Fleisch gefüllt auf den Tisch. Glarner Offiziere sollen die Idee nach Hause gebracht haben», heisst es auf der Webseite des kulinarischen Inventars.
Statt teures Fleisch hat die Pastete eine süsse Füllung erhalten, ursprünglich Äpfel und Rosinen. Die heutige Variante mit Mandel- und Zwetschgenfüllung ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und beliebt.
Das Rezept finden Sie auf swissinfo.ch.
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