Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Bald ist wieder Abstimmung in der Schweiz. Machen Sie mit? Oder haben Sie aufgegeben, weil die Post eh immer zu spät eintrifft? Wir beleuchten heute die Hintergründe.
Herzliche Grüsse aus Bern
Der Bremsklotz für die Fünfte Schweiz bei Abstimmungen scheint das Abstimmungsbüchlein zu sein.
Man versuchte es mit E-Voting. Der Versuch wurde 2019 aus Sicherheitsgründen abgebrochen. Nun startet ein Experiment mit dem Versand via Diplomatenpost – wir berichteten. Dass Sie, liebe Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer nur zu einem Teil darauf zählen können, dass Ihre Stimme rechtzeitig in der Schweiz eintrifft, ist stossend.
Warum werden die Stimmcouverts denn nicht einfach etwas früher verschickt? Dieser Frage gingen meine Kollegen Jonas Glatthard und Balz Rigendinger nach. Sie fanden heraus: Das Abstimmungsbüchlein ist «der eigentliche Bremser».
Eine Verlängerung der Versandfrist, das könnte das Parlament bestimmen: Denn um das Abstimmungsbüchlein bereits etwas früher abzugeben als die Stimmunterlagen, wären einige Gesetzesänderungen nötig. «Eine Diskussion darüber könnte einen alten Widerspruch im Schweizer Demokratie-System aus der Welt schaffen – ohne grössere Opfer oder Kosten zu hinterlassen», schreiben die Autoren.
- «Verspätete Abstimmungs-Post: Die Lösung liegt im früheren Versand» – der Artikel von Jonas und Balz.
- Über den Pilotversuch mit dem Versand via Diplomatenpost berichteten wir vergangenen Freitag.
- Unser Auslandschweizer-Fokus fasst zusammen, mit welchen Problemen die Fünfte Schweiz zu kämpfen hat.
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26 m breit, 3,5 m hoch: So ein Bild kann niemand aufhängen. Es braucht ein eigenes Gebäude.
Wissen Sie, wohin man ging, bevor es Kinos gab? Ins Rundbild. So genannte Panoramen waren einst hip und ein gutes Geschäft für ihre Betreiber. Meistens zeigten diese Landschaften, Städte oder historische Szenen. In der Schweiz bekannt sind heute beispielsweise noch das Bourbaki-Panorama in Luzern oder das Wocher-Panorama in Thun.
Nun ist die Schweiz um ein Panoramabild reicher. Dieses ist etwas anderer Art als die meisten und war zu seiner Zeit eine Provokation: Das Rundbild «Klarwelt der Seligen» zeigt 84 nackte Jünglinge, die sich in einer idyllischen Landschaft räkeln. Geschaffen hatte es der homosexuelle Adlige Elisàr von Kupffer.
Dass dieses Werk nun öffentlich zu sehen ist, verdankt die Kunstwelt dem legendären Ausstellungsmacher Harald Szeemann. Er hatte es stark beschädigt aus einem feuchten Keller geholt und so vor dem Müll gerettet. Nun hat es dank eines Fundraisings frisch restauriert auf dem Monte Verità ob Ascona einen eigenen Pavillon erhalten.
- Der Artikel unseres freien Mitarbeiters Gerhard Lob aus Ascona.
- Harald Szeemann und der Monte Verità haben eine lange gemeinsame Geschichte, wie Gerhard Lob 2017 berichtete.
- Aus unserem Archiv: Über das älteste erhaltene Panoramabild der Welt, das Wocher-Panorama in Thun, schrieb ich 2009 eine Reportage.
Die Schweiz wird immer unfruchtbarer.
3000 Rekruten wurden vor zwei Jahren untersucht. Fast zwei Drittel der 18- bis 22-jährigen Männer hatten eine schlechte Spermienqualität. Nun fand ein Team der Universität Genf die Ursachen dafür.
Laut ihrer Studie stehen hormonaktive Stoffe während der Schwangerschaft in einem deutlichen Zusammenhang zur sinkenden Spermienqualität. Demnach gebären Frauen, die Pestiziden oder hormonaktiven Substanzen ausgesetzt sind, häufiger Söhne mit Fruchtbarkeitsproblemen.
Mütter, die während der Schwangerschaft den problematischen Stoffen ausgesetzt waren, hatten demnach die doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, dass ihre Söhne über schlechtes Sperma verfügen. «Die Resultate sind vor dem Hintergrund der Abstimmung über die Trinkwasser- und die Pestizidinitiative vom 13. Juni brisant», schreiben heute die Zeitungen der Tamedia-Gruppe.
- «Nun wird klarer, warum zwei Drittel der Schweizer schlechte Spermien haben»Externer Link – Der Artikel im Tages-Anzeiger (Paywall).
- Auch Covid-19 könnte die Spermienqualität verschlechtern, wie eine im Januar veröffentlichte Studie zeigte.
- Bei den Schweizer Schweinen scheint die Qualität der Spermien hingegen so gut zu sein, dass sie zum Exportschlager wurdenExterner Link, wie der Schweizer Bauer berichtet.
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Erinnern Sie sich noch, wo sie am 26. April 1986 waren?
Heute ist es genau 35 Jahre her, seit Europa seine erste grosse Atomkatastrophe erlitt. Die Kernschmelze inTschernobyl wurde zum prägenden Ereignis einer ganzen Generation. Denn die radioaktive Wolke hielt sich an keine Landesgrenzen und liess auch die Schweiz nicht aus.
Besonders betroffen war damals der Südschweizer Kanton Tessin. Zumindest bis vor fünf Jahren liessen sich dort noch radioaktive Spuren von diesem Unfall finden. Vermutlich ist das auch heute noch der Fall.
Wussten Sie übrigens, dass der weltweit erste schwere Reaktorunfall in der Schweiz stattfand? Zum Glück war der Versuchsreaktor Lucens in einer unterirdischen Kaverne untergebracht. Am 21. Januar 1969 kam es dort zu einer Explosion.
- Die grössten AtomunfälleExterner Link bei Blick.ch.
- Welche Konsequenzen hatte die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl für die öffentliche Gesundheit in der Schweiz? Dieser Frage ging mein Kollege Luigi Jorio vor fünf Jahren nach.
- Ebenfalls vor fünf Jahren realisierte der Schweizer Fotograf Niels Ackermann eine Reportage mit den nun erwachsenen Kindern von Tschernobyl.
Wie weiter mit dem EU-Rahmenabkommen?
Heute hat die Aussenpolitische Kommission des Nationalrats entschieden: Es ist keine Option, die Verhandlungen mit der EU abzubrechen. «Die Mehrheit ist der Meinung, dass noch ein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht werden kann», sagte Kommissionspräsidentin Tiana Angelina Moser nach einem Treffen mit Bundespräsident Guy Parmelin und Aussenminister Ignazio Cassis.
Gemäss SRF News wollen die beiden Bundesräte am Montagabend vor die Medien treten, um über die Ergebnisse des Treffens von Parmelin mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am vergangenen Freitag zu informieren.
Bisher ist bekannt, dass bei dem Treffen lediglich festgestellt worden war, dass beim institutionellen Rahmenabkommen noch «erhebliche Divergenzen» vorhanden seien, wie Parmelin sagte.
- Bericht von SRF News zur Sitzung der Aussenpolitischen Kommission des NationalratsExterner Link.
- Der wirtschaftsnahe Think Tank Avenir Suisse hat Berechnungen angestellt, wie teuer die Schweiz ein Scheitern des Rahmenabkommens zu stehen kommen würde.
- Mehr zu den Verhandlungen um das Rahmenabkommen in unserem Fokus.
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