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Abstimmungscouvert

Heute in der Schweiz

Liebe Auslandschweizerinnen, liebe Auslandschweizer

Die Ehe für alle kam bei Ihnen noch besser an als bei uns im Inland. Das zeigt unsere Analyse des Abstimmungssonntags.

Herzliche Grüsse aus Bern

Abstimmungscouvert
Keystone / Christian Beutler

72% Ja. Mit diesem Anteil gab die 5. Schweiz der Ehe für alle ihren Segen.

Bereits der Ja-Anteil war mit über 64% insgesamt klar und deutlich. Aber noch viel klarer stimmten Sie, liebe Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer, für die Ehe für alle. Fast 72%, also fast drei Viertel, sagten Ja zur gleichgeschlechtlichen Ehe. Zumindest lässt sich dieses Resultat anhand der zwölf Regionen ableiten, welche die Stimmen der 5. Schweiz statistisch separat erfassen.

Politologe Lukas Golder erstaunt dieses Resultat nicht, wie er gegenüber meiner Kollegin Pauline Turuban sagt: Viele Schweizerinnen und Schweizer im Ausland hätten in ihren Gastländern «die Möglichkeit, eine grössere Akzeptanz und Sichtbarkeit [gleichgeschlechtlicher Paare] zu erleben als in der Schweiz».

Erstaunt zeigt sich Golder allerdings vom Resultat der zweiten Vorlage, dem Vorschlag, die Einkommen der Reichsten stärker zu besteuern (99%-Initiative): Insgesamt sagten nur 35% Ja dazu. Im Ausland aber wurde die Initiative mit fast 49% knapp nicht angenommen.

Pro-Komitee Ehe für alle feiert
Keystone / Peter Schneider

Auch unser Politikanalyst Claude Longchamp analysiert die gestrige Abstimmung.

Die 64,1% Ja zur Ehe für alle könnte man als «Weltrekord» ausrufen, schreibt unser Politikanalyst Claude Longchamp heute. «Denn bis jetzt waren die 62 Prozent aus Irland 2015 der höchste Wert in einer Volksabstimmung zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare.»

In seinem Artikel ergründet er, warum die Schweiz so spät und dann aber derart deutlich für die Ehe für alle stimmte. «Die Mühlen in der Schweiz mahlen langsamer als anderswo. Die Politikwissenschaft erklärt das mit dem Phänomen der Veto-Instanzen. In der Schweiz bremst schon das Referendum politische Veränderungen – alleine dadurch, dass es existiert, denn es hat eine vorauseilende Wirkung», schreibt Longchamp zum späten Zeitpunkt.

Die Deutlichkeit des Volksverdikts erklärt der Politikanalyst damit, dass junge Menschen vom Eherecht häufiger betroffen sind als ältere. «Sie wollen freie Lebensgestaltung, und jede nachrückende Generation versteht das vorherrschende Gesetz noch weniger.»

Pro-Komitee feiert
Keystone / Peter Schneider

Ehe für alle zum Dritten: Unsere internationale Presseschau.

Die Schweiz hinkte bei den Rechten von Schwulen und Lesben lange den übrigen westeuropäischen Ländern hinterher. Mit dem Zugang zu Samenspenden für weibliche Paare ist das Land nun aber einigen seiner Nachbarn voraus, wie die internationale Presse berichtet.

Nach dem Schweizer Votum für die Ehe für alle gibt es in Europa nur noch drei Länder, in denen die Ehe für homosexuelle Paare verboten ist: Italien, Griechenland und Liechtenstein. Im benachbarten Italien fragt die führende Tageszeitung La Repubblica: «Werden italienische Homosexuelle in die Schweiz eilen, um zu heiraten?»

Die Schweiz ist nun auch liberaler als Deutschland: Lesbische Paare erhalten Zugang zu Samenspenden, und beide Frauen werden von Geburt an rechtlich als Mütter anerkannt. «Letzteres, die so genannte Mitmutterschaft, ist in Deutschland nicht möglich: Die nicht-leibliche Mutter muss das Kind adoptieren», schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Auch die österreichische Presse weist darauf hin, dass die Schweiz nun einen Schritt weiter sei. Österreich habe es noch nicht geschafft, ein Gesetz zu verabschieden, das Homophobie unter Strafe stelle, wie es das Schweizer Stimmvolk bereits im Jahr 2020 getan habe, zitiert ORF Vorarlberg den Gleichstellungs-Beauftragten der Sozialdemokratischen Partei Österreichs.

Covid-Zertifikat auf einem Handy
Keystone / Laurent Gillieron

Am 28. November 2021 kommt das Covid-Gesetz erneut an die Urne.

Warum befinden die Stimmberechtigten im In- und Ausland nach dem Ja am 13. Juni im kommenden November ein zweites Mal in diesem Jahr über das Covid-Gesetz? Das Parlament hat in der Zwischenzeit mehrere Änderungen und notwendige Aktualisierungen vorgenommen.

Gegen diese Anpassungen, besonders gegen das Covid-Zertifikat, wurde das Referendum ergriffen. Die Gegnerschaft befürchtet eine Spaltung der Schweiz und eine massive Überwachung von allen. Bestehende Gesetzt würden genügen.

Heute hat sich der Bundesrat zur künftigen Abstimmung über das Covid-Gesetz geäussert. Die Pandemie sei unberechenbar geblieben, weshalb Anpassungen an die Entwicklung nötig gewesen seien, schreibt die Landesregierung. Mit der Fassung, über die wir nun abstimmen werden, hat das Parlament unter anderem die Finanzhilfen für Betroffene ausgeweitet und die Bundesbeiträge an die Massnahmen erhöht.

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Gastgeber/Gastgeberin Isobel Leybold-Johnson

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