Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Das Urteil ist gefällt: Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz wurde heute erstinstanzlich zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Ein herber Schlag für den einst beliebtesten Banker der Schweiz.
Herzliche Grüsse
Mehrfache Veruntreuung, ungetreue Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung: Das Bezirksgericht Zürich spricht den Banker Pierin Vincenz schuldig.
Es ist die klassische Geschichte von Aufstieg und Fall: Vincenz war als Raiffeisen-Chef bei Medien und Volk beliebt und geschäftete erfolgreich. Unter ihm stieg die Genossenschafts-Bank nach UBS und Credit Suisse zur drittgrössten Bank der Schweiz auf – Grössenordnung «systemrelevant».
Während seinem Höhenflug hat sich Vincenz ungeniert bereichert: So beteiligten sich er und sein nun ebenfalls verurteilter Geschäftspartner Beat Stocker heimlich an Firmen, um dann bei Raiffeisen dafür zu sorgen, diese Firmen zu kaufen. Damit strichen sie unrechtmässige Gewinne ein.
Ausserdem rechnete er Aktivitäten sehr grosszügig über die Spesen ab – etwa ein Tinder-Date, Stripclub-Besuche und Auslandreisen.
Neben der Gefängnisstrafe müssen Vincenz und Stocker ihren Arbeitgebern Schadenersatz in noch nicht bekannter Millionenhöhe bezahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Vincenz Anwalt hat bereits Berufung angekündigt. Der Prozess wird die Schweizer Öffentlichkeit wohl noch eine Weile begleiten.
- Das Urteil stiess auf ein gewaltiges Medienecho. Berichtet haben etwa SRF NewsExterner Link, die Neue Zürcher ZeitungExterner Link (Paywall), der BlickExterner Link oder der Tages-AnzeigerExterner Link.
- «Das Urteil ist schon sehr hart»Externer Link sagt Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch im CH-Media-Interview.
- Die Neue Zürcher Zeitung widmete dem Banker ein PorträtExterner Link. (Paywall)
- Die RepublikExterner Link fragt sich, weshalb die Medien Vincenz so lange so viel durchgehen liessen.
Während dem Ukraine-Krieg rückt die EU enger zusammen. Wo steht die Schweiz?
«Bis jetzt haben Krisen die Zusammenarbeit der EU langfristig immer gestärkt«, pflegte ein Dozent während meiner Zeit als Politikwissenschaftsstudent vor wenigen Jahren zu sagen. Die Entwicklung während der Pandemie und dem Ukraine-Krieg geben ihm recht.
Die Pandemie brachte der EU einen wirtschaftlichen wie logistischen Integrationsschub. Nun folgt der Bündnisschub in den Bereichen Verteidigung, Energie und Aussenpolitik, stellen meine Kollegen Giannis Mavris und Balz Rigendinger in ihrer Analyse fest.
Während die EU koordiniert und entschieden auf die Krisen reagiert, wirkt die Schweiz zunehmend orientierungs- und führungslos. Sie muss sich in der neuen geopolitischen Grosswetterlage erst noch zurechtfinden – ob sie das rechtzeitig schafft, bleibt fraglich.
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Seit Beginn des Ukrainekrieges flammt die Neutralitätsdebatte in der Schweiz wieder auf. Alt-Bundesrat Christoph Blocher und Alt-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey illustrieren im Streitgespräch die unterschiedlichen Interpretinnen des Begriffs.
Sind die Sanktionen der Schweiz gegen Russland neutral oder nicht? Darüber streitet die Schweizer Politik seit Wochen, und auch die ausländischen Medien fragen sich, ob die Schweiz ihre Neutralität aufgegeben hat.
Die Tamedia-Zeitungen lassen nun zwei darüber streiten, die darin bestens geübt sind: Christoph Blocher und Micheline Calmy-Rey, die in den Nullerjahren gemeinsam im Bundesrat sassen – und häufig andere Ansichten vertraten.
Calmy-Rey trieb als Bundesrätin die «aktive Neutralität» voran. Heute sagt sie: «Neutralität bedeutet nicht Gleichgültigkeit. Unparteiisch zu sein meint, dass die Schweiz in einem Konflikt keine Kriegspartei unterstützt, sondern dass sie auf der Seite des Völkerrechts steht.» Blocher sieht mit den Sanktionen dagegen die Neutralität verletzt: «Glaubwürdig ist die schweizerische Neutralität nur dann, wenn sie dauernd, bewaffnet und integral ist. Dieses Konzept ist jetzt beschädigt.»
- Das ganze Interview gibt es im Tages-AnzeigerExterner Link. (Paywall)
- Wie neutral ist die Schweiz wirklich? – Unsere Übersicht.
- Macht eine engere Anlehnung an die Nato Sinn?Externer Link – SRF News.
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Roger Federer macht wieder einmal Werbung – zusammen mit einem Hollywoodstar.
Bevor Roger Federer in der zweiten Jahreshälfte wieder in den Tournierbetrieb zurückkehren will, macht er wieder einmal, was er neben Tennisspielen am besten kann: Werbung.
An sich nichts aussergewöhnliches. Nachdem er vor einem Jahr mit Hollywoodlegende Robert De Niro für Ferien in der Schweiz warb, spannt er diesmal mit der Schauspielerin Anne Hathaway zusammen – und landet erneut einen viralen Hit.
Das Rezept: Viel Selbstironie. Beworben wird damit die «Grand Tour of Switzerland», ein von Tourismus Schweiz entwickelter Roadtrip. Weshalb mein Heimatkanton Aargau, der Autokanton schlechthin, im Video nicht auftaucht, bleibt ein Rätsel. Imposante Berglandschaften hat er zwar nicht zu bieten, dafür aber gleich zwei der drei Schweizer Atomkraftwerke.
- HierExterner Link geht es zum Video – Anne Hathaway versucht sich sogar kurz in Schweizerdeutsch.
- «Das neue Traumpaar der Schweiz»Externer Link titelt der Blick.
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