Dienstag
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland,
Die Schweizer nehmen den Deutschen die Lehrpersonen weg, die Renten in der Schweiz schrumpfen rasant und E-Mountainbiker verärgern Wanderer in den Bergen. Das und mehr im heutigen Briefing.
Liebe Grüsse aus Bern
Bei Ärzten und Pflegepersonal ist das Problem schon länger bekannt. Nun auch bei Lehrpersonen: Die Schweiz füllt Lücken mit deutschem Personal. Das verärgert Deutschland – und wird den kommenden Lehrermangel nicht verhindern.
Die nördlichen Nachbarn beschweren sich, die Schweiz werbe ihre Lehrer und Lehrerinnen ab. «Dass viele Lehrkräfte in die Schweiz abwandern, ist für Baden-Württemberg ein grosses Problem, vor allem in den Grenzregionen, aber auch darüber hinaus», sagt Udo Beckmann, der Bundesvorsitzende des deutschen Verbands Bildung und Erziehung.
Die Schweiz ist für deutsche Lehrer und Lehrerinnen attraktiv. Erstens ist der Lohn im Vergleich zu Deutschland deutlich besser. Und zweitens sind Schweizer Schulen teils besser ausgestattet, was ebenfalls zur Attraktivität der Schweiz als Arbeitsort beiträgt. Die Konferenz der Kantonalen Erziehungsdirektoren hat seit 2008 über 6000 ausländische Lehrdiplome anerkannt.
Nach Angaben des Dachverbands der Schweizer Lehrkräfte LCH würden Schweizer Schulen ohne ausländische Kollegen und Kolleginnen nicht mehr funktionieren, weil es auch in der Schweiz zu wenig Lehrpersonen gibt. Der Lehrermangel wird sich sowohl in Deutschland als auch der Schweiz in den nächsten Jahren zuspitzen, weil die Schülerzahlen steigen, und Tausende Lehrpersonen pensioniert werden.
- Den Radiobeitrag mit Artikel finden Sie auf SRFExterner Link.
- Ebenfalls heute bei SRFExterner Link: ein Interview mit dem deutschen Gewerkschafter Udo Beckmann über die Situation in Deutschland.
- Ein Artikel aus unserem Archiv thematisiert Burnouts bei Lehrpersonen.
- Die Onlineplattform watson.chExterner Link hat die Löhne der Schweizer Lehrpersonen präsentiert.
Mehr
Der E-Mountainbike-Boom in den Bergen freut die Tourismus-Branche und die Bike-Hersteller. Weniger lustig finden es Wanderer und Wanderinnen. Die Lösung: Getrennte Wege.
Wanderer und E-Mountainbiker kommen sich in den Bergen zunehmend in die Quere. Immer mehr Freizeitsportler und Freizeitsportlerinnen machen dank bergtauglichen Fahrrädern mit Elektromotor ausgiebige Bergtouren. Das ärgert die Wanderer, die rücksichtslosen Fahrern häufig ausweichen müssen.
Der E-Mountainbike-Boom freut nicht nur die Bike-Hersteller, sondern auch die Tourismusverantwortlichen in den Bergregionen. E-Mountainbiker sind kaufkräftig (ein geländetaugliches E-Bike kostet schnell über 4500 Franken) und bringen Wertschöpfung ins Tal.
Die Lösung: Wander- und Bikewege müssen entflechtet werden. Es sollen also neue Biketrails gebaut werden. Der Kanton Graubünden ist bereits dran.
- Der Bericht von SRFExterner Link mit mehreren Videos.
- Ein Artikel aus unserem Archiv zur Frage, ob das Wandern gefährlicher wird.
- Einen Artikel über E-Cargo-Bikes finden Sie ebenfalls in unserem Archiv.
Die Renten in der Schweiz schrumpfen rasanter als erwartet, wie eine neue Berechnung zeigt. Das wird zum Problem für den Mittelstand.
Eigentlich sollte die Rente aus der Alters- und Hinterlassenenversicherung sowie der Pensionskasse 60% des früheren Lohns ersetzen. Doch diese Regel gilt nicht mehr, wie das Pensionierungs-Barometer 2019Externer Link zeigt.
Die Studienautoren des VZ Vermögenszentrums haben berechnet, dass ein 65-jähriger Mann mit einem Bruttojahreslohn von 100’000 Franken im Jahr 2002 gut 62% des bisherigen Einkommens als Rente bekam. 2018 erhielt der gleiche Mustermann nur noch 55%. Und dieser Wert dürfte sich in Zukunft weiter verschlechtern.
Besonders betroffen wird der Mittelstand sein. Spitzenverdiener können nämlich privat vorsorgen. Und tiefe Einkommen sind besser geschützt, weil bis zu einem Jahresgehalt von rund 85’000 Franken in der Pensionskasse ein gesetzlicher Mindestumwandlungssatz gilt. Im überobligatorischen Bereich gibt es diesen nicht.
- Den vollständigen Bericht finden Sie hierExterner Link (Tages-Anzeiger/Paywall).
- Ein KommentarExterner Link zum gleichen Thema (Tages-Anzeiger/Paywall).
- Kürzlich bin ich in einem Artikel der Frage nachgegangen, ob die Schweiz zu hohe Pensionskassenrenten auszahlt.
Die Schweizerische Volkspartei (SVP) provoziert mit einem Plakat, auf dem ein von Würmern zersetzter Apfel zu sehen ist. Dazu heisst es: «Sollen Linke und Nette die Schweiz zerstören?». Damit verärgert die Partei bürgerliche Partner und sogar eigene Parteimitglieder.
Mit dem umstrittenen Sujet des madigen Apfels will die SVP – die grösste Partei der Schweiz – in den Wahlkampf ziehen. Im Oktober 2019 finden in der Schweiz nationale Parlamentswahlen statt.
Bürgerliche Politiker und Politikerinnen sind empört. Schliesslich ist die SVP mit ihnen teilweise Listenverbindungen eingegangen. Und nun werden FDP und CVP zusammen mit der EU, den Grünen und Grünliberalen sowie der SP als Ungeziefer dargestellt.
Sogar in den eigenen Reihen schütteln manche den Kopf. Der Zürcher SVP-Nationalrat Claudio Zanetti, der auch im ASO-Rat sitzt, twitterte: «Was versprecht ihr euch von dieser unsäglichen Bildsprache? Wer soll einen da noch ernst nehmen?«
- Der Bericht im BlickExterner Link.
- Ein Kommentar in der Neuen Zürcher ZeitungExterner Link (NZZ/Paywall).
- Ein ArtikelExterner Link über den partei-internen Zoff (Tages-Anzeiger/Paywall).
- Unseren Bericht mit kritischen Tweets finden Sie hier.
Im Bereich Frauenrechte ist die Schweiz keine Musterschülerin. Deshalb gingen Mitte Juni die Schweizer Frauen auf die Strasse. Deren Forderungen unterstützt die Auslandschweizerin Leandra Bias in London, wo sie bei der britischen Frauen-Partei aktiv ist. Ich habe sie getroffen.
Die Zürcherin Leandra BiasExterner Link mit griechischen Wurzeln lebt seit 2013 in Grossbritannien. Die Politikwissenschafts-Doktorandin engagiert sich als lokale Wahl- und Kampagnenleiterin in der vor vier Jahren gegründeten Women’s Equality PartyExterner Link. Diese wurde aus Protest gegen die Geschlechterungleichheit gegründet.
Bei der Aufnahme in die Partei sei es nie ein Thema gewesen, dass sie Ausländerin ist. Zu diesem entspannten Umstand passt, dass die traditionellen Rollenbilder in England eine viel kleinere Rolle spielen als in der Schweiz, wie Bias erzählt.
Das hat möglicherweise aber auch damit zu tun, weil Bias im kosmopolitischen London lebt. Sollte sie in die Schweiz zurückkehren, würde sie deshalb in urbaner Umgebung nach Gleichgesinnten suchen.
- Das ganze Porträt von Leandra Bias finden Sie in diesem Interview.
- Wie steht es um die Frauenrechte, dort, wo Sie leben? Für Ihre Antworten haben wir extra ein Q&A erstellt.
- Einen Erklärungsversuch meinerseits, warum die Schweiz so spät das Frauenstimmrecht einführte, finden Sie in unserem Archiv.
Und noch zur Erinnerung: Am 20. Oktober wählen die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ihr neues Parlament. Ihre Stimme ist schon hart umkämpft.
Dabei geht es um die 200 Volksvertreterinnen und -vertreter im Nationalrat und die 46 Mitglieder des Ständerats (Genau genommen sind es deren 45: Der Kanton Appenzell Innerrhoden wählte seinen Standesvertreter bereits an der Landsgemeinde vom 28. April 2019).
Favoriten sind die Grünen, die Sozialdemokraten und die Grünliberalen – sie waren die Gewinner der letzten kantonalen Wahlen. Die Schweizerische Volkspartei dagegen, landesweit die stärkste Partei, musste auf Kantonsebene stark Federn lassen.
- Wir erklären in einem kurzen Video wie die Parlamentswahlen ablaufen
- Hier zeigen wir Ihnen die Wahlergebnisse seit 1971 auf einen Blick
- Was sind die fünf wichtigsten Probleme der Schweiz? Diese Frage wird jedes Jahr rund tausend Stimmberechtigten gestellt. Hier sind die Ergebnisse
- Noch mehr unserer vielseitigen Berichterstattung finden Sie hier
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