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Schweizer Parlamentswahlen 2019 SRG-Wahlbarometer 2019 bestätigt grüne Welle und Linksrutsch

Schülerstreik für mehr Klimaschutz in Lausanne

Streik in Lausanne für einen wirksamen Klimaschutz. Die von Schülerinnen und Schüler sind mitverantwortlich dafür, dass die Klimafrage auf der Liste der Wahlkampfthemen ganz nach oben gerückt ist.

(© Keystone/Laurent Gillieron)

2015 gab es einen Rechtsruck, bei den kommenden Schweizer Parlamentswahlen von Oktober könnte das Pendel in die andere Richtung ausschlagen: Gemäss den Absichten der Wählerinnen und Wähler legt das rot-grüne Lager um 3,3 Prozentpunkte zu, wie das zweite Wahlbarometer 2019 zeigt. Treiber ist die Sorge um das Klima.

Die Schweiz und die Europäische Union sind zwei verschiedene Paar Schuhe: Während bei den Wahlen ins EU-Parlament von Ende Mai neben den Grünen und den Liberalen auch die EU-skeptische Rechte gewonnen hat, könnte es am 20. Oktober in der Schweiz einen waschechten Linksrutsch absetzen.

Grafik Parteienstärke laut Wahlbarometer Juni 2019
(Kai Reusser / swissinfo.ch)

Das rot-grüne Lager verzeichnet nämlich das stärkste Wachstum seit 2003, wie das zweite Wahlbarometer 2019 zeigt. Erstellt wurde es vom Forschungsinstitut sotomoexterner Link im Auftrag der SRG, zu der auch swissinfo.ch gehört.

Fünf Monate vor der Wahl konnten die Grünen und die Sozialdemokratische Partei (SP) um 3,3 Prozentpunkte zulegen. Sollte sich dieser Trend im Herbst bestätigen, droht die Rechte ihre Mehrheit im Nationalrat, der Grossen Kammer des Schweizer Parlaments, zu verlieren.

Knackt Grün die 10%-Marke?

Getrieben von der internationalen Hochkonjunktur des Klimaschutzes, verzeichnet Links-Grün gegenüber der Konkurrenz das stärkste Wachstum im Vergleich zu den Eidgenössischen Wahlen 2015. Hält der Rückenwind bis in den Herbst an, könnten die Grünen landesweit erstmals die Schallmauer von zehn Prozent Wähleranteil durchbrechen.

Die gemässigteren Grünliberalen können laut Befragung mit einem Plus von 1,8 Prozentpunkten rechnen. Bereits die letzte Ausgabe des Wahlbarometers vom Februar hatte für die beiden ökologisch ausgerichteten Parteien einen positiven Trend gezeigt. Inzwischen hat sich dieser weiter verstärkt.

Wenn die Grünen in der Schweiz gewinnen, geht dies normalerweise auf Kosten der Sozialdemokraten. Doch diesmal sieht es nicht danach aus, winken doch der SP gemäss Wahlabsichten geringfügige Gewinne von 0,3 Prozentpunkten. Das letzte Wahlbarometer hatte für die Linkspartei noch ein Minus ausgewiesen.

Stärkste Partei der Schweiz im Rückwärtsgang

Die rechtskonservative Schweizerische Volkspartei (SVP) bleibt gemäss der Erhebung zwar grösste Partei der Schweiz. Doch blüht ihr eine Einbusse von 2,9 Prozentpunkten auf einen Wähleranteil von 26,5%.

Im Vergleich zu früheren Wahlbarometern gehört die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP.Die Liberalen) nun mit einem Rückgang von 0,2 Prozentpunkten zu den Verlierern. Das Wahlziel der Mittepartei, die SP zu schlagen, könnte sich als schwierig erweisen. Es scheint, dass die FDP den Preis bezahlt für die interne Debatte ihrer Ausrichtung in der Klimapolitik.

Die Christdemokratische Volkspartei (CVP) bleibt mit einem Minus von einem Prozentpunkt in der Verliererrolle. Damit dürfte ihr Vorsprung auf die Grünen weiter schmelzen.

Auch Fünfte Schweiz wählt grün

Comparaison

Die Auslandschweizer scheinen für die ökologischen Belange noch offener als die Bevölkerung im Inland. Bei ihnen beträgt der Zuwachs der Grünen satte sechs Prozentpunkte, die Grünliberalen legen deren vier zu. Die FDP kommt bei den Schweizern im Ausland auf ein Plus von einem Prozentpunkt. Dagegen verfügen die SVP und die CVP im Ausland über einen geringeren Rückhalt als im Inland.

Gesundheitskosten, EU und Klima

Die Gesundheitskosten, in Form des stetigen Anstiegs der Krankenkassenprämien, sind laut Umfrage die Hauptsorge von Herr und Frau Schweizer. Allerdings hat das Thema im Vergleich zur letzten Erhebung an Bedeutung eingebüsst: 42% der Wähler halten dies für eine der grössten Herausforderungen für das Land, gegenüber 47% im Februar.

Für 38% sind die Beziehungen der Schweiz zur Europäischen Union Sorge Nummer eins, das sind neun Prozent weniger als im Februar.

Keinen Rückgang verzeichnet die Klimafrage: Für 38% der Schweizer ist sie das grösste Problem, auch wenn in letzter Zeit keine extremen Wetterereignisse aufgetreten seien, wie das sotomo Institut sagt.

Die Zuwanderung, bei den Wahlen vor vier Jahren noch das grosse Wahlkampf-Thema, ist heute nur noch für 25% der Wähler ein Problem. Die Flüchtlingskrise und die Umsetzung der SVP-Initiative "gegen Masseneinwanderung" sehen sich in der politischen Debatte von heute von der Ökologie überholt.

Die Prioritäten der Fünften Schweiz

Bei den Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern präsentiert sich das Sorgenbarometer in leicht anderer Form. Eine Mehrheit hält das Verhältnis der Schweiz zur EU für die wichtigste Priorität. Das erstaunt wenig, lebt doch ein Grossteil von ihnen in europäischen Ländern.

Die Krankenversicherungskosten dagegen sind kein Thema, da die Mitglieder der Fünften Schweiz nicht die hohen Krankenkassenprämien der Schweiz bezahlen müssen.

Im Vordergrund stehen also Fragen des Klimaschutzes und der Öffnung der Schweiz gegenüber dem Ausland.

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Die Umfrage

Das zweite Wahlbarometer 2019 der SRG wurde vom Forschungsinstitut sotomo erhoben. Vom 17. bis 27. Mai machten auf den Internetportalen der SRG und der Website von sotomo 10'388 Wählende mit, davon 390 Auslandschweizer. Die Fehlerquote für die Umfrage beträgt +/- 1,5 Prozentpunkte. 

Da die Teilnahme an der Umfrage offen ist (Opt-in) , ist die Zusammensetzung der Stichprobe nicht repräsentativ für die Bevölkerung. Dies, weil bei Umfragen Männer in der Regel stärker mitmachen als Frauen. Die Verzerrungen werden durch Verfahren von statistischen Gewichtungen korrigiert.

Vor den Wahlen wird sotomo im September und Oktober noch zwei weitere Wahlbarometer publizieren.

Infobox Ende


(Übertragung aus dem Französischen: Renat Kuenzi),

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