Ausland- WK für Schweizer Soldaten obligatorisch?
Milizangehörige der Armee sollen künftig dazu verpflichtet werden, Wiederholungskurse, auf Soldatendeutsch WK genannt, auch im Ausland zu absolvieren.
Die Armeeführung will bis 2008 eine 500-köpfige Mini-Armee für friedensfördernde Auslandeinsätze auf die Beine stellen.
Den Vorschlag machen das Schweizerische Verteidigungsdepartement (VBS) und Armee-Chef Christophe Keckeis in einem Zwischenbericht. Darüber wird das Schweizer Parlament beraten.
Im Bericht wird zwischen zwei Arten von Auslandeinsätzen unterschieden: Jenen zur reinen Ausbildung und solchen zur Friedenssicherung.
Es müsse politisch entschieden werden, ob die Teilnahme an Ausbildungs-WK im Ausland künftig freiwillig sei oder ob eine Pflicht eingeführt werden solle, heisst es im Bericht.
Marschroute vorgegeben
Die Armeeseite ist klar für ein Obligatorium: Sei die Teilnahme an Ausland-WK weiterhin freiwillig, werde eine verbindliche Planung und Durchführung in Frage gestellt, so die Autoren.
Berufsmilitärs müssen seit Anfang 2005 Auslandeinsätze leisten. Bei neu angestellten Berufssoldaten oder -offizieren ist diese Pflicht Bestandteil des Arbeitsvertrages. Bei früher eingestellten Berufsmilitärs wurde der Vertrag im gegenseitigen Einverständnis entsprechend ergänzt.
Friedensförderung gut fürs Image
Für die Friedensförderung wollen VBS und Armeeführung bis 2008 eine 500-köpfige Mini-Armee für Auslandeinsätze auf die Beine stellen. Diese oder Teile davon sollen bei Einsätzen je nach Bedarf aus Führungs-, Aufklärungs-, Infanterie-, Genie-, Logistik, Militärpolizei- oder Lufttransport-Elementen zusammen gesetzt sein.
Bis 2008 sollen deshalb die benötigten Kadermitglieder und die «Durchhaltefähigkeit» sicher gestellt werden. Dazu sollen nötigenfalls auch so genannte Durchdiener, die den gesamten Armeedienst an einem Stück leisten, einbezogen werden.
Im Bericht wird ferner vorgeschlagen, als flankierende Massnahme ein Anreizsystem zu schaffen, um genügend Soldaten gewinnen zu können.
Definitiver Bericht Ende 2007
Bei dem vor kurzem im Internet veröffentlichten und vom «Tages-Anzeiger» am Samstag auszugsweise publizierten Papier handelt es sich um einen Zwischenbericht des VBS an die Sicherheitspolitischen Kommissionen der Eidgenössischen Räte.
Der definitive Bericht soll gegen Schluss der Legislatur, das heisst gegen Ende 2007, vom Bundesrat der Bundesversammlung unterbreitet werden. Mit Hilfe solcher Berichte soll periodisch überprüft werden, ob die Armee die ihr gesteckten Ziele erreicht.
swissinfo und Agenturen
Die Schweiz hat eine Milizarmee, in der jeder Bürger Dienst leisten muss (Dienstpflicht).
Die Rekrutenschule (Grundausbildung) dauert 18 bis 21 Wochen. Soldaten müssen während sechs und sieben Jahren (je nach Truppengattung) Wiederholungs-Kurse absolvieren. Die WKs dauern 19 Tage.
In der letzten Reform wurde der Bestand verkleinert: der Armee XXI umfasst 120’000 aktive Soldaten, jährlich 20’000 Rekruten und 80’000 Reservisten.
Davor hatte die Schweizer Armee über 500’000 Angehörige gezählt.
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch