Neue Mitteparteien siegen bei den Wahlen
Die Grünliberale Partei (GLP) und die Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) sind die Gewinnerinnen der Eidgenössischen Parlamentswahlen 2011. Die Grüne Partei verliert die meisten Sitze. Stärkste Kraft bleibt die Schweizerische Volkspartei.
Dies sagt die erste nationale Hochrechnung der SRG SSR von 19 Uhr voraus.
«Wenn die Hochrechnungen stimmen, sieht es für uns sehr schön aus», sagte Martin Bäumle, Präsident der Grünliberalen Partei (GLP), im Schweizer Fernsehen.
Mit einem Zuwachs von 4,1% kommt die GLP im neuen Parlament auf 5,5%. Sie kann 9 neue Leute in den Nationalrat schicken und wird neu 12 Sitze innehaben.
Neben der GLP ist die Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) die zweite Siegerin dieser Wahlen. Die Partei war nach der Nicht-Wiederwahl von Bundesrat Christoph Blocher im Dezember 2007 aus der Schweizerischen Volkspartei (SVP) heraus entstanden.
Sie kam am Sonntag auf einen Wähleranteil von 5,4%. Sie zieht mit 9 Sitzen in den Nationalrat ein.
Verluste für traditionelle Parteien
Federn lassen mussten alle vier traditionellen Grossparteien, die in der Landesregierung vertreten sind. Die SVP bleibt die wählerstärkste Partei im Land, allerdings musste sie einen Verlust von 2,1% hinnehmen und kommt auf 26,8%. Auf Sitze gerechnet sind es mit 55 Sitzen 7 weniger als 2007.
Weniger stark sind die Verluste bei der Sozialdemokratischen Partei (SP), die 0,6% weniger Stimmen erhielt und nun auf 18,9% Wähleranteil kommt. Trotzdem gewann sie im Nationalrat sogar einen Sitz dazu und liegt neu bei 44 Sitzen.
Die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) musste etwas mehr Verluste einstecken (-2,4%) und kommt neu auf 12,1%. Im neuen Parlament hat sie 28 Sitze, 3 weniger als vor vier Jahren.
Den grössten Taucher macht mit 2,7% die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP.Die Liberalen). Sie kommt damit im neuen Parlament noch auf einen Stimmenanteil von 15%. Allerdings muss sie nur 4 Sitze preisgeben und kommt neu auf 31 Sitze.
Auch die Grünen, die fünftstärkste Partei im Land, erreichten ihr Wahlziel von 10% nicht und liegen nun bei 8,3%, mit einem Stimmenverlust von 1,3%. Auf Sitze umgerechnet ist das allerdings ein herber Schlag für die Partei: Sie verliert 7 Sitze und kommt auf 13 Nationalräte und Nationalrätinnen.
Die Wahlbeteiligung bewegte sich auf recht moderatem Niveau bei 48%.
Bekannte Namen
Prominenteste Abgewählte im Nationalrat sind der Zuger Jo Lang von der Alternativen Liste und der Berner Christlichdemokrat Norbert Hochreutener. Auch die Grüne Solothurnerin Brigitte Wyss, einst Bundesratskandidatin, wurde nicht wieder gewählt.
Um seinen Sitz zittert FDP-Präsident Fulvio Pelli im Kanton Tessin. Sein Sitz ist laut der ersten Hochrechnung hochgradig gefährdet.
Ständerat
Bei den Ständeratswahlen waren besonders jene Kantone interessant, in denen Schwergewichte der SVP antraten. Ihr erklärtes Ziel, das Steuer im Ständerat nach rechts herumzureissen, haben sie aber am Wahlsonntag nicht erreicht. Alle ihre Kandidierenden müssen in einen zweiten Wahlgang.
Im Kanton St. Gallen schaffte es Parteipräsident Toni Brunner nicht, sich im ersten Wahlgang zu qualifizieren. Einzig Karin Keller-Sutter, Regierungsrätin und Präsidentin der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD), schaffte die Hürde problemlos.
Im Kanton Zürich trat Ex-Bundesrat Blocher als Ständeratskandidat für die SVP an. Auch er schaffte es nicht, im ersten Wahlgang gewählt zu werden.
Zu einer Überraschung kam es im Kanton Schwyz: Ständerat Bruno Frick (CVP) verpasste die Wahl in der ersten Runde und muss in fünf Wochen zum zweiten Wahlgang antreten. Alex Kuprecht von der SVP wurde im ersten Wahlgang gewählt.
Ebenfalls im Kanton Schwyz kam ein nicht Kandidierender zu Stimmen, der seine Punkte sonst auf den roten Sand holt: Der Tennisstar Roger Federer erhielt 132 Stimmen.
Der Nationalrat ist die Schweizer Parlamentskammer (Legislative) der Volksvertreter oder Abgeordneten (grosse Kammer).
Der Rat zählt 200 Parlamentarierinnen und Parlamentarier und vertritt das Schweizer Volk. Auf je 35’000 Einwohnerinnen und Einwohner eines Kantons kommt derzeit ein Mitglied im Nationalrat.
Das einzelne Ratsmitglied wird «Nationalrat» oder «Nationalrätin» genannt. Nationalrat und Ständerat bilden zusammen die Vereinigte Bundesversammlung (Parlament).
Der Ständerat ist die Schweizer Parlamentskammer (Legislative) der Kantonsvertreter (kleine Kammer).
Er zählt 46 Mitglieder, welche die Kantone vertreten. Jeder Kanton ist ungeachtet seiner Einwohnerzahl mit zwei, die Halbkantone mit einem oder einer Abgeordneten vertreten.
Als Halbkantone gelten Obwalden, Nidwalden, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden. Das einzelne Ratsmitglied wird «Ständerat» oder «Ständerätin» genannt.
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