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Tauziehen um Akten

Keystone Archive

Die Unabhängige Experten-Kommission Schweiz - Zweiter Weltkrieg (UEK) fordert erneut die zentrale Archivierung aller gesichteten Dokumente.

«Die UEK würde es sich wünschen, dass die verwendeten Akten als Ganzes zusammenbleiben könnten.» Dies sagte Myrtha Welti, UEK-Generalsekretärin, am Donnerstag gegenüber swissinfo. Und: «Das wäre für unsere Arbeit und für die wissenschaftliche Überprüfbarkeit sehr wünschenswert.»

Rückblende: Bereits im vergangenen Sommer wurde um die Akten heiss diskutiert. Die UEK, die für ihre Arbeit rund 130’000 Kopien von Dokumenten aus den Archiven von Privatunternehmen und Verbänden erstellt hatte, forderte die zentrale Lagerung des wertvollen Quellenmaterials.

Prominente Wirtschafts-Vertreter zeigten für dieses Anliegen indes kein Verständnis und forderten ihre Akten zurück. Am 3. Juli entschied die Landesregierung zu Gunsten der Wirtschaft – und fegte die Schaffung einer unschätzbaren Fundgrube für Historikerinnen und Historiker vom Tisch.

In der UEK, die ihr Forschungs-Mandat im Dezember dieses Jahres abschliesst, hat man jedoch nach wie vor wenig Verständnis für diesen Entscheid. So bezeichnete etwa Stefan Karlen, wissenschaftlicher Projektleiter der Kommission, das Vorgehen als einen wissenschaftlich nicht verantwortbaren Rückschritt.

Ein letzter Versuch

Kommissions-Präsident Jean-François Bergier erklärte am Donnerstag, die Kommission suche noch immer nach möglichen Orten zur Archivierung. Man sei sogar am Verhandeln. Der Weg zu einer Lösung sei aber lang.

Dies sei der letzte Versuch, erklärte Myrtha Welti, die im Zusammenhang mit der Schaffung eines Archivs von einem «Traum» oder gar einer «Vision» spricht. Welti glaubt ihr Anliegen noch nicht völlig verloren: «Es könnte ja sein, dass sich alle Partner freiwillig dazu finden würden. Die Umsetzung ist jedoch nicht in unserer Hand.»

Bundesrat gefragt

Konkret hofft die UEK auf die Regierung. Der Bundesrat könne die zentrale Archivierung zwar nicht mehr verfügen, da er im Sommer bereits anders entschieden habe, gab sich Welti überzeugt. Trotzdem könnte die Regierung – etwa mittels eines Appells an die Wirtschaft – sehr wohl noch etwas für die Sache der UEK tun.

Der Entscheid des Bundesrates, ein Kapitel Schweizer Geschichte umfassend untersuchen zu lassen, sei toll gewesen. Umso mehr bestehe Anlass, durch die Aufbewahrung der Dokumente der geleisteten Arbeit den nötigen Respekt zu zollen.

Firmenakten an die ETH?

Gemäss der Berner Zeitung «Bund» vom Freitag ist als mögliches Kompromiss-Archiv das Archiv für Zeitgeschichte an der ETH Zürich im Gespräch. Dort lagern bereits die Akten des Wirtschafts-Verbandes économiesuisse – gute Kontakte zur Wirtschaft wären also bereits vorhanden.

Verpasste Chance

Aus heutiger Sicht hätte die Frage, was mit den Akten nach Abschluss der Kommissions-Arbeit geschehen soll, wohl viel früher geregelt werden müssen. Myrtha Welti winkt ab. Für die 1996 ins Leben gerufene Kommission seien lange Zeit andere Fragen schlicht wichtiger gewesen – etwa die Schwierigkeiten, in Privatarchive eingelassen zu werden.

Felix Münger

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