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Secondos in der Schweiz

Ihre Kinder heissen Secondos. Gastarbeiter reisen an Weihnachten 1964 nach Hause.

(Keystone Archive)

Was genau ein "Secondo" ist, weiss niemand so richtig. Es ist ein Sammelbegriff für die Kinder der Einwanderer aus den 60er und 70er Jahren.

Der Ausdruck wurde zum Unwort, als Secondos für die Krawalle an den Zürcher 1. Maifeiern 2002 verantwortlich gemacht wurden.

Der Begriff Secondo werde sehr unterschiedlich gebraucht, sagte kürzlich die Zürcher Soziologin Anne Juhasz in der Neuen Luzerner Zeitung.

Eine verbindliche oder einheitliche Definiton gebe es nicht. Die Wissenschaft benutze ihn denn auch nicht. Hier spricht man von der "Zweiten Generation" oder von "Jugendlichen ausländischer Herkunft".

Keine klare Definition

Auch die Öffentlichkeit nimmt den Begriff unterschiedlich wahr. Für die einen sind Secondos alle Ausländer, die in der Schweiz geboren sind. Andere sehen darin generell jugendliche Ausländer unabhängig vom Geburtsort. Für wieder andere sind Secondos die Kinder der spanischen und italienischen Gastarbeiter.

Es gibt eben auch keine einheitliche Regelung bezüglich der Altersgruppen. Deshalb kann man auch die Zahl der Secondos in der Schweiz nicht genau beziffern. Rund 330'000 Personen - nahezu ein Viertel der ausländischen Bevölkerung - sind Angehörige der zweiten Generation. Das heisst, sie sind in der Schweiz geboren.

Für Anne Juhasz ist das Wort Secondo ein Unwort. In seinem Ursprung bezeichne es Italiener der zweiten Generation. Habe dann aber zum italienischen Stamm eine spanische Endung gekriegt. Grammatikalisch korrekt müsste man eigentlich von Secondi oder Segundos sprechen.

Kommt noch dazu, dass Secondo nur die männlichen Jugendlichen in der Schweiz umfasst. Deshalb ist auch noch die weibliche Form des Unwortes aufgetaucht: Seconda!

Keine Krawallmacher

Die meisten "Urschweizer" kennen das Wort vermutlich erst seit dem 1. Mai 2002. Damals kam es in Zürich nach den 1. Mai-Kundgebungen zu Ausschreitungen und Plünderungen.

14 Personen wurden verletzt, darunter vier Polizisten, und rund 100 Personen verhaftet. Unter den Festgenommenen befanden sich, gemäss Polizei, viele Ausländer der zweiten und dritten Generation.

Die Stadtzürcher Polizeivorsteherin Esther Maurer sagte damals: "Wir haben ein gesellschaftliches Problem. Die Secondos sind bei den diesjährigen Ausschreitungen noch vehementer aufgetreten als im Vorjahr." Damit war der Begriff Secondo negativ als Krawallmacher belegt.

Dass die Kinder der Einwanderer keine Krawallmacher sind, belegte kürzlich eine Studie des Nationalfonds. Die Kinder der italienischen und spanischen Gastarbeiter (aus diesen Ländern erfolgte in den 60er Jahren vor allem die Einwanderung) sind gut ausgebildet, beruflich erfolgreich und bringen Job und Familie gar besser unter einen Hut als die Schweizer.

Diese Secondos arbeiten als qualifizierte Angestellte mit mittleren Löhnen und nicht etwa überwiegend in handwerklichen Jobs, schreibt der Schweizerische Nationalfonds.

Junge Itaiener und Spanier absolvierten eher eine weiterführende Ausbildung als junge Schweizer, studierten überdurchschnittlich viel und machten sich häufiger selbstständig. Unterdurchschnittlich werden die Secondos nur in der öffentlichen Verwaltung beschäftigt.

Erleichtert einbürgern

Unterdurchschnittlich sind Secondos auch politisch integriert. Obwohl 80 Prozent in der Schweiz geboren wurden, haben gut die Hälfte keinen Schweizer Pass. Manche, vor allem aus dem Balkan, haben Mühe einen zu kriegen. Es gibt aber auch Secondos, die wollen gar keinen Schweizer Pass, sondern bevorzugen den EU-Pass.

Die Nationalfonds-Studie schreibt dazu, dass Secondos unbedingt politisch eingebunden werden müssten. Sonst bestehe die Gefahr der Entpolitisierung. Nichteingebürgerte Bewohner eines Landes würden sich weniger um das Wohl und die Zukunft ihres Wohnlandes kümmern.

Die Forderung nach einer erleichterten Einbürgerung, wie die Studie es will, wird möglicherweise bald umgesetzt.

In der Herbstsession 2002 beschloss der Nationalrat, dass Ausländer der zweiten Generation nur noch acht statt zwölf Jahre in der Schweiz wohnen müssen, ehe sie einen Antrag auf Einbürgerung stellen dürfen. Das Geschäft kommt am 17. Juni in den Zweitrat, den Ständerat.

swissinfo, Urs Maurer


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