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«Duell zweier testosterongetriebener Machos»

Ernesto Bertarelli (l.) vom Alinghi-Team gratuliert seinem Konkurrenten Larry Ellison von BMW Oracle. Reuters

Ernesto Bertarelli und das Alinghi-Team verloren den America's Cup. Für die Medien sind – neben der schnellen Jacht des Gegners- auch die Gerichtsstreitigkeiten verantwortlich. An diesen sei Alinghi nicht unschuldig, meint die Tagespresse.

«Zermürbt durch den über zweieinhalb Jahre dauernden Gerichtsstreit, ausgespielt auf dem Wasser durch das Flügelsegel des Herausforderers BMW Oracle Racing – nach sieben Jahren endete die Erfolgsgeschichte von Alinghi gestern im kalten Valencia», kommentiert der Tages-Anzeiger. Bertarelli bezahle bitter für die Fehler, die er nach dem Triumpf im Gefühl des Siegers begangen habe.

Das Schweizer Team habe am Ende weder den Austragungsort noch das Renndatum selber bestimmen können. Doch die klare Entscheidung auf dem Wasser sei für den Cup selber eine Befreiung. Der Cup sei durch die Gerichtsstreitigkeiten nämlich in die grösste Krise seiner Geschichte geraten.

Gewonnen dank Russell Coutts

Für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) ist klar, wieso die Amerikaner den America’s Cup gewonnen haben: Dank Russell Coutts. «Wenn Russell Coutts am America’s Cup teilnimmt, dann gewinnt er ihn», hält der Kommentator fest.

Dieses Mal sei Coutts zwar nicht selbst mit gesegelt, aber er war als CEO von BMW Oracle beteiligt. Dass es zu 95 Prozent auf die Ingenieursleistung ankomme, habe er schon im Vorfeld gesagt, deshalb habe er in diesen Bereich investiert.

Sein Ziel sei klar gewesen, er habe die anderen Herausforderer vom America’s Cup ausschliessen und den Titelverteidiger mit einem langwierigen Abnützungskampf schwächen wollen.

«Beides ist ihm geglückt», und auch die NZZ sieht die Fehler, die Alinghi gemacht habe. Doch das Ganze sei nur dank dem Milliardär Larry Ellison möglich geworden.

Verfälschte Ausgangssituation

Die Amerikaner seien sehr verbissen gewesen, meint Le Temps. Sie hätten das Risiko gescheut, nicht in den Final zu kommen und hätten deshalb den juristischen Weg beschritten.

Die Ausganssituation sei dadurch verfälscht gewesen.
Der Wettkampf habe mitten im Winter in der nördlichen Hemisphäre an einem Ort stattfinden müssen, den der Titelverteidiger gar nicht gewählt habe. Damit sei nur erreicht worden, dass der Hype um den America’s Cup abgeflaut sei.

«Ob der America’s Cup nun wirklich demokratischer wird», fragt sich der Kommentator der Westschweizer Zeitung. Sicher sei das nicht.

Bertarelli habe sich persönlich ins Spiel gebracht, kritisiert der Corriere del Ticino, er habe behauptet, dass er selbst Alinghi 5 verkörpere. Dies sei ohne Zweifel einer der Gründe für die Niederlage gegen BMW Oracle.

Vielen das Interesse vergällt

Auch das Boulevardblatt Blick geht trotz oder wegen der Niederlage mit Bertarelli hart ins Gericht:»Ernesto Bertarelli trägt eine Mitschuld daran, dass der Kampf unerträglich lange vor Gericht und nicht auf dem Wasser ausgetragen wurde. Er bog die Regeln des Wettbewerbs, bis sich ein mächtiger Gegener in Position brachte».

Es sei ein «Duell zweier testosterongetriebener Machos» gewesen, Gift für das Image des Cups, das Sponsoren, Fans und Medien das Interesse vergällt habe.

Es gehe nun darum, dass der America’s Cup nicht mehr «Ein Duell zweier reicher Narzissten» bleibe, sondern ein Rennen für die ganze Welt.

Symbolhaft für die Schweiz

«Die Niederlage folgt dem, was die Schweiz symbolisiert», vergleicht der Kommentar von Le Matin, dem Westschweizer Boulevardblatt, das Segelrennen mit der heutigen Situation der Schweiz. Gestern sei sie im Kreis der Nationen respektiert worden, heute sei sie der Loser, der Prügel bezieht.

Der schweizerische Titelverteidiger sei untergegangen, ohne Zweifel. Die Frechheit, die Verachtung der Andern, die übertriebene Grossspurigkeit, dies erinnere vage an die Schweiz, die, dem Winde ausgesetzt, Schiffbruch im globalen Theater erlitten habe.

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In den amerikanischen Medien hat die siegreiche Rückeroberung des America’s Cup keine grossen Wellen geworfen. «US-Boot bringt den America’s Cup zurück», titelten die New York Times und die Chronicle of San Francisco, von wo Oracle kommt.

«Valencia- muchas gracias» habe der der Milliardär ausgerufen, als er das Rennen seines Lebens im Mittelmeer verfolgte. Es sei eines der auffälligsten Boote gewesen, die je gebaut worden sind. Nun, schreiben die beiden Blätter, sei der America’s Cup wieder in amerikanischer Hand.

«Immer noch eingehüllt in ein weisses Halstuch gegen die Kälte, stemmte der Software-König Larry Ellison den Pokal in die Luft. Danach küsste er die älteste Trophäe im internationalen Sport.»

Mythos: Der America’s Cup ist die berühmteste und älteste Segelsport-Trophäe der Welt. Er wird an den Sieger mehrerer Regatten zwischen dem Titelverteidiger und einem Herausforderer vergeben.

Amerika: 1851 in England durchgeführt, ging der erste Sieg nach Amerika zum Yacht Club New York, der die Trophäe bis 1983 während 132 Jahren erfolgreich verteidigte.

Alinghi: Das Schweizer Syndikat holte die Trophäe 2003 mit dem Sieg gegen Team Neuseeland erstmals nach Europa und verteidigte sie 2007 in Valencia, Spanien – erneut gegen die Neuseeländer.

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