Neuer ASO-Direktor Daniel Hunziker: Ein Auslandschweizer für die Fünfte Schweiz
Daniel Hunziker steht seit Anfang Jahr an der Spitze der Geschäftsstelle der Auslandschweizer-Organisation (ASO). Als ehemaliger Honorarkonsul und Auslandschweizer kennt er die Anliegen der Schweizer Diaspora. Nun will er die Organisation stabil durch die kommenden Jahre führen. Eine Begegnung.
Vor dem Gebäude der Auslandschweizer-Organisation (ASO) glänzt die Sonne auf dem kalten Asphalt. Daniel Hunziker empfängt die Besucherinnen im Eingangsbereich der alten Villa der Auslandschweizer-Stiftung an der Alpenstrasse in Bern. Er geht die Treppe zum ersten Stock hinauf, wo sein Büro liegt.
Eine imposante Bücherwand dominiert den Raum, ansonsten ist die Einrichtung schlicht – persönliche Spuren sucht man noch vergeblich. Hunziker wirkt offen, freundlich. Er scheint bereit für seine neue Rolle als Direktor.
Diese hat er am 1. Januar übernommen, nachdem sein Vorgänger nach nur neun Monaten an der Spitze der ASO zurückgetreten war. «Die Übergabe lief sehr gut ab, ich habe von einigen gemeinsamen Sitzungen mit meinem Vorgänger und dem ASO-Präsidenten Filippo Lombardi profitiert», sagt Daniel Hunziker.
«Ein Traumjob»
Schon einmal war Daniel Hunziker für diesen Posten im Gespräch, als es um die Nachfolge von Ariane Rustichelli ging. Damals fiel die Wahl jedoch auf seinen Mitstreiter Lukas Weber. Hunziker nahm die Absage hin und startete daraufhin ein anderes Projekt bei der Stiftung Landenhof im Aargau. Kaum dort angekommen, meldete sich die ASO überraschend wieder bei ihm – dieses Mal war er gefragt.
Schon beim ersten Bewerbungsprozess sei für ihn die Stelle als Direktor bei der ASO «sein Traumjob» gewesen, die Stelle «wie auf ihn zugeschnitten». Deshalb war klar: «Das muss ich mir nochmals genauer anschauen», so Hunziker. Mit Erfolg.
Doch weshalb ist der 59-jährige nun doch der Richtige für den Job? Mit Daniel Hunziker hat die Auslandschweizer-Organisation einen Mann an der Spitze, der unter anderem über langjährige Auslandschweizer-Erfahrung verfügt. Ausserdem ist Hunziker ein Finanzexperte, was aufgrund der drohenden Kürzungen des Bundesbeitrags der ASO sicherlich gelegen kommen dürfte.
Von Aarau nach Neukaledonien
Hunziker ist in Aarau aufgewachsen. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre in der Privatwirtschaft – in einem Geschäft, das Bodenbeläge und Orientteppiche verkaufte. Hier entdeckte er seine Leidenschaft für Orientteppiche – wechselte aber bald in die Finanzindustrie.
Um sein Englisch zu verbessern, reiste Hunziker in die USA. Aus dem geplanten kurzen Aufenthalt wurden fünf Jahre, in denen er nicht nur studierte, sondern auch seine Frau kennenlernte, die aus Neukaledonien stammt. Dort fand schliesslich auch ihre Hochzeit statt.
Gemeinsam kehrten sie in die Schweiz zurück, wo zwei ihrer drei Söhne geboren wurden. Nach einigen Jahren in der Schweiz zog es die Familie erneut ins Ausland, diesmal in das Heimatland von Daniel Hunzikers Frau. Zwei Jahre lang habe die Familie den Schritt vorbereitet. Im Jahr 2007 reisten sie ans andere Ende der Welt, nach Neukaledonien. Geplant waren zwei bis drei Jahre, es wurden knapp zwei Jahrzehnte.
Doch: «Niemand hat in Neukaledonien auf mich gewartet», sagt Hunziker rückblickend über seine Auswanderung. Gerade zu Beginn müsse man sich oft erst durchkämpfen, bis man verstehe, wie das neue Land funktioniere.
Am längsten habe er sich an die Unpünktlichkeit der Inselbewohnenden gewöhnen müssen. «Ich glaube, ich habe in diesen 18 Jahren selten eine Sitzung pünktlich begonnen», erzählt Hunziker lachend. «Nur bei Terminen mit Schweizerinnen und Schweizern hat es mit der Pünktlichkeit funktioniert.»
Mit der Zeit habe er sich zu helfen gewusst. «Wenn ich wollte, dass die Sitzung um 14 Uhr beginnt, dann habe ich einfach auf 13.30 Uhr eingeladen», sagt er.
Knapp zwei Jahrzehnte im Ausland
Über seine Zeit im Ausland spricht Hunziker mit spürbarer Leidenschaft. Aus eigener Erfahrung weiss er, wo die Knackpunkte im Leben als Auslandschweizer liegen. «Man merkt oft erst, was einem die Schweiz eigentlich bietet, wenn man ausserhalb lebt», sagt er und verweist dabei auf Aspekte wie Sicherheit, das soziale Netz oder den Lebensstandard.
Zu den wiederkehrenden Herausforderungen für Auslandschweizer oder Auslandschweizerinnen zählen für Hunziker Fragen rund um AHV, Krankenversicherung und die finanzielle Absicherung insgesamt. Sie alle enthalten Entscheide, die oft unumkehrbar sind und ein hohes Risiko darstellen können.
Besonders problematisch sei für viele Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer der Zugang zu einem Schweizer Bankkonto. Hinzu kämen praktische Hürden bei der politischen Teilhabe, etwa beim brieflichen Abstimmen, weshalb Hunziker ein sicheres und flächendeckendes E-Voting als zentrale ZukunftsfrageExterner Link bezeichnet.
Mit diesen Anliegen dürfte der ASO-Direktor der Diaspora – und damit auch dem Auslandschweizer-Rat als oberstes Gremium der Organisation – aus dem Herzen sprechen.
Krisenfest und vernetzt
Daniel Hunziker ist krisenerprobt. Als Schweizer Honorarkonsul half er in Neukaledonien bei den schlimmsten Ausschreitungen im Frühling 2024Externer Link den gestrandeten Schweizer Touristinnen und Touristen, das Land zu verlassen. «Als keine Taxis mehr fuhren, habe ich ein Schweizer Ehepaar mit meinem Privatauto zum Flughafen gebracht», so Hunziker. Doch nicht einmal als Honorarkonsul wurde er noch aufs abgesperrte Flughafengelände gelassen. Das reisende Ehepaar erwischte aber dank ihm den Flug.
Die Ausschreitungen zwangen die Hunzikers schliesslich Ende 2024 selbst zur Rückkehr in die Schweiz. «Die Sicherheit im Land war nicht mehr gegeben, dazu kam die medizinische Versorgung, die immer knapper wurde», erzählt der ehemalige Honorarkonsul.
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Zudem sei es «beruflich und privat kurz vor 60 wohl der letzte sinnvolle Zeitpunkt für eine Rückkehr» gewesen. Nach fast zwei Jahrzehnten im Ausland lebt Daniel Hunziker mit seiner Familie seit Ende 2024 wieder in der Schweiz. Zwei Söhne haben bereits hier studiert, der Jüngste besucht nun noch die Regelschule.
«Die Heimkehr war ein umgekehrter Kulturschock», beschreibt Hunziker die Monate nach dem Zurückkommen. Ihn habe auch sehr überrascht, wie schwierig es offenbar ist, den Wert eines langjährigen Auslandaufenthalts auf dem Arbeitsmarkt aufzuzeigen.
Zukunft im Blick
Das ist ebenfalls ein Punkt, an dem man ansetzen könnte, wie er meint: «Man sollte das einfachere Hin und Her zwischen dem Ausland und der Schweiz fördern.» Viele Schweizerinnen und Schweizer wandern heute nicht mehr für immer aus.
Statistiken zeigen, dass mehr als die Hälfte der Personen mit Schweizer Staatsbürgerschaft innerhalb von 11 Jahren wieder in der Schweiz leben:
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Daniel Hunziker scheint in seiner neuen Rolle angekommen. Nach einer Phase des UmbruchsExterner Link will er gemeinsam mit dem Vorstand zunächst Stabilität und Ruhe in die ASO bringen – ohne den Kernauftrag aus den Augen zu verlieren: die Beratung, Information und Vernetzung der Schweizerinnen und Schweizer im Ausland.
Editiert von Balz Rigendinger
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