Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Seit ich als Kind meine Eltern über die Steuererklärung streiten hörte, möchte ich lieber nicht heiraten. Die gemeinsame Steuererklärung für Ehepaare sorgt nicht nur deshalb für Streit, weil der eine die lästige Pflicht sofort erledigen möchte und der andere lieber die Verlängerung eingeben will, oder der eine ordentlich Buch führt und der andere Quittungen verlegt, nein – es ist noch viel schlimmer: Der Ehemann gilt als Ernährer und Oberhaupt, während die Ehefrau als Beigemüse in Erscheinung tritt.
Herzliche Grüsse aus Lyss
Da vergeht einem die Lust aufs Heiraten: In der Schweiz müssen Ehegatten eine gemeinsame Steuererklärung einreichen, die auf den Mann als Ernährer und Familienoberhaupt ausgerichtet ist. Egal wie die Realität aussieht.
Der Tages-Anzeiger erzählt die Geschichte eines Ehepaares, das die einseitig an den Ehemann gerichtete Steuererklärung als diskriminierend empfindet. Nach der Heirat bemerkten sie, dass die neue Steuererklärung einseitig und ohne Änderungsmöglichkeit den Ehemann als alleinigen Begründer des Steuerfalls behandelt. Die steuerliche Identität der Ehefrau existierte nicht mehr.
In ihrem Fall war das abstrus, weil der Ehemann sich um die Kinder kümmert und die Ehefrau für das Familieneinkommen sorgt. Einmal wollte die Ehefrau eine Fristerstreckung für die Steuererklärung erwirken, konnte das aber nicht, weil dies das entsprechende Onlineformular nur dem Ehemann erlaubte.
Das Paar setzte sich mit Eingaben und Rekursen erfolglos für eine geschlechtsneutrale Steuererklärung ein. Sie übten zivilen Ungehorsam und verfassten ihre Steuererklärung von Hand auf einem Papier statt auf dem amtlichen Formular. Dafür kassierten sie eine Busse. Jetzt ziehen sie den Kanton Bern vor das Verwaltungsgericht. Ich persönlich drücke ihnen die Daumen.
- Der Artikel vom Tages-AnzeigerExterner Link (Paywall).
- Sie wollen schweizerisch heiraten? So geht’s! («Anleitung» aus unserem Archiv)
- Ebenfalls aus unserem Archiv: Warum Schweizer Väter Vollzeit und Mütter Teilzeit arbeiten.
Laut einer Umfrage von Tamedia zur Coronavirus-Pandemie finden die meisten Schweizer und Schweizerinnen das Tempo, das der Bundesrat mit seiner Lockerungsstrategie anschlägt, gerade richtig. Vielen geht die Rückkehr in die Normalität sogar zu schnell.
2m Abstandsregeln und Social Distancing werden in Basel richtig gut eingehalten… 🤦🏻♂️ @BAG_OFSP_UFSPExterner Link @alain_bersetExterner Link pic.twitter.com/7VetnkGnzSExterner Link
— Joël Thüring🇨🇭 (@JoelThuering) May 16, 2020Externer Link
38 Prozent der über 26’000 Befragten finden, die Geschwindigkeit der Lockerungen sei zu hoch. In der jüngeren Bevölkerung sind diejenigen, die lieber noch etwas länger im Lockdown ausharren würden, sogar in der Überzahl. Nur 15 Prozent finden, das öffentliche Leben werde zu langsam wieder hochgefahren.
54 Prozent erachten es als zu früh, wenn sich ab dem 8. Juni bereits wieder grössere Menschengruppen in der Öffentlichkeit treffen dürfen. Knapp jeder Dritte möchte, dass das Verbot für Gruppen von mehr als fünf Personen in der Öffentlichkeit frühestens im September fällt.
Über 60 Prozent der Befragten rechnen mit einer zweiten Infektionswelle. Entsprechend gross sei die Bereitschaft, sich an Präventionsmassnahmen zu beteiligen, so der Tages-Anzeiger. Sechs von zehn Personen wollen die geplante Corona-Tracing-App herunterladen.
- Der Artikel vom Tages-AnzeigerExterner Link (Paywall) oder in der 12er-AppExterner Link (ohne Paywall).
- Unser laufend aufdatierter Artikel über die Situation in der Schweiz.
- Kürzlich bei uns: Schweizer Wissenschaftler streiten über Nutzen des Lockdowns.
Mehr
Darf ich vorstellen? Emma Hodcroft: Die Virenversteherin. Die Biologin aus Basel geht den Mutationen des Coronavirus nach. Und sie kämpft öffentlich darum, dass die Medien korrekt und verständlich berichten.
Emma Hodcroft hat amerikanisch-britische Wurzeln und arbeitet seit 2017 im Rahmen eines Postdoc als Bioinformatikerin an der Universität Basel. Hunderte von Zeitungen weltweit berichteten über ihre Arbeit. Mit knapp 19’000 Followern gehört sie zu den meistbeachteten Forschenden der Schweiz auf Twitter.
Die 33-Jährige zeichnet die Mutationen des Coronavirus Sars-CoV-2 in Echtzeit nach. Mit ihrem offenen Kommunikationsstil ist sie in der Pandemiezeit neben offiziellen Fachleuten zu einem der Gesichter der Wissenschaft geworden.
Medien machen leider auch Fehler: «Eine falsche Behauptung ist etwa, dass Sars-CoV-2-Typen mit unterschiedlichen epidemiologischen Eigenschaften existieren, die mehr oder weniger ansteckend sind. Das ist absolut falsch», so Hodcroft gegenüber dem Schweizer Forschungsmagazin Horizons. Ihr liegt die verantwortungsvolle Berichterstattung am Herzen.
- Das umfassende Porträt, das erstmals in Horizons erschien, finden Sie auf swissinfo.ch.
Heute beginnt die Weltgesundheitskonferenz in Genf. Wegen der Coronavirus-Krise wird mit heftigem politischem Streit gerechnet. Laut SRF ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass das WHO-Jahrestreffen zum neuen Schauplatz des Machtkampfs zwischen den USA und China wird.
Heute Montagmittag beginnt die jährliche Weltgesundheitskonferenz, also das Treffen der 194 Mitgliedsländer der UNO-Weltgesundheitsorganisation WHO. Auf der Traktandenliste der WHO stünde eigentlich die Stärkung des Gesundheitswesens in der Dritten Welt sowie die gerechte Verteilung eines allfälligen Corona-Impfstoffs.
Laut SRF ist aber mit Streit über Taiwan zu rechnen. Kleinstaaten fordern mit einer Resolution, unterstützt von den USA und EU-Ländern, dass Taiwan wieder als Beobachter bei der WHO zugelassen wird. China und seine Verbündeten wollen das verhindern, weil Peking alles daransetzt, dass Taiwan nirgends als souveräner Staat auftreten kann.
Verhindern will China ebenfalls eine rasche, unabhängige Untersuchung über den Ausbruch des Coronavirus Ende 2019 und seinen eigenen Umgang damit. Auf politisches Powerplay setzen aber auch die USA, welche die WHO als China-hörig kritisieren. Laut SRF ist daher mit einem Showdown zu rechnen.
- Der Beitrag von SRFExterner Link.
- Auch der deutsche TagesspiegelExterner Link berichtet über das Thema.
- Unser Artikel über die Aussetzung der WHO-Beiträge der USA.
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards