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Hochhäuser

Heute in der Schweiz

Liebe Auslandschweizerinnen, liebe Auslandschweizer

Kürzlich schrieb ich einen Artikel darüber, warum in der Schweiz kaum in die Höhe gebaut wird. Nun zeigt sich: Das stimmt nur für einen Teil der Schweiz. In Zürich schiessen Hochhäuser wie Pilze aus dem Boden. Finden Sie das gut oder schlecht?

Herzliche Grüsse

Hochhäuser
© Keystone / Christian Beutler

Auf meinen Artikel über seltene Hochhäuser in der Schweiz meldete sich ein Architekt und sagte, vor allem in Zürich herrsche ein regelrechter Hochhaus-Wildwuchs. Das sei schlecht für die Umwelt, schreibt er in einem Standpunkt.

Laut Horst Eisterer, Architekt und Mitglied der Arbeitsgruppe Städtebau und Architektur Zürich, gibt es in der Limmatstadt eine irrationale Vorliebe, ja Besessenheit für Dichte und Hochhäuser. Das ist ihm ein Dorn im Auge, denn Hochhäuser seien umweltschädlicher, teurer, weniger menschenfreundlich und eigneten sich erst noch kaum als Verdichtungstool.

Ein Artikel im heutigen Tages-Anzeiger gibt Horst Eisterer ein Stück weit recht: Die Journalisten zeigen mit einer Datenauswertung und Visualisierungen, wo in Zürich die Hochhäuser emporschiessen.

Seit 2001 bestehe dank einem Hochhaus-Leitbild in zwei Gebieten der Stadt Zürich eine «Lizenz zum Hochgehen«, so der Tages-Anzeiger. Die Stadt sei in den vergangenen acht Jahren insgesamt um 0,6 Meter höher geworden, was Unmut erzeuge: Die Arbeitsgruppe Städtebau und Architektur Zürich will beispielsweise die zwei Hardturm-Wohntürme verhindern. «Das Stapeln von Menschen führt zu Isolation», sagte Eisterer gegenüber dem Tages-Anzeiger.

Kampgangenbild Helvetia ruft
Alliance F

Wie kann man dem sinkenden Frauenanteil im deutschen Bundestag entgegensteuern? Von der Schweizer Kampagne «Helvetia ruft» könne Berlin sich einiges abschauen, sagt Isabel Rohner, Schweizer Expertin zum Thema Frauenwahlrecht.

Lange Jahre staunte Europa über das konservative Frauenbild in der Schweiz sowie das erst 1971 eingeführte Frauenstimmrecht. Bis das kleine Land in einem Punkt mit einem Riesenschritt am grossen Nachbarn Deutschland vorbei zog: Seit der Nationalratswahl 2019 besteht die grosse Parlamentskammer zu 42 Prozent aus Frauen.

In Berlin war der Anteil an Parlamentarierinnen mit der letzten Bundestagswahl 2017 indes zum Entsetzen vieler von 37 Prozent auf 31 Prozent gesunken. Im weltweiten Vergleich rückte die Schweiz in diesem Punkt auf Platz 16 vor, während Deutschland auf Platz 48 abrutschte.

Im Interview mit meiner Kollegin Petra Krimphove in Berlin sagte die Schweizer Expertin Isabel Rohner, ohne die parteiübergreifende Initiative «Helvetia ruft» wären nicht so viele Frauen in den Schweizer Nationalrat eingezogen. Deutschland könne daher von der Schweiz abgucken.

Sicherheitsrat
Keystone / Un Photo/paulo Filgueiras

Die Schweiz will für einen nicht-ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat kandidieren. Die Diskussion über Pro und Kontra ist in vollem Gange.

Im Interview mit der NZZ sagte der erste Schweizer UNO-Botschafter Jenö Staehelin, er sei «kein Fan einer Kandidatur für den Sicherheitsrat«. Nicht wegen der Neutralität, die sei kein Problem, da die Schweiz als neutraler Staat gewählt würde. Sondern: «Die Skepsis gründet in meiner persönlichen Erfahrung mit Druckversuchen.»

Man müsse sich bewusst sein, dass der Einsitz im Sicherheitsrat mit Ansprüchen und Forderungen der Grossmächte in Konflikt geraten könne, so Staehelin. Man könne im Sicherheitsrat schon mehr bewegen denn als normales UNO-Mitglied. «Doch es ist naiv, darauf zu vertrauen, dass man in diesen zwei Jahren in keine heikle Lage kommt.»

Auch wir nehmen die Debatte auf und publizieren einen Standpunkt von Angela Müller, Vize-Präsidentin der Gesellschaft Schweiz-UNO GSUN. Sie findet, die Schweiz sei nicht » too small to succeed». Die Kandidatur biete die Gelegenheit für die Schweiz, zu zeigen, dass es ihr mit der Verfolgung eines inklusiven und transparenten Ansatzes ernst sei.

Mann
© Keystone / Jean-christophe Bott

Bleiben wir gerade beim Thema. Der Vorsitzende der UNO-Untersuchungskommission zu Syrien heisst Paulo Sérgio Pinheiro. Der Brasilianer ist seit 25 Jahren für die UNO tätig. Doch in seinem Heimatland Brasilien steht er auf einer schwarzen Liste von Regierungskritikern.

Im Interview mit swissinfo.ch berichtet Pinheiro über die Herausforderungen in der UNO während der letzten 25 Jahre, den Multilateralismus und Verstösse gegen Menschenrechte. Und darüber, dass er in Brasilien als politischer Dissident gebrandmarkt wurde.

75 Jahre nach Gründung der UNO gebe es mehr zu feiern als zu bedauern, so Pinheiro. «Stellen wir uns vor, die Vereinten Nationen würden nicht existieren. Internationale Konflikte wären viel schlimmer, humanitäre Krisen würden nicht angegangen, und es gäbe noch weniger Garantien für wirtschaftliche und soziale Rechte.»

Angesprochen auf die Covid-19-Krise sagte Pinheiro: «Die Pandemie hat weltweit die Ungleichheit, die Einkommenskonzentration und den Rassismus noch stärker ans Licht gebracht.» Er glaube nicht, dass es nach der Pandemie automatisch mehr Solidarität gebe, aber wir müssten das anstreben. «Aber dafür müssen die Mitgliedstaaten ihre politische Unterstützung und ihren finanziellen Einsatz erhöhen, statt weiter Ressourcen zu verweigern, wie sie es jüngst bei der WHO getan haben.»

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