Heute in der Schweiz
Liebe Schweizer:innen im Ausland
Bis heute hatte ich mir das noch nie überlegt: Im Jahr 2037 könnte meine Tochter zur Rekrutierung aufgeboten werden. Denn, weil der Schweizer Armee das Personal ausgeht, erwägt der Bundesrat die Wehrpflicht auf Frauen auszuweiten.
Freundliche Grüsse
In acht Jahren könnte der Schweizer Armee das Personal ausgehen.
Auf 100’000 Armeeangehörige muss die Schweiz zählen können – effektiv sind es sogar 140’000 Personen, da erfahrungsgemäss nicht alle einem Aufgebot Folge leisten können. Diese Anzahl könnte gemäss dem Bericht «Armeeauszählung 2022» des Verteidigungsdepartements VBS schon bald nicht mehr erreicht werden.
In einem Zwischenbericht erwägt der Bundesrat, die Wehrpflicht auf Frauen auszuweiten. Neben dieser Ausweitung auf Frauen denkt der Bundesrat auch über eine Zusammenlegung des Zivildienstes und des Zivilschutzes nach. Die Frauen könnten in Zukunft also den bis 2030 erwarteten Rückgang der Truppenstärke in der Schweizer Armee ausgleichen.
Schon heute ist die Zahl der eingeteilten Frauen gegenüber dem Vorjahr um 278 auf 1’778 gestiegen (+18.5%). Damit beträgt der Frauenanteil in der Armee 1.4%. Die Anstrengungen der Armee und der Kantone bei der Gewinnung von Frauen zeigen somit Wirkung und dürften in den nächsten Jahren zu einem weiteren Anstieg führen.
- HierExterner Link geht es zur Mitteilung des VBS.
- Was unsere Leser:innen von einer Wehrpflicht für alle halten – der Beitrag meiner Kolleg:innen Julie Hunt und Geraldine Wong Sak Hoi.
- Wir beantworten Ihre Fragen zur Schweizer Armee – Daniel Reist, Medienverantwortlicher der Schweizer Armee, stand uns Red und Antwort.
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Bei wichtigen Abstimmungen in der UNO unterstützen arabische und afrikanische Länder China.
Die UNO veröffentlichte im August den langerwarteten China-Bericht. Darin steht, Chinas «willkürliche und diskriminierende Inhaftierung» von Uigur:innen und anderen Muslim:innen in der westchinesischen Region könnten Verbrechen gegen die Menschlichkeit sein. Still blieben die muslimischen Länder in Asien und Afrika.
Fast einen Monat später gaben 70 Länder unter der Führung Pakistans im Rat eine gemeinsame Erklärung ab, sich nicht mehr in die inneren Angelegenheiten Chinas einzumischen. Letzte Woche scheiterte eine Resolution, die Anfang nächstes Jahr eine Debatte zum Bericht gefordert hat. Alle afrikanischen Länder bis auf drei stimmten dagegen. Benin und Gambia enthielten sich der Stimme. Nur Somalia stimmte mit Ja. Vor diesem Ergebnis leistete China hinter den Kulissen intensive Lobbyarbeit.
Die Gründe für die Unterstützung Chinas gehen weiter als Stabilitätssicherung, indem man sich auf die Seite eines autoritären Regimes stellt. Sie sind auch eine Folge von Chinas Einsatz von «Soft Power», wirtschaftlicher und anderer Natur, im globalen Süden. Viele Länder sind inzwischen finanziell von der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt abhängig.
- Es geht dabei nicht nur um die Parteinahme für ein autoritäres Regime – lesen Sie den Artikel meines Kollegen Abdelhafidh Abdeleli.
- Die Beziehungen zu China sind den Arabern wichtiger als die UigurenExterner Link – ein Artikel zum Thema aus der NZZ von 2020 (Paywall).
- Und der Stern schreibt: Geld ohne Einmischung sowie Investment ohne Demokratie-ReformenExterner Link.
Die traditionelle Armbanduhr ist immer noch hoch im Kurs.
Es ist gar nicht mal so lange her, als sich die Uhrenindustrie fragte, ob die Jugend mit dem Konzept der klassischen Armbanduhr noch etwas anfangen kann oder ob ihr mit der «Generation Handy» die Kundschaft allmählich abhandenkommt. Man befürchtete, dass wer von jung an gewohnt ist, die Zeit auf dem Mobiltelefon abzulesen vielleicht gar keinen Bedarf für eine Uhr mehr hat.
Glaubt man einer neuen Studie des Beratungsunternehmen Deloitte sei die Angst unbegründet gewesen. In Deloittes Umfrage unter 5600 Konsumenten aus 11 für die Uhrenindustrie relevanten Ländern ergab, dass der Wunsch, eine Uhr zu besitzen, vor allem bei jüngeren Konsument:innen in den vergangenen Jahren zugenommen hat. An vorderster Front sind dabei China und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Das gestiegene Interesse der jüngeren Generationen sei eine gute Nachricht für die Uhrenindustrie, schreibt die NZZ. Es bedeutet, dass Uhren nicht aus der Mode sind. Das zeigen auch Daten des Uhrenportals Chrono24. 42% aller Kaufanfragen stammen dort von Personen, die zwischen 18 und 34 Jahre alt sind. Die hohe Nachfrage hat allerdings nicht nur mit einer neu erwachten Liebe für Mechanik und Handwerk zu tun. Viele wenden sich Luxusuhren zu, weil sie mit diesen Geld verdienen wollen.
- Hier der Artikel der NZZ – Die traditionelle Armbanduhr ist auch bei der «Generation Handy» hoch im KursExterner Link.
- Acht Dinge, die Sie über die Schweizer Uhrenindustrie wissen müssen – ein Artikel aus unserem Archiv von meinem Kollegen Samuel Jaberg.
- Und unser Fokus zum Thema: Überleben Schweizer Uhrmacher ein weiteres turbulentes Jahrhundert?
Umsetzung des Burkaverbots: Bundesrat will ein eigenes Gesetz.
In der Schweiz wird es in Zukunft verboten sein, in der Öffentlichkeit das Gesicht zu verhüllen. Der Bundesrat will dies mit einem neuen Gesetz regeln. Darüber kann nun das Parlament entscheiden, die Landesregierung stellte ihm gestern die Botschaft zu. Der Bundesrat hat seine Vorlage nach der Vernehmlassung in wesentlichen Punkten angepasst. Unter anderem sieht er nun statt der ursprünglich geplanten neuen Bestimmung im Strafgesetzbuch ein eigenes Gesetz vor, nämlich das Bundesgesetz über das Verbot der Verhüllung des Gesichts (BVVG), wie er mitteilte.
Stark gesenkt hat er auch die Busse für Personen, die an öffentlich zugänglichen Orten ihr Gesicht bedecken. Diese müssen mit einer Busse von höchstens 1000 Franken rechnen. Der Bundesrat reagierte in diesem Punkt auf Kritik in der Vernehmlassung. Er hatte zunächst eine Busse von bis zu 10’000 Franken vorgeschlagen.
Das Gesetz sieht aber Ausnahmen vor: Das Gesicht darf zum Beispiel in Kirchen und anderen Sakralstätten bedeckt werden. Unter anderem auch aus Gründen der Gesundheit, der klimatischen Bedingungen und des einheimischen Brauchtums. Auch für den Schutz der Meinungs- und Versammlungsfreiheit – etwa auf Kundgebungen – bleibt die Gesichtsverhüllung erlaubt.
- Die Berichterstattung dazu im gestrigen Tages-Anzeiger: Verhüllt demonstrieren? Nur noch mit Sonderbewilligung (Paywall)Externer Link.
- Im März 2021 wurde über das landesweite Burka-Verbot in der Öffentlichkeit abgestimmt. Hier unsere Berichterstattung dazu.
- Warum die Burka-Debatte so polarisiert hat – ein Bericht aus unserem Archiv.
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