Heute in der Schweiz
Liebe Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer
Im Gegensatz zur Schweiz steht es in anderen Ländern schlecht um die Pressefreiheit. Das zeigt unsere Geschichte eines Schweizer Fotografen, der in Hongkong in einen juristischen Albtraum geriet.
Herzliche Grüsse aus Bern
Gefangen in den Mühlen der Justiz: Der juristische Albtraum eines Schweizer Fotografen in Hongkong.
Er war zur falschen Zeit am falschen Ort. So beschreibt der Schweizer Fotograf Marc Progin rückblickend die Situation, die für ihn schwerwiegende Folgen hatte.
Progin lebt seit fast 50 Jahren in Hongkong. 2019 flammte in der Metropole der Protest gegen Peking auf. Progin war im Oktober 2019 an einer Demonstration anwesend, um als Fotograf Bilder zu machen. Er ist an vordester Front dabei, als eine vermummte Person auf einen chinesischen Bankangestellten einprügelt. Die Bilder, auf denen Progin zu sehen ist, gehen um die Welt.
Ein paar Monate später wird der Fotograf festgenommen und wegen «Beihilfe zur Störung der öffentlichen Ordnung» angezeigt. Was folgt ist ein «juristische Schikane», wie es die Organisation Reporter ohne Grenzen festhält. Schliesslich ist Progin mit zwei Freisprüchen davongekommen – und einer Rechnung für Prozesskosten in der Höhe von 55’000 Franken.
- Lesen Sie hier die Geschichte meiner Kollegin Pauline Turuban über den erschreckenden Fall.
- Die chinesischen Behörden drängen ausländische Journalist:innen aus dem Land. Viele sind nach Taiwan ausgewichen, unser Demokratie-Korrespondent Bruno Kaufmann hat vor Ort einen Augenschein genommen.
- Auch in China haben die Bürger:innen die Möglichkeit, sich demokratisch einzubringen, wie Sie hier im Artikel meines Kollegen Benjamin von Wyl lesen können.
Weltweit einzigartig: Mitglied aus Lukaschenkos Todeskommando in der Ostschweiz vor Gericht.
Vor ein paar Wochen hat mein Kollege Christian Raaflaub an dieser Stelle den einzigartigen Prozess angekündigt, der heute in der Ostschweiz begonnen hat: Juri Garawski, ein Scherge des belarussischen Diktators Lukaschenko, steht vor Gericht.
Am Prozess in der Schweiz werden die möglichen Kriegsverbrechen in Belarus zum ersten Mal im Ausland beurteilt. Der angeklagte Mann hatte öffentlich gemacht, dass er am Mord an drei oppositionellen Politikern in Weissrussland beteiligt war. Danach beantragte er Asyl in der Schweiz, wo er von Nichtregierungsorganisationen aufgespürt und angezeigt wurde.
Diktaturen weltweit lassen unliebsame Personen aus dem Weg räumen, vor Gericht heisst dieser Tatbestand Verschwindenlassen. Er ist weltweit noch kaum je angewandt worden, sagt ein Experte zu SRF. Doch da er nach dem Weltrechtsprinzip verhandelt wird, schaut die Welt jetzt nach St. Gallen, wo der Prozess stattfindet.
- Lesen Sie hier im Artikel von SRFExterner Link, warum dieser Fall so aussergewöhnlich ist.
- Bei 20 Minuten können Sie im Prozessticker nachlesenExterner Link, was der Garawski über seine Beteiligung an den Gräueltaten zu sagen hat.
- Im Gerichtssaal wird auch eine prominente Beobachterin anwesend sein – Artikel von CH Media via WatsonExterner Link.
Sexuelle Missbräuche in der katholischen Kirche: Gründliche Aufklärung wird gefordert, doch wer ist dafür zuständig?
Letzte Woche habe ich an dieser Stelle über die sexuellen Missbräuche in der katholischen Kirche in der Schweiz berichtet. Eine neue Studie hat schockierende Zahlen offengelegt: Seit den 1950er-Jahren konnten über 1000 Missbrauchsfälle nachgewiesen werden.
Nun hat sich der Bundesrat gemeldet – in einer Antwort auf eine im Nationalrat eingereichte Frage. Die Landesregierung erwartet, dass die katholische Kirche die Missbrauchsfälle gründlich aufarbeitet. Gleichzeitig machte sie auch klar, dass sie nicht für die Probleme der katholischen Kirche zuständig sei.
Wenn in der säkulären Welt ein Skandal aufgedeckt wird, überlässt man die Aufarbeitung normalerweise nicht dem betroffenen Unternehmen. Der Genfer SP-Ständerat Carlo Sommaruga fordert, dass der Bundesrat eine umfassende Untersuchung in Auftrag gibt.
- Der Skandal in der katholischen Kirche hat noch weitere politische Fragen ausgelöst, wie Sie hier im Artikel des Tages-AnzeigersExterner Link (Paywall) lesen können.
- Auch der Blick hat über die Antwort des Bundesrats berichtet.Externer Link
- Dieser Artikel des Blick bietet einen ÜberblickExterner Link über die aktuelle Thematik der Missbräuche.
Mehr
Naturdenkmal abgesägt: Jahrhundertealte Tanne im Emmental illegal gefällt.
Baumriesen gibt es nicht nur in den USA, auch in der Schweiz wachsen mächtige Tannen. Zum Beispiel im Emmental. Ob Langnau stehen im Dürsrütiwald grosse Weisstannen, von denen 1912 zehn besonders beeindruckende Exemplare schriftlich festgehalten wurden.
Nun ist die letzte von diesen Tannen gefällt worden. Illegal, denn sie galt als Naturdenkmal und hätte auf keinen Fall mit einer Motorsäge traktiert werden dürfen. Dennoch liegt sie jetzt präzise abgesägt im Emmentaler Wald und präsentiert ihre Jahrringe. 320 sind es.
Wer diesen Frevel begangen hat, ist unbekannt, die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Klar ist: Eine solche Tanne fällt man nicht auf der Suche nach Brennholz oder als Lausbubenstreich. Sie ist nach allen Regeln der Holzfällerkunst gefällt worden.
- Wer hat die Dürisrüti-Tanne gefällt? Lesen Sie hier den Artikel in der Berner Zeitung (Paywall)Externer Link.
- Auf dieser Seite aus dem Archiv der ETHExterner Link erfahren Sie mehr über den Dürisrütiwald.
- Imposanz im Aargau: Die Wurzeln der Linner Linde reichen zurück bis ins tiefe Mittelalter – Bericht von SRFExterner Link.
Zum Schluss noch eine Einladung: Haben Sie Lust, unseren Journalist:innen bei der Arbeit über die Schulter zu schauen?
Unser Team von SWI swissinfo.ch, das für und über die Fünfte Schweiz berichtet, lädt Sie herzlich ein, am kommenden Donnerstag, 21. September 2023, um 14 Uhr (Schweizer Zeit) an der Redaktionssitzung mitzudiskutieren! Sind Sie interessiert? Melden Sie sich per Mail an swissabroad@swissinfo.ch und erhalten Sie den Link zum Meeting!
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- Wir haben im Vorfeld zu den National- und Ständeratswahlen die grossen Parteien für sie gecheckt.
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