Heute in der Schweiz
Es ist nicht zu fassen: Eine Bergstation in den Bündner Bergen weigert sich, Wintersportausrüstung wie Schlitten, Skis und Boards an jüdische Gäste zu vermieten. Jetzt ermittelt die Polizei. Es ist nicht die erste antisemitische Eskalation in der Region.
Nach dem WEF vom Januar macht Davos erneut Schlagzeilen.
Doch diesmal nicht als weltoffene Destination für das Jahrestreffen der Mächtigen dieser Welt. Sondern als Urheberin eines aboluten No-gos: Die Bergbahn im Pischagebiet weigert sich, jüdischen Gästen Wintersportgeräte zu vermieten.
«Aufgrund verschiedener sehr ärgerlicher Vorfälle, darunter der Diebstahl eines Schlittens, vermieten wir keine Sportgeräte mehr an unsere jüdischen Brüder. Dies betrifft alle Sportgeräte wie Schlitten, Airboards, Skis und Schneeschuhe», hiess es in einem Anschlag bei der Bergbahn.
Der jüdische Zürcher Politiker Jehuda Spielman hat den skandalösen Ausschluss am Sonntag auf X (vormals Twitter) publik gemacht. Das Mitglied der Israelitischen Religionsgesellschaft Zürich ist als begeisterter Wanderer und Naturliebhaber selber oft in den Bündner Bergen unterwegs.
Der Schweizerisch Israelitische Gemeindebund hat rechtliche Schritte angekündigt. Am Montag hat die Bündner Polizei eine Ermittlung wegen Verdachts auf Diskriminierung und Aufruf zu Hass angekündigt.
- Bergrestaurant in Davos: Sie vermieten nicht an JudenExterner Link – Tages-Anzeiger (Paywall).
- TweetExterner Link von Jehuda Spielman.
- Immer wieder Bündnerland: Duschzwang für Orthodoxe, keine Schlitten für Juden – und keine Lösung in SichtExterner Link – Blick.
Die Schweiz könne zur Türöffnerin für indische Produkte in ganz Europa werden.
So lautet die Einschätzung des amerikanischen Geostrategie-Spezialisten Parag Khanna zum Freihandelsabkommen, das die Schweiz Ende Januar mit Indien auf die Zielgeraden brachte.
Khanna kennt die viertgrösste Volkswirtschaft der Welt bestens, stammt er doch selbst aus dem Land mit der grössten Bevölkerung der Welt, nämlich 1,4 Milliarden Menschen.
Die Einigung, die der Schweizer Wirtschaftsminister nach dem WEF erreicht hat, wertet Khanna als grossen Erfolg der Schweizer Aussenwirtschaftspolitik. Dies, weil sie gegenüber den ebenfalls sehr bemühten EU und Grossbritannien die Nase vorn habe.
Weiterer Effekt eines intensiveren Transfers von Gütern und Technologie-Knowhow: verstärkte persönliche oder gar familiäre Bande. Und dies wiederum kann laut Khanna zu einem tieferen Vertrauensverhältnis der beiden Länder führen.
- Freihandelsabkommen mit Indien: «Die Schweiz hat einen hervorragenden Job gemacht” – mein Interview mit dem amerikanisch-indischen Globalisierungsexperten Parag Khanna.
- «Singapur und die Schweiz sind Vorbilder für die Zukunft» – SWI-Gespräch mit Khanna von 2018.
- Langeweile – das Salz in der Suppe für gute Politik – Parag Khanna 2018 im Gespräch mit SWI-Demokratiekorrespondent Bruno Kaufmann.
Was genau tun die aktuell noch fünf Schweizer Militärs der Friedensmission im Niemandsland zwischen Nord- und Südkorea?
Einst zählte die Schweizer Friedensmission in Panmunjom knapp 100 Angehörige der Schweizer Armee.
Seit der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un den Ton gegenüber Südkorea massiv verschärft hat, ist die Mission der Schweizer Delegation in dieser Pufferzone komplizierter geworden. Die Schweiz ist Teil der sogenannten Neutral Nations Supervisory Commission (NNSC).
«Das Risiko steigt, dass sich eine Seite nicht nur provoziert, sondern direkt angegriffen fühlt», sagt Divisionär Ivo Burgener. «Die Folge könnte ein ungewollter Zwischenfall sein.»
Aber macht eine Friedensförderung überhaupt Sinn, wenn die eine Konfliktpartei das gar nicht wolle, fragt die NZZ in ihrem Report aus dem Grenzgebiet. Einzig ein Friedensabkommen könne eine solche beenden, lautet die lakonische Antwort Burgeners.
Es könnte also sein, dass Schweizer Armeeangehörige dort noch für viele Jahre im Einsatz stehen. Denn faktisch befinden sich die verfeindeten Nachbarn noch immer im Kriegszustand.
- Seit sieben Jahrzehnten auf Friedensmission: Warum Schweizer Offiziere an Koreas Todesstreifen ausharrenExterner Link – Neue Zürcher Zeitung (Paywall).
- Nord- und Südkorea einigen sich auf Gespräche in kommender Woche – Agenturbericht von 2018.
- 60 Jahre Schweizer Präsenz zwischen den beiden Korea – SWI-Bericht von 2013.
- Ein Besuch in Nordkorea – Reportage aus dem SWI-Archiv von 2011.
Die Schweiz ist gross genug für 16 Mio. Menschen.
Eine Forscherin der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) hat ein Konzept für gut eineinhalb Mal so viele Einwohner:innen entwickelt, wie die Schweiz aktuell zählt.
Die rechtskonservative Schweizerische Volkspartei (SVP) dagegen will die Bevölkerung auf zehn Millionen Menschen begrenzen. Für ihre Volksinitiative mit diesem Ziel hat die Partei gemäss eigenen Angaben mehr als die geforderten 100’000 Unterschriften beisammen.
Avenir Suisse, die Denkfabrik der Schweizer Wirtschaft, bezweifelt, dass die Schweiz je zehn Millionen Einwohner:innen zählen wird. Falls doch, könne das kleine Land dankbar sein, dass es wirtschaftlich so attraktiv sei.
Gemäss dem Konzept «10-Minuten-Nachbarschaft» der Architektin und Raumplanungsforscherin Sibylle Wälty könnten gar 16 Mio. Menschen im Land leben.
Dabei geht sie in Städten von einer Dichte von 15’000 Menschen innerhalb eines Radius von 500 Metern aus. In Genf leben in einem solchen Perimeter bereits 30’000 Personen. Dort ist die Zukunft, wie sie die SVP bekämpft, bereits Realität.
- Lebensraum und Zuwanderung: In der Schweiz könnten 16 Millionen Menschen Platz habenExterner Link – SRF News.
- Die Bevölkerung der Schweiz wächst – aber wie lange noch? – SWI-Hintergrund von 2023.
- Einwanderungsland Schweiz – Analyse des SWI-Datenjournalisten von 2017.
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