Heute in der Schweiz
Liebe Auslandschweizer:innen
Am heutigen Weltfrauentag demonstrieren Frauen weltweit für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung. In einigen Ländern wie etwa in Vietnam oder Georgien gilt der Tag gar als gesetzlicher Feiertag. In Ihrem Wohnland auch?
Herzliche Grüsse aus Bern
Quelle surprise: Frauen verdienen bei gleicher Arbeit immer noch weniger als Männer.
Seit bald vier Jahren müssen gemäss dem Gleichstellungsgesetz Unternehmen mit mehr als hundert Mitarbeiter:innen eine Lohnanalyse erstellen und extern prüfen lassen. Jedoch sind die Unternehmen gegenüber den Behörden keine Rechenschaft schuldig, das Gesetz sieht keine Strafe vor, wenn keine Analysen durchgeführt werden.
Um Arbeitgeber:innen «positiv zu bestärken», sich an das Gleichstellungsgesetz zu halten, rief der Gewerkschaftsdachverband Travailsuisse eine Liste ins Leben. Dort drauf kommen nur Unternehmen, welche die Lohnanalyse nachweislich durchgeführt und mitgeteilt haben.
Heute hat Travailsuisse die Auswertung der gesammelten Daten veröffentlicht: Bei den 200 Unternehmen auf der Liste verdienen Männer mit gleichen Voraussetzungen im Schnitt 2,9% mehr als Frauen, in jedem zwanzigsten Unternehmen besteht ein Lohnunterschied von mehr al 7,5% zwischen den Geschlechtern.
Da es sich bei diesen Zahlen allerdings um Unternehmen handelt, die sich ohnehin um Lohngleichheit bemühen, können diese Zahlen nicht auf die ganze Schweiz übertragen werden. Beispielsweise kam das Bundesamt für Statistik für das Jahr 2020 zu einem deutlich höheren unerklärbaren Lohnunterschied.
- Der Tages-Anzeiger hat die Zahlen von Travailsuisse zum Lohnunterschied zwischen den GeschlechternExterner Link genauer angeschaut.
- Wenn Sie gerne in Büchern versinken, lege ich Ihnen folgenden Artikel der NZZ ans Herz: Die Redaktion empfiehlt zum Weltfrauentag zehn Bücher, die «aufrütteln, berühren und Frauen stärken».Externer Link
- Das globale Thema des Internationalen Frauentags 2024 lautet «Inspire Inclusion». Wie steht es aber um die Inklusion der Frauen in der nationalen und internationalen Politik? Im Nationalrat beträgt der Frauenanteil aktuell 38,5%, im Ständerat 35%. Watson hat einen Blick auf die Frauen in der Politik geworfenExterner Link.
- Laut einer SRG-Umfrage findet über die Hälfte der Männer, die Gleichbehandlung in der Schweiz sei erreicht. Was ist Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit auf unserer mehrsprachigen Debattenplattform «dialog».
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Die neuen Verhandlungen zwischen der Schweiz und der EU sollen noch im März starten.
Der Bundesrat will mit Brüssel über die künftigen Beziehungen der Schweiz mit der EU verhandeln und hat heute das definitive Verhandlungsmandat dazu verabschiedet. Die Verhandlungen starten voraussichtlich diesen Monat. Gesamtleitung für die Verhandlungen auf Schweizer Seite hat Chefunterhändler Patric Franzen – er ist stellvertretender EDA-Staatssekretär.
Im Zentrum der Verhandlungen dürfte erneut die Frage des Lohnschutzes stehen. Der Bundesrat will Lohn- und Arbeitsbedingungen garantieren. Für die Spesenregelung strebt er eine Lösung an, die Rechtsgleichheit gewährleistet, aber auch das Schweizer Preisniveau berücksichtigt.
Bei Streitigkeiten soll es laut Aussenminister Ignazio Cassis «Rechtssicherheit anstelle von Willkür» geben. Das bedeutet, zuerst solle nach einer politischen Lösung gesucht werden, im Anschluss würde ein paritätisch zusammengesetztes Schiedsgericht befinden. Die Auslegung und Anwendung des Schweizer, beziehungsweise EU-Rechts bleibe weiterhin in der Eigenständigkeit des jeweiligen Staats und dessen Gerichten.
Um zu verhindern, dass EU-Bürger:innen nur in die Schweiz kommen, um von Sozialversicherungen zu profitieren, hat der Bundesrat die entsprechende Formulierung zum Aufenthaltsrecht präzisiert.
Verhandlungsmandate werden in der Regel nicht veröffentlicht. Der Bundesrat habe sich laut Cassis zu diesem Schritt entschieden, damit «jeder Otto-Normalbürger» im Internet genau lesen könne, was die Schweiz anstrebe. Auch die EU werde ihr Verhandlungsmandat veröffentlichen.
- Hier finden Sie den Beitrag zu den neuen Verhandlungen mit Brüssel von SRF: So will der Bundesrat das Verhältnis zur EU rettenExterner Link.
- Wer ist Chefunterhändler Patric Franzen? CH-MediaExterner Link und der Tages-AnzeigerExterner Link schauen näher hin (Paywall).
Ändert Indien seine Haltung zu Pharmapatenten?
16 Jahre nach Beginn der Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen Indien und den Mitgliedern der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) – Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein – scheint es einen Durchbruch in den Gesprächen zu geben. Zentraler Aspekt ist dabei der Schutz des geistigen Eigentums, denn die Schweiz und Indien haben unterschiedliche Ansichten, was und wie lange Erfindungen vor dem Wettbewerb geschützt werden können.
Für die Schweizer Pharmaindustrie ist klar: Ein stärkerer Patentschutz sei erforderlich, damit die Einnahmen nicht durch Nachahmerprodukte indischer Arzneimittelhersteller geschmälert werden. Genügend Einnahmen wiederum seien wichtig, um beispielsweise die Kosten für die Entwicklung von Medikamenten auszugleichen.
Indien ist der grösste Generikahersteller der Welt und liefert 20% der weltweiten Generikaprodukte. Das Land wehrt sich schon lange gegen eine Verstärkung des Patentschutzes für neue Medikamente. Wenn Generika erst später auf den Markt gebracht werden könnten, würde dies den Zugang zu erschwinglichen Medikamenten nicht nur in Indien, sondern auch in anderen Entwicklungsländern gefährden, sagt K.M. Gopakumar, Rechtsberater des Third World Network in Neu Delhi gegenüber SWI swissinfo.ch.
Nun gibt es Anzeichen für Änderungen in Indien. Laut Philippe Reich, Präsident der Schweizerisch-Indischen Handelskammer, will das Land in der Wertschöpfungskette für Arzneimittel aufsteigen. «Die Generika-Industrie bleibt wichtig, aber Indien will auch ein eigenes Innovations-Ökosystem aufbauen», sagt Reich. Dazu gehört der Schutz indischer Startups, die teilweise auf Patentschutz drängen.
- Lesen Sie den aufschlussreichen Artikel meiner Kollegin Jessica Davis Plüss «Schweizer Handelsabkommen – Ändert Indien seine Haltung zu Pharmapatenten?» auf SWI swissinfo.ch.
- Der Tages-Anzeiger hat im Januar analysiert, welche Branchen sich am meisten über ein Abkommen mit Indien freuenExterner Link.
- Die Schweiz ist mit zwei der weltgrössten Pharmakonzernen (Roche und Novartis) sowie hunderten kleinerer Biotechfirmen ein unangefochtener Pharmastandort. Wie kann es sein, dass ein Land, das die Welt mit so vielen Medikamenten versorgt, selbst unter Medikamentenmangel leiden kann? Antworten finden Sie in diesem Artikel auf SWI swissinfo.ch.
Ein Schweizer Arzt hat die Entwicklung des künstlichen Hüftgelenks massgeblich mitgeprägt.
Das künstliche Hüftgelenk, heute ein Routineeingriff, geht unter anderem auf einen Schweizer zurück. Ende 1960 klopfte der Orthopäde Maurice E. Müller bei der Firma Mathys an und fragte, ob sie mit ihm künstliche Hüftgelenke entwickeln würde.
Bereits im darauffolgenden Februar setzte Müller einer Patientin die erste selbst entworfene Endoprothese aus rostfreiem Stahl und einer Kunststoffpfanne ein – das erste Kunstgelenk dieser Art, das auf dem europäischen Festland einer Patientin implantiert wurde.
Laut Hubert Steinke, Professor für Medizingeschichte an der Universität Bern und Leiter Medizinsammlung des Inselspitals, habe Müller über «trial and error», über Ausprobieren und Verwerfen, einen «weltweiten Standard mit vielen Varianten» entwickelt.
Um seine Kunstgelenke zu vermarkten, gründete Müller in den 60er-Jahren eine eigene Vertriebsfirma. «Zwischen 1960 und 1990 war die Entwicklung der Hüftprothese primär von den Ärzten geleitet», sagt Steinke gegenüber SRF. Allerdings verloren die Ärzt:innen an Einfluss, als ab den späten 80er-Jahren Hüft-Operationen und dementsprechend die Produktion von Hüftprothesen exponentiell zunahmen. Von da an wurde das Geschäft zunehmend von grossen Konzernen dominiert.
Und Maurice E. Müller? Er verkaufte seine Vertriebsfirma und stiftete mit seinem Gewinn in Bern das Zentrum Paul Klee und ein Kindermuseum.
- Lesen Sie die ganze Geschichte inklusiv Buchtipp auf SRFExterner Link.
- Laut der Schweizer Forscherin Cornelia Palivan werde die Nanotechnologie die Zukunft der personalisierten Medizin zur Behandlung von Krankheiten wie Krebs sein. Wie weit kann diese Technologie gehen? Lesen Sie den Artikel meiner Kollegin Sara Ibrahim auf SWI swissinfo.ch.
- Mit Hightech soll gegen die Kostenspirale bei Medikamenten vorgegangen werden. Meine Kollegin Jessica Davis Plüss ist dem nachgegangen.
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