Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Im Mittelpunkt des heutigen Briefings steht die Konjunktur. Die Wachstumsprognosen der Konjunkturforschungsstelle KOF für die Schweiz werden von den Unsicherheiten der Trump-Administration überschattet.
Weiter geht es mit einem neuen Dokumentarfilm über die untergegangene Grossbank Credit Suisse, das zunehmende Verschwinden des Bargelds und eine Volksinitiative zur Eindämmung des Lobbyings im Parlament.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.
Der Lobbyismus im Bundeshaus steht im Visier einer Volksinitiative. Der Text mit dem Titel «Für eine volksorientierte Politik (No Lobbying)» verlangt unter anderem, dass Parlamentarierinnen und Parlamentarier nicht mehr in Debatten eingreifen dürfen, in denen sie Interessenbindungen haben.
Die gestern im Bundesblatt publizierte Initiative wurde von einem Dutzend Luzernerinnen und Luzernern lanciert, die bis zum 25. September die nötigen 100’000 Unterschriften sammeln müssen, um das Volksbegehren an die Urne zu bringen.
Die Vorlage will Artikel 161 der Bundesverfassung dahingehend ändern, dass Parlamentarierinnen und Parlamentarier «nicht in Kommissionen Einsitz nehmen, deren Zuständigkeitsbereich einen Zusammenhang mit den betreffenden Interessen hat». Zudem sollen sie in den Ausstand treten, wenn die Debatte solche Themen berührt.
Art und Umfang von Interessenbindungen sowie Honorare oder andere monetäre Vorteile sollen in einem Register deklariert werden.
Die von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) veröffentlichte Prognose für die Schweizer Wirtschaft bestätigt ein Wachstum von 1,4% im Jahr 2025 und revidiert die Prognose für 2026 nach oben: 1,9% statt der vor drei Monaten prognostizierten 1,7%.
Die Korrektur nach oben ist auf die geplanten Konjunkturpakete der EU-Länder zurückzuführen, welche die Bedingungen in wichtigen Märkten für «Made in Switzerland» verbessern werden.
Im Inland wird der private Konsum durch die Stabilisierung des Arbeitsmarkts gestützt: Die Beschäftigung dürfte in den kommenden Jahren im Einklang mit dem BIP-Wachstum zunehmen.
Hinter den Berechnungen der KOF steht allerdings ein grosses Fragezeichen: Das Wachstum werde unter der Voraussetzung stattfinden, dass die Handelskonflikte nicht weiter eskalieren, so die Forschungsstelle. Sie spricht von einer «ungewöhnlich hohen» Unsicherheit aufgrund der geopolitischen Strategie der US-Regierung.
Der Dokumentarfilm «Game Over – der Fall der Credit Suisse» nimmt heute in der Zeitung Le Temps breiten Raum ein. In einem Interview sagt Regisseur Simon Helbling, er sei unter Druck gesetzt worden, den Film über die Geschichte der Bank nicht zu drehen.
Dieser Druck sei «deutlich, manchmal sehr direkt» ausgedrückt worden, sagt der 39-Jährige. «Aber ich fühlte mich viel mehr unter Druck wegen der Verantwortung, die ein solcher Film mit sich bringt: Es ist wichtig für die Schweiz, über das Geschehene zu sprechen.»
Der Dokumentarfilm, der ab morgen in verschiedenen Kinos zu sehen ist, zeichnet die Geschichte der Credit Suisse nach, vom Skandal um die Filiale in Chiasso 1997 über den Beginn der Expansion in den USA bis zur Übernahme durch die Konkurrentin UBS vor zwei Jahren.
In den USA «hat die Bank in zwanzig Jahren so viel Geld verloren, dass dies mit ein Grund für ihr Verschwinden war», sagt Arthur Rutishauser, Chefredaktor der Sonntagszeitung und Enthüllungsjournalist, der das Skript für den Film geschrieben hat, im Interview.
Debitkarten waren 2024 in der Schweiz das meistgenutzte Zahlungsmittel im Alltag und haben erstmals das Bargeld überholt. Das zeigt eine Erhebung der Schweizerischen Nationalbank SNB.
Gemessen an der Anzahl Transaktionen wurden im vergangenen Jahr 35% der Zahlungen mit Debitkarten getätigt, 30% mit Bargeld, 18% mit Smartphone-Apps und 14% mit Kreditkarten. Zum Vergleich: 2017 lag der Bargeldanteil noch bei 70%. Die von der SNB Befragten betonen, dass sie häufig mehrere Zahlungsmittel verwenden und im Durchschnitt drei davon regelmässig im Alltag einsetzen.
Menschen über 55 Jahre und solche mit tiefem Einkommen verwenden am häufigsten Bargeld. Wer Bargeld verwendet, schätzt vor allem, dass die eigenen Ausgaben gut kontrolliert werden können und beim Bezahlen keine Daten preisgegeben werden.
Dass sich die Zeiten ändern, zeigt auch ein Ranking des Marktforschungsinstituts «NIQ Gfk»: Das Unternehmen mit der höchsten Reputation in der Schweiz ist zum zweiten Mal in Folge die Twint AG, welche die gleichnamige Bezahl-App für Smartphones betreibt (auf dem Podest folgen die Chips-Firma Zweifel und der Kräuterbonbon-Hersteller Ricola).
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