Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Acht Jahre lang wurde – mit Unterbrüchen – verhandelt. Nun hat sich die Schweiz zusammen mit den anderen EFTA-Staaten und den südamerikanischen Mercosur-Staaten auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. Die Reaktionen gehen hierzulande stark auseinander.
Weiter geht es im heutigen Briefing um die Genfer Zweigstelle der umstrittenen Gaza Humanitarian Foundation und natürlich um die Frauenfussball-EM, an der gestern die Schweizerinnen ihr erstes Spiel bestritten haben.
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Acht Jahre lang ist verhandelt worden. Nun hat die Schweiz zusammen mit den anderen EFTA-Staaten ein Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten abgeschlossen. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus.
So begrüsst etwa die Schweizer Tech-Industrie das Abkommen. Gegenüber SRF News zeigt sich Martin Hirzel, Präsident von Swissmem, zuversichtlich, dass der Handel der Tech-Industrie mit den Mercosur-Staaten aufgrund des Freihandelsabkommens verdoppelt werden könne. Skeptisch äussert man sich derweil in der Landwirtschaft, und die Grünen drohen mit dem Referendum. Letztere befürchten, dass mit dem Agrarfreihandel der Schutz des Regenwaldes sowie die Rechte der lokalen Bevölkerung geopfert werden.
Die Mercosur-Staaten gehören zu den wichtigsten Exportmärkten der Schweizer Wirtschaft ausserhalb Europas. Der Bund verweist auf eine Studie des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse, laut der das Potenzial für die Schweizer Wirtschaft in den Mercosur-Staaten so gross ist wie kaum irgendwo.
Mit dem neuen Abkommen erweitert sich das Freihandelsnetz für die Schweiz um vier Länder: Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay. Laut Aussenhandelsstrategie strebt die Schweiz eine weltweite Liberalisierung des Handels an, geregelt über die Welthandelsorganisation WTO, schreibt SRF News. Diese ist allerdings durch die USA blockiert, weswegen der Bundesrat verstärkt auf bilaterale Abkommen und eine aktive Freihandelspolitik setzt.
Wie die Eidgenössische Stiftungsaufsicht ESA mitteilt, hebt die umstrittene Gaza Humanitarian Foundation voraussichtlich ihre Zweigstelle in Genf auf.
So habe die Genfer Zweigstelle laut ESA-Leiter Nils Güggi verschiedene Pflichten nicht erfüllt: «Sie hat kein zeichnungsfähiges Stiftungsratsmitglied mehr mit Wohnsitz in der Schweiz, sie hat kein Konto in der Schweiz, keine gültige Adresse und keine Revisionsstelle.» Noch läuft eine 30-tägige Frist, während der sich allfällige Gläubiger:innen melden können.
Das Investigativ Team von RTS ging etwas weiter zurück. Gemäss Informationen des Recherche-Teams wurde ein Anwalt mit gutem Ruf in Genf von seinen internationalen Geschäftspartnern überzeugt, der Stiftung eine Adresse und Vertretung in der Schweiz zu geben. Der Name dieses Anwalts – und jene von zwei ausländischen Geschäftsleuten – ermöglichten Anfang Jahr die Eintragung der Gaza Humanitarian Foundation in das Genfer Handelsregister. Nach der Publikation eines Artikels in der Genfer Tageszeitung Le Temps trat der Anwalt jedoch zurück. Gegenüber RTS sagt er nun zu seinem Rücktritt, er habe festgestellt, dass er nicht alle Informationen über den tatsächlichen Plan rund um die Stiftung erhalten habe. Dieser Plan würde gegen seine Werte verstossen.
Zuvor hatte die Nichtregierungsorganisation Trial International zwei Anzeigen gegen die Genfer GHF eingereicht. Trial hatte kritisiert, dass eine Stiftung, der die Verletzung des humanitären Völkerrechts vorgeworfen wird, ausgerechnet auch einen Sitz in Genf hat – in jenem Ort, an dem die Genfer Konventionen deponiert sind. Zwar verschwindet der Bezug der GHF zur Schweiz, wenn der Genfer Ableger aufgelöst wird. Doch die GHF und ihre Hilfsgüterverteilung im Gaza-Streifen bleiben weltweit umstritten.
Bereits am frühen Nachmittag verliessen einige treue Fans ihre kühlen Wohnungen, streiften sich das Trikot über und pilgerten in rot-weissen Scharen für das erwartete Fussballfest Richtung St. Jakobpark in Basel.
Der Auftakt der Frauen-EM hielt (fast), was er versprach. Die Stimmung war fröhlich, das Spiel lieferte Hochs und Tiefs innert wenigen Minuten. Am Ende unterlag die Schweizer Nati Norwegen im zweiten Spiel des Eröffnungsabends mit 1:2.
Trotz der Niederlage waren sich die Schweizer Medien heute einig: Das Frauen-Nationalteam hat die Erwartungen im Startspiel übertroffen – vor allem in der ersten Halbzeit. «Wie aus einer Wundertüte eine erste Halbzeit hervorzaubern, die man nicht für möglich gehalten hat. Augen reiben, da kommt etwas ins Laufen», schreibt die NZZ und der Tages-Anzeiger doppelt nach: «Das Gefühl nach diesem 1:2, es ist nicht so schlecht. Muss es auch nicht sein. Denn dieses Nationalteam ist bereit für die EM, für ein Fussballfest. Und die Schweiz ist es auch.»
In den Zeitungen von CH Media äussern sich die Spielerinnen der Schweizer Nati zu ihrer EM-Auftaktniederlage. Torschützin Nadine Riesen ist enttäuscht, das 2:2 verpasst zu haben, wendet sich aber auch an das Publikum: «Zu sehen, wie viele Leute da waren, um uns zu unterstützen, war unbeschreiblich. So etwas kann man sich vorher gar nicht vorstellen – das muss man erlebt haben.»
Selbstfahrende Autos sind bereits in aller Munde. Nun rollen zum ersten Mal auch Autopilot-Züge durch die Schweizer Landschaft.
Konkret auf der Strecke zwischen Arth-Goldau und Biberbrugg. Diese Autopilot-Züge der Südostbahn SOB sind mit einem Fahrassistenz-System ausgerüstet. Nachdem die Lockführerin dieses gestartet hat, steuert die Technik den Zug. Anfahren, Geschwindigkeit, Reaktion auf Signale und Bremsen wird vom Assistenz-System übernommen.
Lokpersonal braucht es allerdings weiterhin während der ganzen Fahrt im Führerstand, da es sich beim Autopiloten um ein reines Assistenz-System handelt, sagt Roger Dällenbach, Gesamtleiter des Projekts bei der SOB gegenüber SRF News. «Das Lokpersonal muss die Strecke nach wie vor überwachen und bei Störungen eingreifen können.»
Eine Automatisierung ging auch bei der Laufschuhfirma On vonstatten. Diese hat ihren ersten Produktionsstandort für den Lightspray-Schuh in Zürich eröffnet. Während an einem herkömmlichen Schuh laut dem Mitgründer von On, Caspar Coppetti, normalerweise rund 300 Mitarbeitende arbeiten, wird der Schuh im neuen Produktionsstandort von einem einzigen Roboter vollautomatisch angefertigt. Drei Minuten dauert das Prozedere, dann ist der Schuh auch schon fertig.
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