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Mehr Waffenscheine in der Schweiz: Warum Private immer mehr aufrüsten

Wurfscheibenschiessen in der Aussenanlage der Schiessanlage "Selgis Shooting", am 6. April 2019 in Ried-Muotathal,
Wurfscheibenschiessen in der Aussenanlage der Schiessanlage «Selgis Shooting» (Symbolbild). Keystone / Christian Beutler

Die Zahl der Waffenerwerbsscheine ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Weshalb? Ein Streifzug durch die Schützenszene.

Hebu Duss steckt Patronen in die Revolvertrommel, rückt den Gehörschutz zurecht, zielt und drückt ab. Beim Schiessen könne er abschalten, sagt der 57-Jährige. Man müsse richtig atmen und voll fokussiert sein. «Das ist für mich wie eine Yoga-Übung.»

Duss ist Waffensammler. Von Kindsbeinen auf ist er von Schiesseisen fasziniert, besonders von Westernwaffen. Die Revolverhelden in den Comics seiner Kindheit haben es ihm angetan. «Ich verbinde Waffen nicht mit dem Töten», sagt Duss. «Mich fasziniert die Geschichte dieser Geräte. Sie gehören zur Heldenwelt des Westerns.»

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Wie die Schweiz Waffenkult und Sicherheit verbindet

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Hebu handelt nebenberuflich mit Waffen, gemeinsam mit seinem Sohn Julian. In den letzten Jahren stellen sie ein verstärktes Interesse am Schiessen fest. «In meinem Umfeld merke ich schon, dass sich mehr Leute für den Schiesssport interessieren», sagt Julian. «Und da sie wissen, dass ich mit Waffen zu tun habe, kommen sie auf mich zu – und ich zeige ihnen, wie man es korrekt macht.»

Steigende Tendenz bei Waffenerwerbsscheinen

Ein verstärktes Interesse an Waffen zeigt sich auch in den Zahlen. Wie Daten aus 21 Kantonen zeigen, wurden im letzten Jahr etwa anderthalbmal so viele Bewilligungen zum Waffenkauf (Erwerbsscheine und Sonderbewilligungen) erteilt wie noch vor zehn Jahren. Mit einem Waffenerwerbsschein darf man innerhalb eines halben Jahres bis zu drei Waffen kaufen.

Grafik zeigt die Entwicklung der Waffenbewilligungen in der Schweiz
zVg

Weniger klar ist, was die Ursachen für diesen Anstieg sind, zumal der Kauf einer Waffe nicht begründet werden muss. Oft wird dabei auf die unsichere Weltlage mit Kriegen in der Ukraine und Gaza verwiesen. Forscher gehen tatsächlich davon aus, dass ein diffuses Unsicherheitsgefühl den Entscheid zum Waffenkauf begünstigen kann. Das beobachten auch einige Schützen am Eidgenössischen Feldschiessen in Tafers. «Ich kenne Leute die sagen: Jetzt kaufe ich mir auch eine Pistole», sagt einer. Aus Unsicherheit wegen des Krieges.

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Der Anstieg der Erwerbsscheine hat aber auch andere Gründe: So hat sich in der Schweiz der Schiesssport verändert. In Shooting Ranges nach amerikanischem Vorbild kann man heute schiessen, ohne einem Schützenverein beizutreten. Es ist also ein neues Angebot entstanden. Schliesslich wird Schiessen – einst eine klare Männerdomäne – auch bei Frauen und Mädchen beliebter. Der Verband des Schweizerischen Schiesssports verzeichnet gerade bei den Jungschützinnen eine Zunahme in den letzten Jahren.

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Wenig Waffengewalt trotz hoher Waffendichte

Die Schweiz ist ein Waffenland. Wegen der Milizarmee und der Schützentradition ist die Waffendichte in privaten Händen hoch. Allerdings hatte sie wegen verschiedener Armeereformen in den letzten Jahrzehnten abgenommen. Schätzte die NGO «Small Arms Survey» 2011 noch 46 Waffen pro 100 Einwohner, waren es 2018 nur noch 27.  Somit rutschte die Schweiz in diesem Ranking von Platz 3 auf Platz 16.

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Verglichen mit anderen Ländern, insbesondere den USA, ist in der Schweiz die Waffengewalt gering, trotz hoher Waffendichte. Eine kürzlich veröffentlichte StudieExterner Link kommt zum Schluss, dass Faktoren wie das Waffengesetz, die Waffenkultur oder der hohe Wohlstand in der Schweiz diesen Unterschied erklären.

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Bei der Polizei sieht man wegen den steigenden Erwerbsscheinen denn auch wenig Grund zur Beunruhigung. Zwar sei in den letzten Jahren auch die Zahl der Beschlagnahmungen von Waffen gestiegen, sagt Milo Frey, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen. «Gemessen an allen anderen Delikten ist die Zahl der Schusswaffendelikte aber enorm klein.», so Frey. «Andere Themen, zum Beispiel die hohe Zahl Messer im Umlauf, beschäftigen uns mehr.»

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