Swiss musste wegen Vulkanasche 1’885 Flüge absagen – Millionenkosten (Zus)
Zürich/Reykjavik (awp/sda/dpa) – Während sich die Aschewolke lichtet, werden die wirtschaftlichen Auswirkungen des Vulkanausbruchs auf Island immer deutlicher. Bei der Swiss etwa fielen während der Luftraumsperre vom 15. bis 21. April insgesamt 1’885 Flüge aus.
Betroffen waren 202’184 Swiss-Passagiere, wie es an einer Medienorientierung am Freitag in Kloten hiess. Rund 400 Personen konnten noch immer nicht zurückgeflogen werden.
Der finanzielle Schaden sei schwer abzuschätzen, sagte Swiss-Chef Harry Hohmeister. Momentan gehe man bei Swiss von einem «mittelgrossen zweistelligen Miobetrag» aus. An einem Tag ohne Flugbetrieb rechne man mit fünf bis sechs Mio CHF Verlust. Genaue Zahlen gebe es noch nicht.
Für die Swiss-Verantwortlichen steht aber fest, dass sie keine Staatshilfe beantragen werden. Dafür fehle eine ausreichende betriebswirtschaftliche Begründung, sagte Hohmeister vor den Medien.
Die Fluggesellschaft begrüsse jedoch ein mögliches «Schlechtwettergeld» – sprich Kurzarbeitsentschädigungen – vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Die Swiss gehe davon aus, gleich behandelt zu werden wie andere Branchen.
Die Flughafen Zürich AG rechnet mit einem Ertragsausfall von sieben bis acht Mio CHF, wie sie mitteilte. In Zürich hätten insgesamt rund 3000 Flüge annulliert werden müssen. Der Flughafen Genf geht davon aus, dass ihm 3,8 Mio CHF entgingen.
163 ZUSÄTZLICHE ZÜGE
Das Flugverbot wegen der Vulkanasche hatte auch auf die SBB Auswirkungen. Die Kosten für die zusätzlich eingesetzten Züge und das dafür notwendige Personal belaufen sich nach Angaben der SBB auf 2,8 Mio CHF.
Allein zwischen Freitag vor einer Woche und letztem Dienstag setzte die SBB 163 Zusatzzüge ein. Die daraus resultierende Erhöhung des Angebots um täglich 11’000 Sitzplätze wird auch dieses Wochenende aufrechterhalten.
Zudem stellte die SBB den Nachbarbahnen für Einsätze im Ausland 41 Wagen zur Verfügung. Diese kamen vor allem auf der Gotthard- und der Lötschberg-/Simplonachse zum Einsatz.
Inzwischen hat sich der Luftverkehr in Europa weitgehend normalisiert. In Island hingegen hat der Vulkanausbruch nach mehr als einer Woche erstmals auch heimische Flugplätze lahmgelegt. Die Behörden mussten am Freitag alle Starts und Landungen auf dem internationalen Flugplatz Keflavik absagen.
Auch der kleine Flughafen in Reykjavik für Inlandverbindungen wurde bis auf Weiteres gesperrt. Probleme bereitet jedoch nicht die Vulkanasche, sondern die schlechte Sicht durch die Rauchwolke. Deshalb hofft man auf nur kurzfristige Auswirkungen.
ASCHE SENKT SICH
Im Schweizer Luftraum herrschte am Freitag weitgehend Normalbetrieb. Während die Flugzeuge wieder in die Luft steigen, senkt sich die Vulkanasche über das Schweizer Flachland. Seit letzten Samstag fangen die Pollenfallen von MeteoSchweiz zunehmend auch Partikel auf, die wahrscheinlich vom Vulkanausbruch auf Island stammen.
Laut der Weltgesundheitsorganisation ist die Vulkanasche für die Gesundheit der Menschen in Europa unbedenklich. Lediglich in nächster Nähe des Vulkans könne die Konzentration der Asche zu Reizungen der Atemwege führen.
mk