US/Auch Regulierer wollen schärfere Regeln für Finanzwetten
WASHINGTON (awp international) – Gegen den Willen der Wall Street formiert sich auch in den USA Widerstand gegen unkontrollierte Zockereien mit Kredit-Ausfallversicherungen. So macht sich der Chef der zuständigen Aufsichtsbehörde CFTC, Gary Gensler, für eine stärkere Regulierung stark. Das Repräsentantenhaus verabschiedete bereits im Dezember eine Vorlage zur Reform der Finanzaufsicht, in dem auch der Handel für sogenannte Credit Default Swaps (CDS) an die kürzere Leine genommen werden soll. Auch in den Senat eingebrachte Gesetzesentwürfe sehen striktere Regeln für riskante Finanzgeschäfte vor.
Bei CDS-Absicherungsgeschäften werden Ausfallrisiken von Anleihen oder Krediten – auch von Staaten – gehandelt. Sie stehen wegen der Griechenland-Krise erneut am Pranger. Der CDS-Markt soll Spekulationen gegen das hoch verschuldete Euro-Land noch verstärkt haben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte bei einem Treffen mit dem griechischen Regierungschef Giorgos Papandreou schärfere Massnahmen gefordert. Ziel ist, bestimmte Geschäfte wie Wetten auf fallende Aktienkurse oder auf Kreditausfälle und Pleiten ganzer Staaten künftig einzudämmen oder komplett zu verbieten. Im Zentrum der Kritik stehen sogenannte «ungedeckte CDS», bei denen Anleger eine Versicherung, nicht aber das zugrundeliegende Schuldpapier halten.
In den USA bilde sich nun ein wachsender Konsens, die CDS-Industrie stärker zu regulieren, weil die bisher mangelnde Aufsicht den Absturz der Kurse von Aktien und Anleihen von Unternehmen und auch Ländern beschleunigt habe, berichtete das «Wall Street Journal» am Donnerstag.
Befürworter der Papiere wenden ein, es sei schwer zu unterscheiden, welche CDS tatsächlich für Absicherungsgeschäfte und welche für spekulative Zwecke verwendet werden. Auch könne man nicht die Papiere für Grundprobleme von Ländern oder Firmen verantwortlich machen. «Das wäre, als mache man das Thermometer für die Temperatur draussen verantwortlich», sagte Brian Yelvington von der US- Tradingfirma Knight Libertas in Greenwich (US-Staat Connecticut) der Zeitung. Der CDS-Markt hat Medienberichten zufolge alleine in den USA ein Volumen von 25 Billionen Dollar (18,4 Billionen Euro).
CFTC-Chef Gensler will unter anderem, dass Geschäfte mit den Papieren stets mit ausreichend Kapital gedeckt sind. Zudem sollten CDS nur noch auf transparenten und regulierten Plattformen wie beispielsweise Börsen gehandelt werden. Das sollte nach Vorstellungen des Repräsentantenhauses für alle Routinegeschäfte von grossen Finanzderivate-Händler gelten. Sie sollen zudem über ein dickeres Kapitalpolster verfügen und die Dokumentation verbessern. Im Senat kursierende Entwürfe sehen unterdessen beispielsweise vor, Banken «hochspekulativen» Eigenhandel zu verbieten./fb/DP/bf