Europa interessiert sich nicht gross für die Schweiz
In Europa interessiert sich kaum jemand für die Schweiz. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie zum Image der Schweiz im Ausland, die am Freitag (26.05.) in Bern vorgestellt wurde. Wer an die Schweiz denkt, denkt vor allem an Uhren und Schokolade.
Im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms (NFP) 42 des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) wurde in einer Studie «die Wahrnehmung der Schweiz durch das Ausland» untersucht.
Dabei wurden ausländische Zeitschriften, der Eurobarometer, eine Umfrage unter 16’000 EU-Bürgerinnen und Bürger vor drei Jahren sowie Interviews mit EU-Vetretern aus Wirtschaft und Politik ausgewertet.
Auffallend ist dabei das geringe Interesse im Ausland an der Schweiz: Nur jeder sechste EU-Bürger kennt die Schweiz gut und aus eigener Erfahrung. Im Kontrast dazu stehe die grosse Bedeutung, welche dem Schweizbild im Ausland hierzulande beigemessen werde, schreiben die Verfasser der Studie.
Überwiegend positiv wahrgenommen wird die Schweiz in Deutschland, Österreich, Finnland und Belgien. Eine vorwiegend negatives Bild der Schweiz hat die Bevölkerung in den Niederlanden, in Dänemark, in Frankreich und Italien.
Banken sorgen für negatives Bild
Für ein negatives Bild im Ausland sorgen die Schweizer Banken. Deren Rolle im internationalen Geschäft wird von zwei Dritteln der Befragten als kritisch beurteilt.
Je über 40 Prozent werfen der Schweiz zudem ungenügendes internationales Engagement, einen mangelhaften Umgang in der Frage der nachrichtenlosen Vermögen sowie Fremdenfeindlichkeit vor.
In den Interviews mit Vetretern aus Wirtschaft und Politik überrascht zudem eine überwiegend negative Meinung zur direkten Demokratie. Mehr als die Hälfte der befragten Bürgerinnen und Bürger finden jedoch das politische Modell Schweiz bedenkenswert.
Als konservativ und reformbedürftig schätzen nur knapp dreissig Prozent der Befragten die Schweiz ein. Ein leicht höherer Anteil lehnt diese Aussage ab.
Für die EU-Bürgerinnen und Bürger ist die Schweiz in erster Linie ein Ferienland. Die Vetreter aus der Wirtschaft schätzen den qualitativ hochstehenden Wirtstschaftstandort Schweiz. Das friedliche Zusammenleben in einer multikulturellen Gesellschaft wird von 60 Prozent, die guten Dienste der neutralen Schweiz von 50 Prozent der Befragten hervorgehoben.
swissinfo und Agenturen
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