Zürcher Gemeinderat will 50 Prozent Chefinnen auf Kaderstufe
Ziel verpasst: In der Zürcher Stadtverwaltung ist die Gleichstellung in Kaderpositionen noch nicht erreicht. Dies will eine Mehrheit des Gemeinderates ändern. Die SVP fürchtet sich nun "vor dem Würgegriff des Matriarchats".
(Keystone-SDA) , s»Umsetzung unbefriedigend», «äusserst peinlich» und «Schluss mit dem Boys Club»: Vor allem Gemeinderätinnen von linker Seite zeigten sich am Mittwoch sehr unzufrieden mit der stadträtlichen Frauenförderung.
Auslöser war eine Auswertung, wie viele Frauen in der Zürcher Stadtverwaltung in Kaderpositionen arbeiten. Vor zehn Jahren hatte sich die Stadt die Zielvorgabe von 35 Prozent verpasst. Diese wurde bis jetzt aber nur im Sozialdepartement, im Gesundheits- und Umweltdepartement und im Hochbaudepartement erfüllt.
Als ziemliche «Boys Clubs» entpuppten sich die industriellen Betriebe, das Sicherheitsdepartement und das Finanzdepartement. Im Schul- und Sportdepartement, bei dem mehrheitlich Frauen angestellt sind, beträgt der Frauenanteil im obersten Kader sogar null Prozent.
«Wille schlicht inexistent»
«In gewissen Departementen ist der Wille, Kaderpositionen mit Frauen zu besetzen, schlicht inexistent», sagte Sophie Blaser (AL). SP, AL und Grüne forderten deshalb in einem Postulat, dass der Frauenanteil bis in acht Jahren auf 50 Prozent gesteigert wird. Dieser Vorstoss wurde mit 58 Ja- zu 46 Nein-Stimmen bei 14 Enthaltungen an den Stadtrat überwiesen.
Dieser muss nun prüfen, wie er das bewerkstelligen will. Einfach wird das gemäss Stadtpräsident Raphael Golta (SP) nicht. Das sei «einiges an Ufzgi», das der Stadtrat hier vor sich habe. Inhaltlich sei er natürlich absolut einverstanden. «Wir glauben aber nicht, dass eine Erhöhung der Quote auf 50 Prozent uns weiterbringt», sagte er.
Ebenfalls Erfolg hatte eine GLP-Motion, die zwar keine höhere Frauenquote als 35 Prozent fordert – aber dafür die verbindliche Umsetzung dieses einst gesteckten Ziels. Dieser Vorstoss wurde mit 78 Ja- zu 40 Nein-Stimmen überwiesen und hat direkte Auswirkungen.
Künftig muss bei Anstellungen im oberen Kader immer jemand aus der Gleichstellungsfachstelle beigezogen werden. Diese Person soll den Auswahlprozess begleiten. Zudem sollen Frauen gezielt für Führungspositionen aufgebaut werden.
«Im Würgegriff des Matriarchats»
Dezidiert gegen die Vorstösse war die SVP. «Was, wenn die Quote auf natürlichem Weg nicht erreicht wird?», fragte Jane Bailey. «Werden dann Männer entlassen?» Dies sei umgedrehter Sexismus und dürfe nicht toleriert werden. «Willkommen im Würgegriff des Matriarchats!»
Ihr Parteikollege Stefan Urech empfahl der linken Ratsseite, sich ihrer Machtposition wieder einmal bewusst zu werden. «Ihr seid seit dreissig Jahren an der Macht und könntet das längst umsetzen. Dann macht doch mal, wenn es so einfach ist», sagte er.