Zuger Kantonsrat will sich gegen Cyberbedrohungen wappnen
Der Kanton Zug soll sich gegen die wachsende Cyberbedrohnung wappnen. Das Kantonsparlament hat sich nach erster Lesung offen gezeigt für den Aufbau eines Kompetenzzentrums für Cybersicherheit sowie für Partnerschaften mit Hochschulen.
(Keystone-SDA) Im Rahmen der Cybersicherheitsinitiative Zug will der Regierungsrat ein kantonales Kompetenzzentrum für Cybersicherheit aufbauen. Dieses soll Bevölkerung, Firmen und Verwaltung mit Kursen und Beratungen vor Cyberangriffen schützen.
Gleichzeitig soll es die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Forschung und Wirtschaft fördern. Hintergrund sind die stark zunehmenden Cyberbedrohungen, die den Kanton und seine Bevölkerung zunehmend betreffen. Mit 815 Delikten im Jahr 2024 hat die Cyber-Wirtschaftskriminalität einen «neuen Höchststand» erreicht, wie die Regierung im Bericht an das Parlament mitteilte.
Tom Magnusson (FDP), Präsident der Staatswirtschaftskommission, bezeichnete das Geschäft in der Eintretensdebatte als wichtiges Thema und als «Leuchtturmprojekt».
Breite Zustimmung im Rat
Alle Fraktionssprecherinnen und -sprecher thematisierten in ihren Voten die Kosten, sprachen sich aber für das Vorhaben aus.
Die Entwicklung der letzten Jahre zeige deutlich, dass das Thema Cybersicherheit nicht kleiner werde, sagte Ronahi Yener (SP). Das Projekt sei von «erheblicher strategischer Bedeutung für den Kanton und die gesamte Schweiz», sagte Patrick Röösli (Mitte). «Es verdient eine Chance.» Mit dem Kompetenzzentrum werde der Kanton bei der Cybersicherheit gestärkt, so Hans Jörg Villiger (SVP).
Sicherheitsdirektorin Laura Dittli (Mitte) sagte, man stehe in der Verantwortung gegenüber der Bevölkerung und den Firmen. «Wir mussten etwas machen», sagte sie.
Finanziert mit Mehrerträgen aus der OECD-Steuer
Das Kompetenzzentrum soll künftig mit verschiedenen Institutionen zusammenarbeiten, darunter die ETH Zürich und die Hochschule Luzern (HSLU).
Die Kosten für das Kompetenzzentrum von 2026 bis 2030 betragen rund 34,2 Millionen Franken. Die Summe setzt sich zusammen aus dem Aufbau und Betrieb des Kompetenzzentrums (10,6 Millionen Franken), projektbezogenen Förderungen (14 Millionen Franken) und 9,6 Millionen Franken für Partnerschaften. Das Vorhaben soll mit den Mehrerträgen aus der OECD-Mindeststeuer finanziert werden.
Das Kompetenzzentrum soll gemäss Bericht beim Start mit zwei Vollzeitstellen starten. Über die Jahre soll die Zahl der Mitarbeitenden schrittweise wachsen und bis 2029 zehn Vollzeitstellen erreichen.
Rund 80 Millionen in 25 Jahren für die Forschung
Weiter will die Regierung im Rahmen der Cybersicherheitsinitiative eine Forschungskooperation zwischen der ETH Zürich und dem Nationalen Testinstitut für Cybersicherheit (NTC) finanzieren. Geplant sind zwei ETH-Professuren am NTC, die Forschung zu Künstlicher Intelligenz (KI) und der Sicherheit von digitalen Systemen stärken sollen.
Der Kanton unterstützt dies mit rund 3,2 Millionen Franken pro Jahr über 25 Jahre. Auch dieses Projekt soll aus den Erträgen der OECD-Mindeststeuer finanziert werden.
Einzig der Sprecher der ALG thematisierte die hohen Kosten, die in der Kommission ohne grossen Widerstand durchgewunken wurden. Er sei für die Vorlage, diese stehe jedoch im Kontrast zu den «kleinen Schritten», die im Kantonsrat beim Thema des bezahlbaren Wohnraums jeweils gefordert würden.
Beide Geschäfte, das Kompetenzzentrum sowie die Forschungskooperation, benötigen eine zweite Lesung. Die Schlussabstimmungen folgen danach.