Abwarten und Tee trinken
Über 70 Stunden nach ihrem Einstieg in die Höhle warten acht eingeschlossene Schweizer noch immer auf ihre Bergung. Der Wasserspiegel sank im Verlaufe des Tages langsamer als erwartet.
«Die jungen Leute sind ungeduldig, aber die Moral ist gut», sagte Jacques Michel, technischer Berater der französischen Speläologen-Gesellschaft «spéléo-secours». Michel war einer der Taucher, die am Samstag (19.05.) zu den Eingeschlossenen vordringen konnte.
Seit die Vermissten gefunden wurden, befinden sich zwei Taucher, darunter ein Arzt, bei den Eingeschlossenen auf und betreuen sie. Licht, Decken, Nahrung und Getränke sowie ein kleines Wärmezelt wurden in die Höhle gebracht. Auch telefonisch konnte ein Kontakt zur Aussenwelt hergestellt werden.
Tauchgang vermeiden
Die Retter hofften am Samstagabend noch immer, die Eingeschlossenen ohne Tauchgang retten zu können. Diese Variante wird bevorzugt, weil damit weiterer physischer und psychischer Stress vermieden werden kann. Das Wasser fliesst jedoch langsamer als erwartet ab.
Falls der Wasserspiegel durch Abfluss, Abpumpen oder Sprengung nicht entscheidend gesenkt werden kann, müssten die acht Personen mit Tauchanzügen und Masken etwa 25 Meter einen mit reissendem Wasser überfluteten Höhlenabschnitt mit vier Siphons überwinden. Dabei würden die Eingeschlossenen etwa 30 Sekunden unter Wasser sein.
Ungewöhnliche Regenfälle in der Gegend
Laut dem Bürgermeister von Goumois, einem Dorf an der schweizerisch-französischen Grenze, wurden im April vier mal so viele Niederschläge als in den vergangenen Jahren registriert. Die Höhle wurde dieses Jahr bereits dreimal überflutet. Dies geschehe normalerweise einmal im Jahr.
Gemäss Angaben des Unterpräfekt von Pontarlier, Jean-Luc Fabre, hat sich auf dem Plateau de Maiche nach den heftigen Gewittern der letzten Tage ausserordentlich viel Wasser gesammelt, das nun in das Höhlensystem einsickere.
Von unten drücke das Wasser in die Höhle und fliesse durch den Höhlenausgang ab. Dadurch habe sich eine ungewöhnlich starke Strömung gebildet. Laut einem Höhlenexperten ist dieses Phänomen in früheren Jahren ein Mal pro Jahr bei Schneeschmelze aufgetreten.
Was geschehen ist
Die sieben Studierenden der Zürcher Hochschule im Alter zwischen 23 und 35 Jahren hatten im Rahmen eines Kurses in Erlebnispädagogik die Höhle im Jura besucht. Eine erste, zwölfköpfige Gruppe der Hochschule hatte Stunden zuvor die Höhle noch problemlos besucht.
Die zweite, achtköpfige Gruppe wurde dann aber von einem plötzlichen Wassereinbruch überrascht. Anhaltende Regenfälle behinderten immer wieder die Bemühungen der bis zu 300 Rettungsexperten. Die Höhle liegt oberhalb Goumois rund 200 Meter vom Doubs entfernt, der dort die schweizerisch-französische Grenze bildet.
swissinfo und Agenturen
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