AOM/Air Liberté streicht über 1’300 Stellen
Die französische Regionalflug-Gesellschaft AOM/Air Liberté will 1'328 Vollzeitstellen streichen. Dies sieht der Sanierungsplan von Air Liberté Chef Marc Rochet vor, der am Montag (21.05.) dem Betriebsrat vorgestellt wurde. Gewerkschafter lehnten den Plan ab.
Sie hatten zunächst von 1’338 abzubauenden Vollzeitstellen gesprochen. Von diesem Abbau könnten rund 1’500 Mitarbeitende, rund ein Drittel der Belegschaft der zur Swissair-Group gehörenden Airline, betroffen sein, befürchtet der CGT-Gewerkschaftsdelegierte Paul Fourier.
Die angeschlagenen Fluglinien AOM und Air Liberté wurden kürzlich unter dem Firmennamen Air Liberté zusammengefasst. Sie hat insgesamt 5’000 Beschäftigte – umgerechnet 3’800 Vollzeitstellen.
Schlankheitskur
Laut Gewerkschafter Fourier sieht der Sanierungsplan die Verringerung der Flugzeugflotte von gegenwärtig rund 50 auf 27 Maschinen vor. Mehrere Verbindungen, unter anderem von Paris nach Genf, würden gestrichen. Aufrecht erhalten würden die Verbindungen in die Überseegebiete in der Karibik, Réunion und Tahiti.
«Plan zurückweisen»
«Unsere erste Reaktion lautet: den Plan zurückweisen», erklärte Jean-Pierre Lohrer, Delegierter der CFDT, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Für Dienstag wurde eine Vollversammlung einberufen. Dabei wollten die Gewerkschaften den Plan diskutieren. Bereits am Wochenende hatten sie zu einem unbegrenzten Streik aufgerufen, um gegen die Abbau-Pläne zu protestieren.
Der Sanierungsplan mache keine genaueren Angaben über mögliche Käufer der Airline, kritisierte Lohrer. Rochet will einen oder mehrere Käufer für die Fluggesellschaften suchen. Gemäss Fourier sieht der Plan eine komerzielle Annäherung an Air France vor.
Um Lösungen für die angeschlagene AOM/Air Liberté zu suchen, müssen die Gewerkschaften laut Lohrer noch weiter gehen. Er denkt an einen erneuten Aufruf an die Politik und an den Präsidenten von Air France.
In drei Jahren wieder im Lot?
Die Aktionäre von Air Liberté, zu denen neben der Swissair-Gruppe über die Holding Marine-Wendel auch der französische Arbeitgeberpräsident Ernest-Antoine Seillière gehört, hatten einen Notplan ausgearbeitet, mit dem die Gesellschaft aus dem Minus geführt werden soll.
Air Liberté-Chef Rochet hatte Anfang Mai versprochen, mit dem Sanierungsplan die Airlines innerhalb von drei Jahren wieder ins Lot zu bringen. Er werde es ermöglichen, die Verluste von 3 Mrd. Francs (750 Mio. Franken) im Jahr 2000 auf 200 Mio. Francs (50 Mio. Franken) in diesem Jahr zu reduzieren.
Die Verluste bei den französischen Töchtern trugen dazu bei, dass die Swissair bei ihrer Aktionärsversammlung Ende April ihrerseits Verluste von fast drei Milliarden Franken eingestehen musste und den mittelfristigen Aussteig bei der französischen Tochter bekannt gab.
swissinfo und Agenturen
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