Ausgaben der Krankenkassen steigen rasant
Die Ausgaben der Krankenkassen sind im Jahr 2000 um 6,1% angestiegen. Das sind 2% mehr als von Kassen und Kantonen vorausgesagt. Am stärksten stiegen die Kosten in den Bereichen Medikamente und Spital ambulant.
Im Bereich Medikamente nahmen die Ausgaben um 11,5% auf 3,2 Mrd. Franken zu. Im Bereich Spital ambulant stiegen sie um 14,3% auf 1,7 Mrd. Franken, wie das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) am Montag (09.07.) an einer Medienkonferenz in Bern mitteilte.
«Unanständige Kostensteigerung»
BSV-Direktor Otto Piller sprach von einer «unanständigen Kostensteigerung». Er verwies auf das seit 1. Juli geltende neue System der Medikamenten-Preise. Dieses müsse jetzt greifen und eine starke Abflachung der Preissteigerung bringen – «wenn alle Akteure mitziehen». Und bei den Generika sei endlich von den Apothekern der Tatbeweis zu erbringen.
Im Bereich Spital gelte es zu verhindern, dass falsche Anreize geschaffen würden: Es dürfe nicht aus finanziellen Erwägungen eine weitere Verschiebung von Spital stationär zu Spital ambulant geben. Die neue Spitalfinanzierungs-Vorlage, momentan in der Kommission des Ständerates in Beratung, habe das zu berücksichtigen, sagte Piller.
Massive Prämienerhöhung erwartet
Die durchschnittliche Prämienerhöhung per 2000 lag bei 3,8%. Zum Ausgleich der Differenz setzten die Versicherer Reserven ein, wodurch der durchschnittliche Reservebestand per Ende 2000 von 23,6% auf 21,1% zu liegen kam.
Erneut steigen werden die Krankenkassen-Prämien auch im folgenden Jahr, wie Christian Beusch, Mediensprecher der Krankenversicherung Helsana, gegenüber swissinfo sagte: «Die Prämien sind das Spiegelbild der Kostenentwicklung. Wenn die Kosten steigen, müssen – leider – auch die Prämien angepasst werden.»
Über konkrete Zahlen wollte sich Beusch nicht äussern: «Wir sind derzeit am Rechnen. Mit Sicherheit wird es jedoch eine massive Prämienerhöhung geben.»
santésuisse, das ehemalige Konkordat der Schweizerischen Krankenversicherer teilte am Montag mit, dass die Krankenkassen für das laufende Jahr eine Kostensteigerung von rund 6% erwarteten. Die Prämien seien anfangs Jahr jedoch nur um 5,5% erhöht worden.
Der damit entstehende Verlust werde erneut zu Lasten der Reserven gehen. Der diesbezügliche Spielraum ist laut santésuisse aber aufgebraucht.
Massnahmen
BSV-Direktor Piller erwähnte eine Reihe bereits beschlossener und künftiger Massnahmen. Für die neue Arzttarifstruktur TarMed würden hoffentlich im Herbst die Verträge unterzeichnet. «Ich habe das Gefühl, die Kontinental-Verschiebung ist ein Pappenstiel im Vergleich zur Einführung neuer Arzttarife», sagte Physiker Piller.
Geplant sei die Schaffung eines neuen Datenpools gemeinsam mit santésuisse. Dieser Pool werde es erlauben, die Kosten nach Versichertengruppen, Regionen und Leistungserbringer-Kategorie zu analysieren. Per 1.1.2003 sei die Festlegung einheitlicher Prämienregionen pro Kanton vorgesehen.
Auch den Krankenkassen mangelt es nicht an Ideen, wie man die Kostenexplosion in den Griff bekommen könnte. Dies zumindest sagte Christian Beusch gegenüber swissinfo.
Laut Beusch müsse etwa der derzeit bestehende Vertragszwang zwischen Ärzten und Krankenversicherern aufgehoben werden: «Wir wollen ein wettbewerbliches Vertragsmodell.» Zudem seien die Spitalkosten neu zu regeln. Die Pläne dazu lägen auf dem Tisch.
Felix Münger und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch