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Biotechnologie: Heftige Debatte in Lausanne programmiert

Wohin geht die Schweizer Biotech- und Gentechnologie? WWF

Einer der Höhepunkte der Wissenschafts-Woche ist eine Diskussion in Lausanne über das in der Schweiz hoch umstrittene Thema "Landwirtschaft und Biotechnologie".

Die emotional geführte Diskussion in dieser Frage ist einer der Hauptgründe, weshalb die Wissenschafts-Woche überhaupt stattfindet. Eine Woche, die den Dialog zwischen Wissenschaftlern und der breiten Bevölkerung fördern will.

Die Gründe für den Streit gehen zurück auf den Juni 1998, als das Schweizer Stimmvolk eine Volksinitiative zur Einschränkung der Gentechnologie, die so genannte Genschutz-Initiative, verwarf. «Wir sehen in der Biotechnologie keine Vorteile, nur Nachteile», betont Fernand Cuche, Nationlrat der Grünen und Generalsekretär einer schweizerischen Bauernvereinigung.

«Noch sind die fundamentalen Probleme in der Landwirtschaft, wie zum Beispiel der Schutz von Saatgut im Zusammenhang mit Biotechnologie, nicht gelöst. Für uns ist sie ein Fehlschlag, und wir lehnen sie ab. Die beste Lösung ist, den Einsatz chemischer Produkte zum Pflanzenschutz weiter zu entwickeln.»

Laut Cuche sind die Schweizer Landwirte auch gegen die Erteilung von Patenten für genverändertes Saatgut.

An der Debatte in Lausanne nimmt auf der anderen Seite Roland Bilang teil, der Direktor von Internutrition, welche die Nahrungsmittel- und Saatgut-Industrie vertritt. «Wir sind überzeugt, dass diese Technologie für die Landwirtschaft und die Nahrungsmittel-Industrie von grösster Bedeutung ist», meint Bilang.

«Die Vorteile der Produkte, die zur Zeit auf dem Markt erhältlich sind, sind klar auf der Seite der Produzenten. Sie können mit weniger Pestiziden für ihre Produktion auskommen und tragen zu einer nachhaltigen Landwirtschaft bei», betont Bilang. Und ergänzt: «Zukünftige Produkte werden vermutlich für den Konsumenten mehr Nutzen bieten. Dann wird es einfacher sein, dem Konsumenten diese Vorteile zu erklären.»

Gentech-Gegner wie Cuche warnen vor möglichen Gesundheits-Risiken, welche durch Nahrungsmittel entstehen könnten, die gentechnisch-veränderte Zutaten enthalten. Zudem könnten sich transgene Pflanzen zu hartnäckigen Unkräutern entwickeln.

Bilang weist dieses Argument zurück: «Die Gentech-Produkte sind weltweit getestet worden. Für keine anderen Lebensmittel wurde eine dermassen grosse Test-Phase durchgeführt. Und wir können mit Gewissheit sagen, dass diese Produkte, die im Moment auf dem Markt sind, keine negativen Auswirkungen auf den Menschen haben.»

Und das Überspringen von Genen auf andere Pflanzen betreffe, so Bilang, nicht nur die Gentechnologie: «Gene sind Tag für Tag in unserem Essen enthalten und in der Umwelt. Ich glaube nicht, dass sich gentechnisch-veränderte Gene anders verhalten als konventionelle.»

Laien gefragt

Die Positionen sind bezogen, zumindest bei den Fachleuten. Was die Bürgerinnen und Bürger denken und wollen, dazu können sie sich an der Veranstaltung äussern. Ob die Wissenschafts-Woche es schafft, gerade in diesem Thema mit verhärteten Fronten einen Dialog anzuregen, bleibt abzuwarten.

Eine Vermittler-Rolle wird an der Debatte von nächster Woche Olivier Cadot, Wirtschafts-Professor an der Universität Lausanne, einnehmen.

«Gentechnisch-veränderte Organismen werden der Landwirtschaft wunderbare technische Fortschritt bringen. Sie werden es uns ermöglichen, den Einsatz von Chemikalien zu reduzieren. Es besteht aber auch das Risiko, dass sich die Haltung der Konsumenten und der Öffentlichkeit negativ auf die Entwicklung der Technologie auswirken wird, die bis jetzt dem Konsumenten wenig Nutzen gebracht hat.»

Vincent Landon

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