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Bundesrat Couchepin: Unterstützung für Nestlé Nigeria

Bundesrat Couchepin beim nigerianischen Präsidenten als Fürsprecher für Nestlé Nigeria. Keystone Archive

Bundesrat Pascal Couchepin hat am Montag (04.06.) bei seinem offiziellen Treffen mit dem nigerianischen Präsidenten Olusegun Obasanjo die Schweizer Unternehmen unterstützt. Im Zentrum stand dabei die Angelegenheit von Nestlé Nigeria, das verdächtigt wird, abgelaufenes Milchpulver eingeführt zu haben.

Nestlé Nigeria fürchtet um seinen Ruf in dem afrikanischen Land. Der Nahrungsmittelgigant setzt jährlich in Nigeria 200 Mio. bis 300 Mio. Dollar um.

Das Unternehmen wirft den zuständigen Behörden vor, durch die Veröffentlichung von Pressecommuniqués bei der Bevölkerung Desinformation zu betreiben. Die Nestlé-Vertretung spricht von «falschen Beschuldigungen».

Verfallsdatum angeblich abgelaufen

Die nigerianische Lebensmittelkontrollbehörde (NAFDAC) hatte Ende Mai dem Nahrungsmittel-Hersteller vorgeworfen, neun Container mit abgelaufenem Milchpulver eingeführt zu haben. Die NAFDAC bestätigte, sie habe die Beschlagnahmung der Container angeordnet.

Nestlé seinerseits hat eine andere Version der Angelegenheit. Das Unternehmen gibt zu, dass es Probleme mit der Etikettierung gegeben habe, als die Container abgeschickt wurden. Die Behälter waren Teil einer Bestellung von 1’200 Tonnen Milch eines amerikanischen Lieferanten.

Dabei habe die amerikanische Firma falsch etikettiert. Um den Fehler auszubügeln, sei das Datum mit einem schwarzen Stift korrigiert worden. Die Produkte seien trotz des Fehlers intakt, heisst es bei Nestlé. Man habe die Behörden über das Problem mit der Neudatierung informiert.

Berufung auf Laborresultate Nestlé Nigeria hat Analysen aus den neun verdächtigen Containern in einem eigenen und in einem unabhängigen Laboratorium machen lassen. In beiden Fällen hätten die Resultate gezeigt, dass die Produkte das Verfallsdatum noch nicht überschritten hatten.

Zunächst hatte die NAFDAC die Qualität der Produkte noch zugelassen, bevor sie sich anders besann. Vor kurzem verlangte sie die Zerstörung des Container-Inhalts. Nestlé weigerte sich und verlangte Aufschub. Denn bei einer Zerstörung der Produkte könnte der Konzern deren Unbedenklichkeit nicht mehr beweisen und den Imageschaden nicht mehr los werden.

Nestlé als Sündenbock

Wegen des Image-Schadens hat sich Nestlé an Couchepin und den Schweizer Botschafter gewandt. Ein nigerianischer Wirtschaftsexperte, der anonym bleiben wollte, sagte, dass hinter der Angelegenheit politische Ambitionen und Kampf um Einfluss stünden. Gewisse Personen könnten aus dem Konsumentenschutz Profit ziehen.

Ein mulitnationales Unternehmen gebe dabei den idealen Sündenbock ab, sagte der Experte. Dies sei ein subtiler Angriff auf eine grosse Gruppe. Machtkämpfe um Einfluss über die Kontrolle des Hafens von Lagos seien der Anlass für die Vorwürfe der NAFDAC.

Die nigerianische Lebensmittelkontrollbehörde habe keinen Zugang zum Hafen, was für sie ein grosser Nachteil sei. Die Überwachung werde von Organen ausgeführt, die die nigerianische Regierung beauftragt hatte. Darunter ist auch die Genfer Warenprüfgesellschaft Société Générale de Surveillance (SGS).

swissinfo und Agenturen

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