Europaweiter Zahlungsverkehr wird billiger
Grenzüberschreitende bargeldlose Zahlungen sollen in Zukunft billiger und so einfach werden wie Zahlungen im Inland. Möglich wird dies dank dem "Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum" (SEPA).
31 Länder sind daran beteiligt. Die Vereinfachung wird den europaweiten Zahlungsverkehr in den kommenden sechs Jahren um geschätzte 197 Milliarden Franken entlasten.
Die einheimische Debitkarte auch im Ausland nutzen, die Nebenkosten vom Ferienhaus in Italien per Lastschriftverfahren vom Schweizer Konto aus bezahlen: All dies wird schrittweise nun in der Europäischen Union und in Norwegen, Island, Liechtenstein und der Schweiz eingeführt.
Konkret werden die Überweisungen neu nach den gleichen, von den Banken in den vergangenen Jahren gemeinsam ausgearbeiteten Standards durchgeführt.
Die Vereinheitlichung der Zahlungssysteme kostete allein die Schweizer Banken laut Bankiervereinigung bislang gut 100 Mio. Franken. Doch von Überwälzung auf die Kundinnen und Kunden kann keine Rede sein – im Gegenteil.
«Die Umstellung auf die neuen Standards ist sehr kompliziert und kostspielig. Deshalb sind nicht alle Banken begeistert», führt Germain Hennet von der Schweizerischen Bankiervereinigung gegenüber swissinfo aus.
«Die Banken müssen die Kosten für die Änderungen übernehmen. Gleichzeitig verlieren sie künftig Gebühren. Für die Banken ist es kein gutes Geschäft. Aber sie müssen mitmachen, um konkurrenzfähig zu bleiben und um ihren guten Ruf zu behalten.»
Auch für Privatkunden
Die Zürcher Kantonalbank (ab sofort) und die Post (ab 1. Mai) haben ihre Sondergebühren auf Auslandtransfers für elektronisch angelieferte Euro-Zahlungen nicht nur für Geschäfts- sondern auch Privatkunden abgeschafft, wie die Unternehmen auf Anfrage mitteilten.
Bei der Credit Suisse betragen sie neu 2 Franken statt wie bisher 5 Franken. Bei den andern grossen Instituten, UBS und Raiffeisen, sind ebenfalls Gebührensenkungen für Privatkunden in Diskussion.
Innerhalb der EU gilt bereits seit längerem, dass die Gebühren für grenzüberschreitende Euro-Zahlungen nicht höher sein dürfen als inländische.
Wirtschaft begrüsst
Laut Studien der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) wird die Vereinheitlichung des europäischen Zahlungsverkehrs Unternehmern und Konsumenten in den nächsten sechs Jahren Einsparungen von bis zu 123 Mrd. Euro (über 198 Mrd. Fr.) bringen.
Die Schweizer Wirtschaft begrüsst die Vereinheitlichung grundsätzlich. «Es ist allerdings noch zu früh für eine genaue Kalkulation der Einsparungen», sagte Hans Ulrich Bigler vom Dachverband der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, Swissmem, gegenüber swissinfo.
Die (EZB) sprach in einer gemeinsamen Erklärung von einem «wichtigen Meilenstein», EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy nannte die Einführung von SEPA gar einen «historischen Tag».
SEPA gilt als Weiterentwicklung des Euro im bargeldlosen Verkehr. Die europäische Wirtschaft soll dank schnellerer Zahlungen wettbewerbsfähiger werden.
Die Kunden müssen bei den Transaktionen eine internationale Kontonummer (IBAN) und den Bankidentifikationscode (BIC) angeben, beides wurde bereits in den vergangenen Monaten eingeführt.
Die Gutschrift muss laut dem EU-Rahmengesetz spätestens nach drei Werktagen erfolgen, ab 2012 sogar bereits am nächsten Werktag.
swissinfo
62% der Schweizer Exporte gehen in die EU.
Damit ist die EU grösste Abnehmerin von Schweizer Produkten.
82% der Importe in die Schweiz stammen aus der EU
Rund 400’000 Schweizerinnen und Schweizer leben in EU-Staaten. 900’000 EU-Bürger leben in der Schweiz.
SEPA (Single Euro Payments Area) ist ein einheitlicher Euro-Zahlungsverkehrsraum, in dem alle Zahlungen wie inländische Zahlungen behandelt werden.
Es wird damit nicht mehr zwischen nationalen und grenzüberschreitenden Zahlungen unterschieden.
Ziel von SEPA ist, schrittweise Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen in Europa zu standardisieren. Zudem wird es einen einheitlichen europäischen Kartenmarkt geben.
Für grenzüberschreitende Euro-Zahlungen gibt es schon seit Jahren Vereinfachungen. So dürfen Euro-Überweisungen ins Ausland nicht mehr kosten als Inlandstransfers.
Im Unterschied zu bisherigen Überweisungen sind im SEPA statt nationaler Kontonummer und der Bankleitzahl eine internationale Kontonummer (IBAN) und eine internationale Bankleitzahl (BIC) nötig.
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