Gesundheitskosten steigen weiter
Nach einer Zunahme der Kosten um 5,8 Prozent im Jahr 2000 schlagen die Krankenkassen Alarm. Es drohe ein neuer Prämienschub, erklärten sie am Freitag (11.05.) und forderten politische Massnahmen. Die Bundesbehörden warnten vor voreiligen Schlüssen.
Für die schon mehrfach angekündigten Kostenerhöhungen im Jahr 2000 liegen nun erstmals gesicherte Zahlen von 13 Kassen mit einem Marktanteil von 80 Prozent vor. Nach Angaben des Konkordats der Schweizerischen Krankenversicherer (KSK) drehte sich die Kostenspirale der Grundversicherung um 5,8 Prozent nach oben, verglichen mit 4,1 Prozent im Vorjahr. Pro Versicherten machte der Kostenanstieg 5,3 Prozent aus.
Am dicksten zu Buche schlugen die Medikamenten- und die ambulanten Spitalkosten, die um elf beziehungsweise 13,4 Prozent stiegen. Bei den Kantonen verzeichnete Neuenburg im letzten Jahr die höchste Steigerung.
Gemäss ersten Prognosen des KSK hält das Wachstum auch im laufenden Jahr an. Die Zunahme liege wiederum über fünf Prozent, sagte KSK-Sprecher Peter Marbet.
Prämienerhöhung unumgänglich
Bei den Prämien stellten die Versicherer einen weiteren Anstieg in Aussicht. Der Kostensteigerung im vergangenen Jahr sei durch die Prämienerhöhung von 3,8 Prozent nicht ausgeglichen worden. Zur Schliessung dieser Lücke müssten immer mehr Krankenkassen ihre Reserven anzapfen, sagte Marbet.
Gestützt auf diese Entwicklungen verliehen die Kassen ihren politischen Forderungen Nachdruck. Wenn im fünften Jahr nach der Einführung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) noch immer keine Trendwende in Sicht sei, dann handle es sich um System-immanente Ursachen. Für die Kassen geniesst die Aufhebung des Vertragszwangs für Ärzte bei der laufenden 2. KVG-Revision deshalb oberste Priorität. Auch bei den Medikamentenpreisen müsse weiter gespart werden, sagte Marbet. Es gehe nicht an, dass eine Sozialversicherung die Gewinne der Pharma-Industrie finanziere.
Bund hofft auf billigere Medikamentenpreise
Für das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) ist der direkte Schluss von den Kosten auf die Prämien nicht zulässig. Bei der Prämienrunde 2002 von Ende Juli seien deshalb grössere Abweichungen von den Prognosen des Kassen möglich, sagte Vizedirektor Fritz Britt. Die Kassen hätten überdies bis 1999 gesamtschweizerisch ihre Reserven nicht abgebaut. Eine Reduktion der teilweise über den Vorschriften liegenden Finanzpolster im Jahr 2000 sei deshalb gerechtfertigt gewesen.
Bei den Trendzahlen riet Britt zur Vorsicht. Das BSV verspricht sich von der seit Anfang Jahr wirksamen 1. KVG-Revision eine dämpfende Wirkung. Insbesondere bei den Medikamentenpreisen dürfte die vermehrte Zulassung von Generika zu einer Entspannung führen, sagte Britt.
Weitere Einsparungen verspricht sich das BSV von der Einführung eines Gesundheitspasses. Mit einem persönlichen Gesundheitsdossier sollen künftig unnötige Behandlungen und Untersuchungen verhindert werden.
Keine grossen Wellen haben die Prämienerhöhungen bei der Ombudsstelle geworfen. Die Anfangswirren des KVG seien inzwischen überwunden, hiess es im Jahresbericht. Das ungebremste Kostenwachstum bleibe aber ein Unruheherd. Von den über 5’500 Anfragen betrafen rund 60 Prozent Streitigkeiten über Leistungen.
swissinfo und Agenturen
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