Harte Forderungen vom GBI
Vorzeitige Pensionierung, mehr Lohn und verkürzte oder zumindest geregelte Arbeitszeiten im Baugewerbe fordert die Bau-Gewerkschaft GBI. Die Forderungen sollen in den neuen GAV einfliessen - wenn nötig auch mit einem Streikaufruf.
Auf der Expo.02-Baustelle in Biel eröffnete die Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI) am Mittwoch (20.06.) ihre Kampagne für den – noch auszuhandelnden – Landesmantel-Vertrag (LMV) 2002. An 20 Orten in der ganzen Schweiz fanden Veranstaltungen statt. «Damit sollen einige tausend Bauarbeiter erreicht werden», sagte GBI-Pressesprecher Rolf Beyeler.
Am Aktionstag bekräftigte die GBI ihre bereits vorgestellten Forderungen für den LMV: Vorzeitiger Altersrücktritt, 250 Franken mehr Lohn für alle und klar geregelte und reduzierte Arbeitszeiten, die auf maximal acht Stunden beschränkt sein sollen. Nach dem Willen der Gewerkschaft sollen zudem Bauarbeiten bei schlechtem Wetter verboten werden. Es dürfe nicht sein, dass die Bauarbeiter und Bauarbeiterinnen die Einhaltung von schlecht geplanten und unmöglichen Bauterminen mit ihrer Gesundheit zu bezahlen hätten.
Umfrage: Streikbereit
Untermauert werden die Forderungen durch eine GBI-Umfrage: Als wichtigstes Anliegen bezeichneten die befragten Bauleute die Frühpensionierung, danach folgte die Forderung nach mehr Lohn. Bei der Frage nach den grössten Problemen mit der Arbeitszeit wurden die Gleitstundenregelung, wenig Ferien im Sommer, unbezahlte Reisezeiten und die Schlechtwetterregelung als Hauptprobleme genannt.
«Angesichts des enormen physischen Verschleisses sind mehr als 40 Jahre auf dem Bau nicht zumutbar», sagte Beyeler. Die Forderung nach höherem Lohn sei durch die deutlich verbesserte Auftrags- und Ertragslage im Baugewerbe gerechtfertigt.
Landesweite Information
In den kommenden Monaten will die GBI die Bauleute landesweit informieren und über Mobilisierungen den notwendigen Druck aufbauen, um ihren Forderungen den nötigen Druck zu verleihen. Bis Ende Jahr sind mit den Baumeistern sieben Verhandlungsrunden für einen neuen LMV geplant.
Die Umfrage zeigte laut GBI weiter, dass rund die Hälfte der Bauarbeiter zu Aktivitäten für die Verbesserung des LMV bereit sind. Vier von zehn Bauarbeiter hätten angegeben, bei Bedarf auch zu streiken. «Die relativ hohe Kampfbereitschaft zeigt, dass mit einer entschlossenen Bauarbeiterschaft gerechnet werden kann und muss», folgerte GBI-Sprecher Beyeler.
swissinfo und Agenturen
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