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Kuoni: Hauskrach an Aktionärs-Versammlung fortgesetzt

VR-Vizepräsident Heinz Müller bestätigte die Vorwürfe gegen den Präsidenten Daniel Affolter. Keystone

Der Hauskrach an der Spitze des Kuoni-Konzerns ist am Dienstag (15.05.) vor den Aktionären mit unverminderter Härte fortgesetzt worden. Die normalen Geschäfte der Generalversammlung (GV) wurden erst nach zweistündiger Redeschlacht der Streithähne behandelt und genehmigt.

Vor 271 Aktionären mit 37,7 Prozent aller Stimmen, einer grossen Medienschar, unter diskretem Polizeischutz und in Anwesenheit zahlreicher privater Sicherheitsleute leitete Verwaltungsrats-Vizepräsident Heinz Müller die General-Versammlung von Kuoni im Zürcher Kongresshaus. Dem von einer Mehrheit des Verwaltungsrats (VR) für suspendiert erklärten VR-Präsidenten Daniel Affolter verwehrten zwei Bodyguards den Zutritt zum Präsidententisch. Er musste im Scheinwerferlicht zahlreicher Fernsehkameras unter den Aktionären Platz nehmen.

Bodyguards an Generalversammlung

Bodyguards waren an der Versammlung fast allgegenwärtig. Die höflichen, diskreten Herren mit den kurz geschorenen Köpfen standen unübersehbar am Eingang zum Kongresshaus, im Foyer, im Verhandlungssaal. Noch diskreter trat die Stadtpolizei auf, obwohl sie neben Zivilbeamten auch ein gutes halbes Dutzend Männer im Kampfanzug ins Kongresshaus geschleust hatte.

Vorwurf gegen VR-Präsident bestätigt

Müller bekräftigte zum Auftakt der Redeschlacht die Vorwürfe der fünf Schweizer VR-Mitglieder und der Konzernleitung gegen Affolter: «Es ging und geht Affolter darum, systematisch und konsequent Machtstellungen aufzubauen, um den Kuoni-Konzern ohne persönlichen finanziellen Aufwand zu übernehmen und zu beherrschen», sagte er. Affolter habe vor zwei Jahren zusätzlich zum Präsidium des Verwaltungsrats und der Kuoni-und-Hugentobler-Stiftung auch noch Präsident der Konzernleitung werden wollen. Der Verwaltungsrat habe dies verhindert. Die Zahlungen der Stiftung von zwölf Millionen Franken seien rechtswidrig, bekräftigte Müller.

Affolter bezeichnete Müllers Vorwürfe als beeindruckende, aber keine Tatsachen enthaltende Kapuzinerpredigt. Viele Aktionäre quittierten dies mit Pfiffen, Gejohle und Buhrufen. Der VR-Mehrheit warf Affolter vor, gegen ihn gleichzeitig als Untersuchungsrichter und Richter gewirkt zu haben. Ihr Urteil habe gelautet: «An die Wand mit ihm, hängt ihn.» Die fünf VR-Mitglieder hätten ihm zwar angeboten, bei seinem Rücktritt zu schweigen und die Affäre nicht an die Öffentlichkeit zu bringen. Drei von ihnen hätten aber bereits mit der Aufsichtsbehörde verhandelt. Die Stiftung solle geknechtet, den Märkten das Signal gegeben werden, Kuoni sei zum Abschuss frei. Das Vorgehen der Stiftung bei den Millionenzahlungen sei rechtmässig und widerspreche der Stiftungsurkunde nicht, sagte Affolter. Dass er Konzernchef habe werden wollen, bestritt er.

Kuoni-Erbe stellt sich hinter Affolter

In der Diskussion stellte sich der 87-jährige Alfred Kuoni, der Sohn des Firmengründers, hinter Affolter. Der langjährige frühere Präsident und Konzernchef Jack Bolli stüzte VR-Mehrheit und Konzernleitung. Die ausländischen VR-Mitglieder Geoffrey H. Lipman und Tommaso Zanzotto beschwerten sich, von der internen Untersuchung ausgeschlossen gewesen zu sein.

Brisante Entscheide fielen an der GV nicht. Die statutarischen Geschäfte wurden nach der Redeschlacht im Schnellzugstempo praktisch einstimmig genehmigt. Danach fanden sich die Aktionäre im Obergeschoss zu Apéro-Häppchen, Weisswein und Orangensaft ein. Ein nächstes Mal kommen sie vor den Sommerferien zusammen: An einer ausserordentlichen GV geht es um Affolters Absetzung als VR-Präsident und -Mitglied.

swissinfo und Agenturen

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