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Machtkampf um Kuoni: Ausgang ungewiss

Verwaltungsrats-Präsident Daniel Affolter. swissinfo.ch

Der Machtkampf um Kuoni spitzt sich zu. Die gesamte Konzernleitung und fünf der sieben Verwaltungsräte fordern den sofortigen Rücktritt von Verwaltungsrats-Präsident Daniel Affolter. Sie werfen ihm Machtmissbrauch und persönliche Bereicherung vor und greifen zu rechtlichen Mitteln.

Der grösste Schweizer Reisekonzern Kuoni steckt in einer Pattsituation: Die Verwaltungsrats-Mehrheit hat zwar den Arbeitsvertrag von Kuoni-Präsident Affolter fristlos gekündigt, abgesetzt werden kann der Verwaltungsrats-Präsident jedoch nur von der Aktionärs-Versammlung. An dieser vertritt allerdings Affolter selber einen gewichtigen Teil der Stimmen, wie Heinz Müller, Vizepräsident des Verwaltungsrates, am Freitag (04.05.) an einer Medienkonferenz bekannt gab.

Denn Affolter präsidiert nicht nur den Kuoni-Verwaltungsrat, sondern auch die
Kuoni und Hugentobler-Stiftung, welche Mehrheitsaktionärin des Reise-Konzerns ist. Zudem sei Affolters Frau ebenfalls Stiftungsrätin. Affolter geniesse offenbar auch das Vertrauen des Stiftungsgründers Alfred Kuoni, sagte Müller weiter.

Stiftung mit Stimmen-Mehrheit

Die Stiftung, die 6,25 % des Kuoni-Kapitals besitzt, hat ein Stimmrecht von 25%. An den Aktionärsversammlungen – die nächste findet am 15. Mai statt – seien jeweils etwa 35% der Stimmen vertreten. Für zentrale Entscheide bedeutet dies laut Müller, dass ohne die Zustimmung von Herrn und Frau Affolter kein Entscheid möglich sei. Zudem könne sich Affolter auf Grund dieser Konstellation jederzeit selber wählen oder abwählen.

Machtkonzentration beenden

Weil sich Affolter wohl nicht selber abwählen wird, greifen die fünf Verwaltungsräte und die Konzernspitze zu rechtlichen Mitteln: Eine Aufsichtsbeschwerde und eine Strafanzeige wegen ungetreuer Geschäftsführung sollen eingereicht werden.

Damit soll die Machtballung um Affolter aufgebrochen und Millionenzahlungen rückgängig gemacht werden, die der Stiftungsrat sich selber zugesprochen haben soll. VR-Vize Müller sprach von rechtswidrigen Zahlungen und einer persönlichen Bereicherung, die diametral zur Unternehmenskultur von Kuoni stehe. Er bezog sich dabei auf den Beschluss des Stiftungsrats, ihrem Präsidenten Affolter acht Millionen Franken, Stiftungsgründer Alfred Kuoni zwei Millionen Franken und zwei weiteren Stiftungsräten – darunter auch Affolters Ehefrau – je 500’000 Franken als einmalige Zahlung zukommen zu lassen.

Spitzen-Knatsch mit Alltags-Auswirkungen

Konzernchef Hans Lerch beteuerte, der Zwist an der Konzernspitze beeinträchtige nicht das operative Geschäft der Firma, trotzdem gaben die Titel an der Börse nach: Schon 20 Minuten nach Börsenstart waren die Papiere um 2% auf 750 Franken gesunken. In den ersten zehn Handelsminuten wechselten rund 1’100 Titel die Hand.

Analysten glauben dem Verwaltungsrat, dass kein ausländischer Konzern Kuoni übernehmen wolle, wie dies Affolter behauptet. Britta Simon, Analystin der Bank Sarasin, sagte, es habe schon früher immer wieder Übernahmegerüchte um Kuoni gegeben. Sie hält es für möglich, dass wegen des Machtkampfs Kapazitäten im Management gebunden würden, wodurch auch das operative Geschäft betroffen wäre. Die Vorfälle stellten hauptsächlich ein Imageproblem für den Reisekonzern dar, sagte Klaudia Akbaba von der Bank Sal. Oppenheim.

swissinfo und Agenturen

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