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Machtkampf um Kuoni spitzt sich weiter zu

Keystone

Die Machtkampf um den Reisekonzern Kuoni spitzt sich vor der General-Versammlung vom Dienstag weiter zu. Am Wochenende haben Verwaltungsrat und Konzernleitung neue Vorwürfe des suspendierten VR-Präsidenten Daniel Affolter "mit Nachdruck" zurückgewiesen.

«Es ist vielmehr Daniel Affolter, der sich als VR-Präsident nicht scheut, mit unwahren Behauptungen einmal mehr vom eigenen Fehlverhalten abzulenken und dem Unternehmen mit falschen Informationen weiteren schweren Schaden zuzufügen», schreiben die Konzernleitung und der Kuoni-Verwaltungsrat in einem Communiqué.

Am Freitagabend hatte Affolter der VR-Mehrheit und der Konzernleitung vorgeworfen, in Skandinavien abenteuerliche Akquisitionen getätigt, Verluste vertuscht und mit der Auflösung von Reserven das Ergebnis verschönt zu haben. Ferner sei das Ergebnis des ersten Quartals schlecht, was auf ein mageres Gesamtjahr 2001 schliessen lasse.

«Verwerflicher Versuch»

«Der Verwaltungsrat und die Konzernleitung von Kuoni werten die Attacke des suspendierten Daniel Affolter als verwerflichen Versuch, von den wahren Problemen abzulenken: den unrechtsmässigen Zahlungen, die sich der gesamte Stiftungsrat der Kuoni und Hugentobler-Stiftung (KHS) unter Affolters Präsidium zuschanzte», heisst es wörtlich im Communiqué.

Affolter habe bis zum 3. Mai 2001 alle Verwaltungsrats-Sitzungen präsidiert. Er habe zudem sämtliche Entscheide dieses Gremiums unterstützt. «Er kann sich jetzt nicht aus der Verantwortung stehlen», sagt Konzernchef Hans Lerch in einem Interview mit der «SonntagsZeitung».

Probleme in Schweden

Lerch betont im Interview, dass die in Schweden aufgetauchten Probleme nie versteckt worden seien. Er weist auf den Umstand hin, dass Kuoni im letzten Jahr nur einen Anteil von 45 Prozent am schwedischen Reiseunternehmen Apollo kontrolliert habe. «Demzufolge konnten wir keinen Einflus auf den Geschäftsverlauf nehmen», hält Lerch fest.

Apollo sei erst seit Anfang 2001 eine 100-Prozent-Beteiligung von Kuoni. «Es ist lächerlich zu fordern, eine Firma müsse schon in vier Monaten auf Vordermann gebracht sein», sagt Lerch zum Vorwurf Affolters.

«Berechtigte Frage» zu Auflösung von Reserven

Zur Auflösung von Reserven in Höhe von 23 Mio. Franken -Affolter spricht von 32 Mio. Franken – räumt Lerch im Interview offene Fragen ein. Er werde die Frage der detaillierten Offenlegung mit der Revisionsgesellschaft KPMG abklären und an der GV vom Dienstag berichten.

Von den aufgelösten 23 Mio.Franken seien 10 Mio. Franken ins Finanzergebnis geflossen. Der Rest sei operativ eingesetzt worden. Die KPMG sei über diese Operationen im Bild gewesen und der Verwaltungsrat habe das Vorgehen abgesegnet, sagt Lerch im Interview.

Macht der Stiftung beschnitten

Affolter war am Freitag als Präsident der Kuoni und Hugentobler- Stiftung zurückgetreten. Die Stiftung kontrolliert 25 Prozent der Stimmen. Die zuständige Zürcher Aufsichtsbehörde hat in der letzten Woche das Stimmrecht der Stiftung im Hinblick auf die GV vom 15. Mai allerdings empfindlich eingeschränkt.

Sie darf ihr Stimmrecht am Dienstag nur im Sinne der Anträge des Verwaltungsrates ausüben. Andernfalls muss sie sich der Stimme enthalten. Als weitere vorsorgliche Massnahme hat das Amt die Stiftungsgelder blockiert.

Als Kuoni-Verwaltungsrats-Präsident will Affolter jedoch nicht zurücktreten. Die Aktionäre sollen an einer ausserordentlichen Generalversammlung Mitte Juli über die Abwahl Affolters entscheiden.

swissinfo und Agenturen

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