Plätze im SMI werden neu verteilt
Die Schweizer Börse überprüft zurzeit ihr wichtigstes Barometer, den SMI. Die Ems-Chemie und die Générale de Surveillance (SGS) scheiden möglicherweise aus der obersten Börsenliga aus. Auch Sulzer und Swissair zählen zu den Abstiegskandidaten. Kursverluste könnten die Folge sein.
Im Rennen um die maximal 30 Plätze im prestigereichen Swiss Market Index (SMI), dem wichtigsten Schweizer Börsenbarometer, dürfte noch diese Woche der Entscheid fallen: Voraussichtlich am 6. Juli bestimmt die Indexkommission, welche Firmen ab 1. Oktober 2001 zu den Blue Chips zählen und damit nicht in Zürich, sondern an der Londoner virt-x gehandelt werden.
Aufgrund der Börsenkapitalisierung und des Aktien-Handelsvolumens von vier Quartalen setzt die Kommission jeweils mit Stichdatum 30. Juni die Rangliste der Börsentitel neu fest. Marktbeobachter rechnen damit, dass erstmals eine oder mehrere Firmen aus dem SMI absteigen könnten.
Swissair und Sulzer gefährdet
In der Abstiegsrunde befinden sich aufgrund ihrer massiven Börsenverluste Swissair und Sulzer. Der Flugkonzern rangiert mit einem Börsenwert von 1,586 Mrd. Franken gemäss SWX-Statistik von Ende Mai nur auf Rang 53 der Schweizer Firmen. Seither hat er weitere Plätze eingebüsst.
Auch Sulzer wies mit 2,499 Mrd Franken eine für SMI-Firmen ungenügende Marktkapitalisierung aus. Das Technologie-Unternehmen figurierte Ende Mai auf Platz 37 und hat seither weitere Börsenverluste erlitten.
Zu den Abstiegskandidaten zählen auch der Genfer Warenkontroll-Konzern SGS und Christoph Blochers Ems-Chemie. Beide Firmen liegen beim Börsenwert klar vor Swissair und Sulzer. Scheitern könnten sie jedoch am Kriterium des minimalen Handelsvolumens.
Grund des geringen Börsenhandels bei den Ems-Aktien ist der hohe Anteil (rund 60 Prozent), den Firmenchef Blocher selber besitzt. Im Publikum gehandelt werden nur gerade 38 Prozent der Ems-Papiere. Genauso kommt auch die SGS nur auf einen Freefloat von 40 Prozent.
Spielraum möglich
Marktexperten geben Swissair und Sulzer grössere Chancen zum Verbleib in der Höchstliga. Beide Firmen befänden sich in einer Ausnahmesituation und erfüllten immerhin das Kriterium des Handelsvolumens noch gut, erklärte Sven Bucher, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), auf Anfrage.
Auch Hans-Peter Wiedmer, Finanzchef der Bernischen Pensionskasse, geht davon aus, dass die Indexkommission nicht rein mathematisch entscheidet, sondern politisch-wirtschaftliche Aspekte mit berücksichtigt, wie beispielsweise die branchenmässige Ausgewogenheit des SMI. «Ich rechne deshalb nicht damit, dass Swissair oder Sulzer aus dem SMI ausscheiden», sagte er.
Anlagespezialisten nehmen eher an, dass Ems oder SGS künftig nicht mehr als Blue Chips gehandelt werden. Scheidet ein Unternehmen aus dem SMI aus, muss es mit Börsenverlusten rechnen. Viele institutionelle Anleger wie Pensionskassen, Versicherungen oder auch Fondsmanager verkaufen diese Aktien automatisch, da sie mit ihren Investitionspaketen oft den SMI genau abbilden.
Phonak und Synthes-Stratec holen auf
Als aussichtsreichste Anwärter für den Aufstieg werden der Hörgeräte-Hersteller Phonak und der Medizinaltechnik-Konzern Synthes-Stratec genannt. Beide übertreffen die Börsenkapitalisierung der vier Abstiegskandidaten deutlich. Das Aktien-Handelsvolumen bleibt aber hinter den Werten von Sulzer und Swissair zurück.
swissinfo und Thomas Schürpf (sda)
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