SBB dank Passagieren auf Erfolgskurs
Die SBB haben im letzten Jahr beim Personenverkehr Geld verdient, beim Güterverkehr dagegen Verlust eingefahren. Insgesamt ist der Gewinn um fast 26 Mio. auf 146,2 Mio. Franken gestiegen.
Erträge, Mengen und Leistungen erreichten sowohl im Personenverkehr als auch im Cargo-Bereich Rekordwerte. Den grössten Anteil am Gewinn steuerte der Bereich Infrastruktur mit 162,1 Mio. Franken bei, ein Plus von 63 Millionen gab es beim Personenverkehr. Beim Güterverkehr dagegen resultierte ein Verlust von 58,8 Millionen. Der Verkehrsbereich schnitt somit mit 4,2 Millionen nur knapp positiv ab.
Verwaltungsratspräsident Thierry Lalive d’Epinay bezeichnete am Mittwoch (09.05.) an der Bilanz-Medienkonferenz in Zürich den Jahresabschluss der SBB im zweiten Jahr in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft als «zufriedenstellend bis gut». Das Unternehmen sei aber «noch keinesfalls über dem Berg».
41 Zugfahrten pro Einwohnerin und Einwohner
41 Mal ist im letzten Jahr im Durchschnitt jeder Einwohner und jede Einwohnerin mit den SBB gefahren. Die 286,8 Mio. Personenfahrten bedeuten eine Bestmarke. Herr und Frau Schweizer seien im europäischen Vergleich Spitzenbenützer der Bahn, sagte Benedikt Weibel, Vorsitzender der Geschäftsleitung der SBB AG.
Im Personenverkehr stieg der Ertrag um 1,7 Prozent auf 1’630 Mio. Franken, die Personenkilometer nahmen um 1,6 Prozent auf den Rekordwert von 12’835 Milliarden zu. Benutzt wurden die Züge im letzten Jahr von 3,9 Prozent mehr Reisenden als 1999.
Die Zufriedenheit der Reisenden sei in den letzten beiden Jahren um drei Prozent auf den Höchstwert von 84,7 Prozent gestiegen. Kritik gab es am häufigsten wegen Platzmangels in den Zügen. Positiver als je wurde das Preis-Leistungs-Verhältnis beurteilt.
Rund 230’000 Personen fuhren mit einem Generalabonnement (fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor). Die Zahl der Halbtax-Abonnemente lag laut Weibel erstmals sei 1992 wieder an der 2-Millionen-Marke.
Güter: Wachstum reicht nicht für Erfolg
Beim Güterverkehr erreichten die SBB beim grenzüberschreitenden Verkehr, der rund 80 Prozent des Cargo-Volumens ausmacht, hohe Zuwachsraten. Erstmals hat SBB Cargo über 60 Mio. Tonnen Güter befördert. Trotz der Umsatzsteigerung resultierte ein Verlust von 58,8 Millionen.
Dies zeigt gemäss Weibel, dass der Wachstumskurs allein für Erfolg nicht ausreicht. Der «Break-even» müsse mit zusätzlichen Produktivitäts-Steigerungen und Kostensenkungen erreicht werden.
Im Bereich Infrastruktur haben die SBB mit 162,1 Mio. Franken Überschuss das gesteckte Ziel bei weitem übertroffen. Tiefere Personal-Aufwendungen, höhere Nebenerträge und eine Erhöhung der Eigenleistungen für Investitionen hätten dazu beigetragen, erklärte Weibel.
Erstmals wieder Personalmangel
Die SBB-Rekordleistungen sind von 930 Personen weniger als im Vorjahr erreicht worden. Die Produktivität der 28’272 Mitarbeitenden stieg dadurch um 8,5 Prozent. Erstmals seit den 80-er Jahren herrscht wieder Personalmangel. Allerdings gibt es in gewissen Bereichen weiterhin Überbestände.
Gewerkschaft sieht Basis für Lohnerhöhung
Die Eisenbahner-Gewerkschaft SEV zeigte sich über die positive SBB-Bilanz erfreut. Der Überschuss müsse als Lohnerhöhung dem Personal weiter gegeben werden, das in erster Linie das gute Resultat verdient habe. Der SEV fordert den Ausgleich rückständiger Teuerung und drei Prozent Reallohnerhöhung. Entscheide sind im Herbst zu erwarten.
swissinfo und Agenturen
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